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Kiel Brötchenholen ohne Auto schwierig
Kiel Brötchenholen ohne Auto schwierig
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00:48 28.08.2014
Von Anne Steinmetz
Mussten sich an die langen Wege zum Einkaufen gewöhnen: Edda Redeker und Jörg Meier leben seit 2000 in Hammer. Quelle: eis: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Ein Bus fährt in Hammer schon lange nicht mehr. Nur noch nach vorheriger telefonischer Anmeldung werden die Haltestellen zu den angegebenen Abfahrtszeiten von einem Taxi angefahren. „Wenn man hier kein Auto hat, ist es schon schwierig“, sagt Andrea Hoffmann. Die 57-Jährige kommt aus Hammer und hat die Veränderungen des Stadtteils in den letzten Jahren miterlebt: „Früher hatten wir noch einen Kaufmann im Speckenbeker Weg. Und einen kleinen Laden, in dem man was zu Naschen kaufen konnte.“ Jetzt müssen sie immer nach Russee oder Schulensee zum Einkaufen, selbst zum Brötchenholen. „Es wäre schöner, wenn es hier einen Bäcker gäbe“, findet Edda Redeker. Sie ist vor 14 Jahren mit ihrem Mann nach Hammer gezogen. Zuvor haben sie in der Kieler Innenstadt gewohnt, die Einkaufsmöglichkeiten lagen da noch direkt vor der Haustür. „Für uns ist das auch jetzt kein Problem. Wir arbeiten in der Innenstadt und kaufen dann dort ein oder mit dem Auto auf dem Heimweg.“

 Schwierig ist die Situation in Hammer vor allem für ältere Leute, die nicht mehr gut zu Fuß sind. „Meine Schwiegermutter ist 83. Noch fährt sie selbst Auto. Aber wenn sie das nicht mehr macht, dann müssen wir wohl für sie einkaufen“, sagt Andrea Hoffmann. Auch jetzt würde sie schon häufiger für ihre Schwiegermutter etwas aus dem Supermarkt mitbringen. Für Alleinstehende ist das noch problematischer. „Mein Nachbarin geht häufiger für einen älteren Herrn aus Hammer einkaufen“, weiß Edda Redeker. Dieser können nicht mehr gut laufen und habe keine Kinder, die das Einkaufen übernehmen könnten. „Hier kennen sich ja alle. Da hilft man sich auch, wenn mal was ist“, sagt sie. Das sei eben der Vorteil von einem kleinen Ort.

 Deutlich belebter als in Hammer ist es an der Segeberger Landstraße in Wellsee. Es gibt einen Bäcker, einen Fleischer, einen Zeitschriftenladen und auch einen Geldautomaten. Ein „Nahversorgungsdefizit“ gebe es laut Gutachten aber auch hier. Denn für ihre Lebensmitteleinkäufe müssen auch die Wellseer ins Auto steigen. „Früher hatten wir hier ja alles“, erzählt eine 69-Jährige Wellseerin. Drei Lebensmittelgeschäfte und einen Haushaltswarenladen habe es gegeben.

 Heute müsse sie mit ihrem Mann mit dem Auto nach Elmschenhagen zum Supermarkt fahren. Im Winter sei das manchmal nicht so einfach: „Wenn zu viel Schnee liegt oder bei Glatteis fährt mein Mann kein Auto.“ Dann würden sie sich manchmal die Zeit nehmen und zu Fuß zum Einkaufen gehen. „Es wäre aber schön, wenn hier ein Supermarkt hinkäme.“ Bis dahin kauft sie weiterhin ihre Zeitschriften vor Ort und geht in Wellsee zum Bäcker und zum Fleischer, damit diese Läden nicht auch noch schließen müssen.

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