Kiel: Beliebtes Ausflugslokal - Kühles Bier in der "Felsenhalle"
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Kiel Kühles Bier in der Kieler "Felsenhalle"
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Kiel: Beliebtes Ausflugslokal - Kühles Bier in der "Felsenhalle"

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20:26 22.09.2020
Von Kristiane Backheuer
Verspielt und mit Turm: So sah die ehemalige Gastwirtschaft "Felsenhalle" am Königsweg einst aus. Quelle: hfr
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Versteckt hinter Gebäuden und alten Bäumen liegt die ehemalige Gartenwirtschaft „Felsenhalle“. Sie befindet sich am Königsweg auf einer Anhöhe in den Moorteichwiesen und gehörte zu der damaligen Bierbrauerei Willrodt. 1846 wurde sie zusammen mit den darunter befindlichen Braukellern errichtet.

Rundumblick vom Aussichtsturm der "Felsenhalle"

Die „Felsenhalle“ war einst ein beliebtes Ausflugslokal im Süden Kiels. Von einem 15 Meter hohen achteckigen Aussichtsturm konnten die Besucher einen ungestörten Blick auf Altstadt, Hafen, Kieler Förde und das Vieburger Gehölz genießen.

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Die Region rund um den Südfriedhof war damals noch eine durch und durch ländliche Gegend. Hier wurde Hopfen angebaut, ringsum lagen Weiden. Der Königsweg war ein Feldweg mit Knicks.

Fusion mit der Eiche-Brauerei

Die Brauereianlagen wechselten später mehrfach die Besitzer. 1876 diente der Gastraum den Direktoren der Kieler Actien-Brauerei als Wohnhaus. Nach Fusion mit der Eiche-Brauerei 1917 wurde der Braubetrieb ganz stillgelegt. Nur die Mälzerei wurde noch bis ins Jahr 1944 genutzt.

Im Zweiten Weltkrieg diente das Kellergewölbe der umliegend wohnenden Bevölkerung inoffiziell als Luftschutzbunker. Ein Bombentreffer zerstörte später Teile des Gebäudekomplexes. Mitte der 1970er-Jahre verschwand beim Bau der Max-Planck-Straße ein Teil der Kellergewölbe.

Das unterirdische Gewölbekellersystem erstreckte sich einst in teils zehn Metern Tiefe über 1200 Quadratmeter auf drei Stockwerken.

Der Gebäudekomplex steht unter Denkmalschutz

1985 wurde der Gebäudekomplex in die Denkmalliste eingetragen. Die damalige Besitzerin, Adda-Luise Feldmann, die das Grundstück privat nutzte, soll nicht begeistert gewesen sein. In einem KN-Artikel vom 20. Januar 1986 sagte sie, sie fühle sich „überrumpelt“.

Als Alterssicherung hatte sie vorgehabt, so sagt sie in einem Gespräch mit den KN, auf dem Gelände fünf Stadthäuser zu bauen. Der Turm und der alte Baumbestand im parkähnlichen Garten sollten erhalten bleiben. Nach der Aufnahme in die Denkmalliste ließ sie ihr Eigentum offenbar nach und nach verfallen.

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Die letzte Besitzerin vermachte alles dem Freilichtmuseum

Bis kurz vor ihrem Tod lebte Adda-Luise Feldmann auf dem Gelände. Als sie 2018 im Alter von 88 Jahren verstarb, vermachte sie dem Förderverein des Schleswig-Holsteinischen Freilichtmuseums ein Barvermögen in Höhe von 200000 Euro sowie das rund 5000 Quadratmeter große Grundstück mit der „Felsenhalle“.

Aufgrund des desolaten Zustands des Gebäudekomplexes verkaufte das Freilichtmuseum die gesamte Liegenschaft Mitte Juni 2020 für einen siebenstelligen Betrag an den Kieler Unternehmer Dieter Weiland.

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Kristiane Backheuer 22.09.2020
22.09.2020
KN-online (Kieler Nachrichten) 22.09.2020