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Kiel Brauchen wir noch Kleingeld?
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13:15 29.11.2019
Von Laura Treffenfeld
Im Einzelhandel ist das Kleingeld noch gerne gesehen. Manche Kunden sind eher zwiegespalten. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Auf Wangerooge stellt sich diese Frage ganz konkret. Die Volksbank Jever machte gerade erst bundesweit Schlagzeilen, weil sie den Geschäften keine Ein-, Zwei- und Fünf-Cent-Münzen mehr liefern will. Die Transportkosten überstiegen den Geldwert, hieß es zur Begründung. Ob sich das Thema Kleingeld damit auf der Insel erledigt hat, bleibt allerdings abzuwarten. Die Händler wollen sich jetzt auf dem Festland mit Münzen versorgen.

Der Handel verteidigt die Cent-Münzen

Auch Dierk Böckenholt vom Einzelhandelsverband Nord hält die Abschaffung von Cent-Münzen für problematisch. Sie sind nach wie vor ein gesetzliches Zahlungsmittel. Der Verbraucher erwarte deshalb auch, weiterhin mit ihnen zahlen zu können, so Böckenholdt. „Eine Abschaffung in einzelnen Regionen macht auch keinen Sinn. Wenn Abschaffung, dann im ganzen Euro-Raum, sonst gibt es nur Unstimmigkeiten zwischen den Marktbeteiligten.“ Zudem müssten im Falle einer Abschaffung auch überall die Registrierkassen und Kassensoftware angepasst werden, was zusätzlichen Aufwand für den Handel bedeute. Ein weiteres Argument: Die Feinabstimmung der Preise – insbesondere in den niedrigen Kategorien – würde nach den Worten Böckenholdts deutlich schwieriger werden.

Viele Cent-Stücke wandern in die Spardose - oder in die Spendenbox

Bei den Verbrauchern stößt das Thema auf ein geteiltes Echo. „Mich stört das Kleingeld überhaupt nicht“, sagt beispielsweise Roswitha Koch. „Die Bäcker freuen sich ja, wenn man mit Kleingeld bezahlen kann. Ich schmeiße auch öfter mal ein paar Cent in Spendenboxen“, so die 60-Jährige.

Nadine Möller (41) bezahlt dagegen überwiegend mit Karte. „Es wäre schon schöner, wenn das Gewicht im Portemonnaie weniger wäre. Ich würde die Cent-Stücke nicht vermissen – eigentlich sind die überflüssig.“ Nabil Dabbagh (31) nutzt ebenfalls wenig Bargeld. Ohne die Münzen könne jedoch das Zahlen krummer Summen schwierig werden, findet er.

In der Familie von Thorsten Löwe (53) wandert jeder Cent in die Sparbüchse. „Davon erfüllen wir uns am Ende des Jahres einige Urlaubswünsche.“ Gehe es nach ihm, könnten die Cent-Münzen gerne im Umlauf bleiben. „Ich denke ja auch, dass die Idee, die Cents abzuschaffen, mehr von den Banken kommt. Das ist denen zu teuer.“

Vier bis sechs Euro kostet das Abgeben der Münzen bei Banken

Für die Förde Sparkasse steht fest: Letztlich entscheiden die Kunden, wohin die Reise geht. „Varianten wie das Bezahlen mit dem Smartphone bieten immer neue Möglichkeiten im Alltag“, sagt Institutssprecher André Santen. „Die Vorteile liegen auf der Hand: Bargeldloses Bezahlen ist meist schneller, einfacher und sicherer. Nicht autorisierte Zahlungen mit Karten können in den meisten Fällen zurückerstattet werden, Bargeld ist im Falle eines Diebstahls hingegen weg.“ Nach Einschätzung der Förde Sparkasse wird das Bargeld zunehmend an Bedeutung verlieren. „Eine Entscheidung für oder wider Kleingeld sollte aber über das Verhalten der Verbraucher und Händler herbeigeführt werden.“

Wer fleißig Münzen gesammelt hat und diese doch in Scheine umtauschen will, muss bei den Banken mittlerweile draufzahlen. Bei der Volksbank, der Deutschen Bank und der Sparkasse benötigt man einen „Safe-Bag“. Dieser durchsichtige Sicherheits-Beutel kostet zwischen vier und sechs Euro. Nur darin können Münzen abgegeben werden. Bei der Deutschen Bank gilt dies allerdings erst ab 50 Münzen. Und ohne Kundenkonto geht natürlich nichts. In der Regel werden die Münzen gezählt und der Betrag dann dem Konto zugeschrieben. Die Geldscheine können sich die Bankkunden am Automaten ziehen.

Versuch in Kleve scheiterte

357 Millionen Ein-Cent-Münzen wurden 2019 allein in Deutschland produziert. Europaweit stellen die Ein-, Zwei- und Fünf-Cent-Münzen zusammen knapp zwei Drittel der ausgegebenen Münzen dar, machen allerdings nicht einmal sieben Prozent des wertmäßigen Umlaufs aus. In vielen Nachbarländern sind Münzen bereits passé. So wird in Schweden an Parkautomaten und im öffentlichen Nahverkehr fast keine Barzahlung mehr akzeptiert. In Italien, Irland und den Niederlanden wird bereits seit einigen Jahren im Einzelhandel auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag auf- oder abgerundet. Tatsächlich hatte in Deutschland auch die Stadt Kleve die Rundungsregelung 2016 probehalber eingeführt. Das Experiment scheiterte jedoch – unter anderem, weil die Kunden häufiger aufrunden und draufzahlen mussten.

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