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Kiel Schon 1928 gab es Abrisspläne
Kiel Schon 1928 gab es Abrisspläne
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18:29 08.09.2019
Von Kristiane Backheuer
Uwe Steinhoff kennt sich bestens mit der Geschichte der Levensauer Hochbrücke aus. Der Hobbyhistoriker und ehemalige Kapitänleutnant aus Kronshagen reist durch ganz Schleswig-Holstein und hält Vorträge. Dann zeigt er auch dieses alte Foto vom Bau der Brücke. Quelle: Frank Peter
Kiel

Bei dem ein oder anderen wird viel Wehmut mitschwingen, wenn der Abriss kommt. Denn das markante Bauwerk von 1894 mit den roten Stahlbögen steckt voller Geschichte und Geschichten. Uwe Steinhoff (73) aus Kronshagen kennt sie alle.

Der ehemalige Kapitänleutnant ist Hobbyhistoriker und reist seit zehn Jahren mit seinen stadtgeschichtlichen Lichtbildvorträgen durch Schleswig-Holstein.

Lesen Sie auch: Levensauer Hochbrücke - Das ist der Plan

In dem kleinen Arbeitszimmer von Uwe Steinhoff reihen sich in den vielen Regalen und Schränken die Geschichtsbücher dicht an dicht. An den Wänden hängen historische Fotos, alte Zeitungsausschnitte.

Der 73-Jährige hält Vorträge über Themen der Kieler Stadtgeschichte, genauso wie über den Alten Eiderkanal oder das Baden an der Kieler Förde. „Der Nord-Ostsee-Kanal ist aber am beliebtesten“, sagt er und kramt seinen proppevollen Terminkalender hervor. „Die Buchungen gehen schon in das Jahr 2020 hinein.“

Levensauer Hochbrücke: Schon 1928 gab es Abrisspläne

Die Geschichte seiner Heimat macht ihm sichtlich Spaß. Mit Begeisterung klickt er am Computer durch seinen Vortrag über die Alte Levensauer Hochbrücke. „Kaum jemand weiß, dass die Brücke schon 1928 abgerissen werden sollte“, erzählt er und deutet auf ein Schwarz-Weiß-Bild, das tiefe Risse im Mauerwerk zeigt.

Chronik: Die Geschichte der Levensauer Hochbrücken

„Die Türme und das Mauerwerk hatten sich gesenkt und fünf bis zehn Zentimeter tiefe Risse bekommen.“ Doch in Zeiten von Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit fehlte das Geld für einen Neubau. „Die Risse wurden deshalb einfach geflickt. Die Statik wurde durch Maueranker und Bohrungen, in die Beton gepresst wurde, wieder hergestellt.“

Aber zunächst einmal zu den Anfängen der Brücke. Dass sie überhaupt gebaut wurde, haben wir Kaiser Wilhelm II. zu verdanken. „Ursprünglich war bei Altwittenbek eine Eisenbahndrehbrücke und bei Levensau eine Straßendrehbrücke geplant“, so Uwe Steinhoff. „Als der Kaiser aber vor Ort war und die vorgesehene enge Kurvenführung des Kanals an der Stelle sah, entschied er anders. Die bis zu 136 Meter langen Kriegsschiffe hätten beim Passieren der engen Kurve eine geschlossene Brücke zu spät erkannt und dann gerammt, weil sie nicht rechtzeitig das Schiff zum Stillstand hätten bringen können.“

Kaiser Wilhelm II. legte den Grundstein 1893

So legte der Kaiser höchstselbst am 24. Juni 1893 den Grundstein für eine Hochbrücke. Entworfen hatte „die Kühne“, wie das Bauwerk wegen der geschwungenen Bögen genannt wurde, der junge Architekt Hermann Muthesius. Jener Muthesius, der später der ehemaligen Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Kiel ihren Namen gab.

Sechs Millionen Ziegel, 252.000 Nieten und 2800 Tonnen Eisen wurden damals in Rekordzeit verbaut. „Lediglich“ 18 Monate dauerte der Bau. „Von so einer kurzen Bauzeit können die Ingenieure heute nur träumen“, so Uwe Steinhoff.

Die letzte deutsche Brücke, die aus Schweißeisen gebaut wurde

Die feierliche Einweihung der 2,3 Millionen Goldmark teuren Brücke fand am 3. Dezember 1894 statt. Der Kanal selbst wurde erst ein Jahr später eröffnet, am 20. Juni 1895. Die Levensauer Hochbrücke ist die letzte deutsche Brücke, die aus Schweißeisen gebaut wurde. Die Überbauten enthalten 2700 Tonnen Schweißeisen, 70 Tonnen Gusseisen und 40 Tonnen Stahl.

Besonders imposant waren die vier 70 Meter hohen Türme an den beiden Brückentoren, die an rheinische Burgen erinnern. „Auf der südlichen Brückenzufahrt kurz vor der Brücke gab es einen Eisenbahnhaltepunkt. Erst mit dem Umbau 1954 wurde daraus ein Restaurant und noch später ein Kiosk“, so Steinhoff.

Wilde Schlägereien auf der Brücke

Alte Einwohner aus Neuwittenbek erzählen von kultigen Partys oben auf der Brücke und von der ein oder anderen Schlägerei. Wagemutige Motorradfahrer sollen sogar die roten Brückenbögen als Fahrstrecke genutzt haben. Erst Nagelbretter stoppten die risikobereiten Zweiradfahrer.

Geplant war die Alte Levensauer Hochbrücke von Anfang an für Züge, den Straßenverkehr, der damals vor allem aus Pferdefuhrwerken bestand, und Fußgänger. „Damals gab es noch Schlagbäume und Wächter, die immer dann die Straße sperren mussten, wenn Züge kamen“, erzählt Uwe Steinhoff.

Der Straßenbelag, den sich Schienen- und Straßenverkehr teilten, bestand aus Holzbohlen, die für ordentlich Krach sorgten. Erst 1915 wurden Fahrbahn und Gleise auf Veranlassung Prinz Heinrichs getrennt.

Hitler wollte die Brücke schon abreißen

Nachdem 1928 die ersten Risse in den Widerlagern und Türmen auftraten, schien zehn Jahre später das endgültige Ende der Levensauer Hochbrücke gekommen. „Man beschloss im Zuge einer geplanten Kanalerweiterung, die Brücke aufzugeben und dreieinhalb Kilometer weiter westlich eine neue zu bauen“, so der Hobbyhistoriker. „Doch dazu kam es nie. Hitler benötigte das Geld für andere Zwecke.“

Aus Angst vor Bombenabwürfen in der Nähe der Brücke setzte man allerdings 100 Eisenpfeiler und zwei neue Betonfundamente in den Kanal, um bei Einsturzgefahr Eisenstützen zur Stabilisierung aufstellen zu können.

Dann kamen in den Nachkriegsjahren mit dem wirtschaftlichen Aufschwung die Staus und die Unfälle. Immer mehr Autos und Lkw nutzten die Verbindung zwischen Kiel und dem Kreis Rendsburg-Eckernförde. „Die Fahrbahn war mit 4,50 Metern einfach zu schmal“, so Steinhoff. „Immer wieder verkeilten sich Fahrzeuge unter den Torbögen. Der Verkehr stand dann komplett still.“

Ingenieure trauten dem altmodischen Schweißeisen nicht

Das Bundesverkehrsministerium beschloss 1954, die Brücke zu modernisieren und die Türme zu opfern. Der klappernde Bodenbelag wurde gegen eine neue Stahlkonstruktion mit Asphaltdecke ausgetauscht, die Fahrbahn auf sechs Meter verbreitert und ihre Tragfähigkeit von 22 auf 60 Tonnen vergrößert.

Zuvor allerdings unterzogen die Ingenieure die gute alte Levensauer einem Belastungstest. Sie trauten dem altmodischen Schweißeisen nicht. Aber das hielt wunderbar stand. Auch als sieben Lokomotiven, acht Lastwagen und zwei schwere Spezialfahrzeuge auf einmal anrückten und insgesamt 1284 Tonnen Gewicht auf die Brücke brachten.

„Belastungsprobe brachte keine Überraschungen“, schrieben die KN in ihrer Ausgabe vom 7. August 1953.

Umbau der Levensauer Hochbrücke dauerte nur viereinhalb Monate

Der zwei Millionen DM teure Umbau wurde am 31. August 1954 mit einem großen Fest gefeiert, wie in einer anderen alten Ausgabe der Kieler Nachrichten zu lesen ist. In viereinhalb Monaten waren 44 000 Nieten eingeschlagen, neun Kilometer Schweißnähte gezogen und 825 Tonnen Stahl verbaut worden.

Wirtschaftsminister Hermann Böhrnsen schwärmte damals: „Aus Altem ist etwas Modernes geschaffen worden, das den Ausdruck unserer Zeit trägt.“

Nun ist auch das Moderne reif für den Abriss. 100 Jahre sollte die Levensauer Hochbrücke einst halten. 125 Jahre hat sie bisher geschafft. Ein paar Jahre werden wir den Anblick noch genießen können, bis der Neubau steht. Der Abriss ist für 2025 geplant.

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