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Kiel Große Hilfe für Studenten
Kiel Große Hilfe für Studenten
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08:00 25.09.2019
Von Kristiane Backheuer
Auf Augenhöhe: Sabine Schmidt-Stilhoff und Prof. Kay Rethmeier haben sich gerade erst kennengelernt und  verstehen sich bereits bestens. Zwei Semester lang wird der Blitz-Experte als Stifter eines Deutschlandstipendiums dafür sorgen, dass die fünffache Mutter etwas sorgenfreier studieren kann. Quelle: Sven Janssen
Kiel

Da haben sich zwei gefunden: Sabine Schmidt-Stilhoff (37) und Prof. Kay Rethmeier (46) kennen sich gerade mal ein paar Minuten und schon entbrennt eine angeregte Unterhaltung. Über Gebärdensprache, die Musik, das Studium und ungewöhnliche Nebenjobs.

FH Kiel vergibt insgesamt 50 Deutschlandstipendien

Als Privatperson sorgt der Professor in den kommenden zwei Semestern dafür, dass Sabine Schmidt-Stilhoff ihr Studium der Sozialen Arbeit ein wenig sorgenfreier bewältigen kann. Das Deutschlandstipendium, das die Fachhochschule Kiel (FH) in ihrem Jubiläumsjahr an 50 Studenten vergibt, macht es möglich.

„Ein echter Segen“, sagt die alleinerziehende Mutter von zwei Jungs und drei Mädels im Alter von drei bis 16 Jahren und lacht herzerfrischend. 

Der Blitz-Experte und die engagierte Studentin

Prof. Kay Rethmeier ist der Blitz-Experte Kiels und arbeitet am Institut für Elektrische Energietechnik an der FH. Sabine Schmidt-Stilhoff ist Studentin im fünften Semester, hat bereits eine Ausbildung als Erzieherin hinter sich und möchte später in der Behindertenhilfe tätig sein.

In Dithmarschen aufgewachsen lebt sie inzwischen in Osterrönfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und nimmt so einiges auf sich, um studieren zu können. „Man muss gut strukturiert sein“, sagt Sabine Schmidt-Stilhoff

Wie man überhaupt ein Studentenleben mit fünf Kindern meistert? „Einen Tag in der Woche deckt zum Glück mein von mir getrennt lebender Mann ab, einen meine Schwiegereltern. In diese beiden Tage versuche ich, möglichst viele Kurse und Vorlesungen zu legen“, sagt Sabine Schmidt-Stilhoff.

Beim Diakonischen Werk unterstützt sie das Projekt "Auf Augenhöhe"

Um finanziell über die Runden zu kommen, bezieht sie Bafög und arbeitet als studentische Hilfskraft im Diversitätsbüro der FH. Ehrenamtlich arbeitet sie zudem noch beim Diakonischen Werk und unterstützt das Projekt „Auf Augenhöhe“.

Von Geburt an ist die junge Frau schwerhörig. Zudem wurde gerade noch eine rheumatoide Arthritis bei ihr diagnostiziert. Man merkt es ihr nicht an. „Anfangs hab’ ich in den Vorlesungen kaum etwas verstanden“, sagt sie. „Da hab’ ich gemerkt, dass ich offen damit umgehen muss.“

Inzwischen drückt sie den Dozenten eine drahtlose Signalübertragungsanlage in die Hand. „Seitdem klappt es bestens“, sagt sie und erzählt, dass sie nach zwei Hörstürzen vor 20 Jahren aus Angst vor völligem Gehörverlust die Gebärdensprache gelernt hat. „Gerade frische ich den Kurs auf.“ 

Prof. Rethmeier schmunzelt. „So einen Kurs hab’ ich auch mal belegt“, sagt er. „Da ich so schlecht Sprachen lernen konnte, dachte ich, lern’ ich mal eine Universalsprache. Aber von wegen. Allein in Deutschland gibt es ja mehrere Dialekte in Gebärdensprache.“

Zum 50-jährigen Bestehen der FH gibt es 50 Deutschlandstipendien

Anlässlich ihres fünfzigsten Jubiläums beteiligt sich die Fachhochschule Kiel am Deutschlandstipendium. 50 besonders leistungsstarke Studenten werden im Akademischen Jahr 2019/2020 gefördert. Das Stipendium wird in Höhe von 300 Euro pro Monat für die Dauer von zwei Semestern vergeben. Es setzt sich zusammen aus 150 Euro von privaten Förderern und 150 Euro vom Bund.

Die 50 Kieler FH-Stipendiaten kommen aus 21 Studiengängen aller sechs Fachbereiche. Die finanzielle Unterstützung soll sie auf ihrem Weg in die Zukunft unterstützen. Begleitend wird ein spezielles Veranstaltungsprogramm angeboten. Deutschlandweit wurden im Jahr 2018 insgesamt 27229 junge Menschen an 305 Hochschulen gefördert. Das Stipendium wird seit 2011 vergeben. Bei der Stipendienvergabe berücksichtigen die Hochschulen nicht nur erstklassige Noten, sondern auch gesellschaftliches Engagement, besondere persönliche Leistungen sowie die soziale und familiäre Situation.

Mehr Informationen gibt es hier.

Sabine Schmidt-Stilhoff nickt und erzählt im nächsten Atemzug davon, wie wichtig es ist, dass jeder die Möglichkeit bekommt, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Sie erzählt vom Bundesteilhabegesetz, von „Leichter Sprache“ und Inklusion. Als Behinderte fühle sie sich aber eigentlich nicht, sagt sie und überlegt. „Obwohl ich es wohl bin.“

"Wer in Bildung investiert, bekommt eine hohe Rendite"

Wie ein Professor dazu kommt, sein privates Geld in die Ausbildung einer Unbekannten zu stecken? Das Gesicht von Prof. Rethmeier verrät: blöde Frage. „Wer in Bildung investiert, bekommt eine hohe Rendite“, sagt er und lacht.

Außerdem spiele in seinem Fach der Wirkungsgrad eine große Rolle. „Mit wenig Ressourcen viel erreichen“, sagt er. „Da ist das Deutschlandstipendium eine prima Sache.“

Das Konzept hat ihn so überzeugt, dass er gleich drei Stipendiatinnen fördert. Bewusst nicht aus seinem, sondern aus dem Fachbereich „Soziale Arbeit und Gesundheit“. 

Als Student hat Kay Rethmeier selbst Glück gehabt. „Die ersten vier Semester hab’ ich von der Ausbildungsversicherung meiner Großeltern gelebt. Später dann hatte meine Frau einen gut bezahlten Job, und ich hab’ als Tutor etwas dazuverdient.“

Er kann nur allen Studenten raten, nicht zu kellnern, sondern in dem Bereich zu jobben, in dem sie später ihr Geld verdienen wollen. Er selbst arbeitet neben der FH-Professur an einem Tag in der Woche als selbstständiger Unternehmer.

Er kann in Kraftwerke, Erdkabel und Hochspannungsleitungen horchen und daraus Schlüsse über den Zustand der Leitung ziehen.

Da wären wir auch schon wieder beim Gehör. Und im nächsten Moment reden die beiden über die Musikband des Professors, der Gitarre, Klavier und Schlagzeug spielt. Über nächtliches Lernen und über die Schwierigkeiten, einen Kita-Platz zu bekommen. Schade, dass gleich die nächste Vorlesung beginnt. Dem Professor und der Studentin wären bestimmt noch viel, viel mehr Themen eingefallen. 

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