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Kiel Ein langes Leben im Porträt
Kiel Ein langes Leben im Porträt
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08:04 04.08.2019
Von Kristiane Backheuer
Hellwach und interessiert: Johannes Imbusch ist auch mit 101 Jahren noch immer mittendrin im Leben. Er versorgt sich morgens und abend selbst und fährt täglich mit seinem E-Mobil zum Einkaufen. Und einen grünen Daumen hat er auch: Die Orchidee sollte eigentlich im Müll landen. Dank guter Pflege blüht sie nun wieder. Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Einen Hundertjährigen kann eigentlich nichts mehr überraschen? Von wegen. Wenn man in so einem hohen Alter noch einmal als Fotomodell entdeckt wird, lässt das selbst die erfahrensten Senioren nicht kalt.

100 Menschen, die 100 Jahre und älter sind, porträtierte der Kieler Fotograf Bernd Bünsche (74) in den vergangenen Wochen und Monaten für die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Herausgekommen ist eine ganz außergewöhnliche Ausstellung, die ab Dienstag, 6. August, in der Förde Sparkasse zum 100-jährigen Bestehen der AWO gezeigt wird.

In Schleswig-Holstein gibt es 632 über Hundertjährige

Insgesamt 632 Menschen, die 100 Jahre oder älter sind, zählte das Statistikamt Nord am 31. Dezember 2018 in Schleswig-Holstein. Einer von ihnen ist Johannes Imbusch. Der 101-Jährige wurde wie all die anderen im Kaiserreich geboren, er überlebte zwei Weltkriege, half mit, das Land wieder aufzubauen.

Ausstellung läuft 100 Tage

Die Ausstellung „100 Hundertjährige aus Schleswig-Holstein“ der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Schleswig-Holstein wird am Dienstag, 6. August, in der Bürgergalerie der Förde Sparkasse im Lorentzendamm in Kiel eröffnet. Gezeigt werden 100 Porträts, die der Kieler Fotograf Bernd Bünsche in den vergangenen Wochen und Monaten von Menschen gemacht hat, die 100 Jahre oder älter sind. Hintergrund ist, dass auch die AWO in diesem Jahr 100 Jahre alt wird. 

Bernd Bünsche hat die Menschen nicht nur fotografiert, sondern sie auch zu ihrem Leben befragt. Kurze Begleittexte runden die Porträtreihe ab. Geöffnet ist die Ausstellung montags bis donnerstags von 9 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen werden 100 Tage lang gezeigt. Ein Bildband mit dem Titel „100 Hundertjährige – Die vielen Gesichter des Alters“ erscheint zudem im Wachholtz-Verlag.

Johannes Imbusch hatte bisher ein pralles Leben voller Höhen und Tiefen, aber Fotomodell war er noch nie. Als er in den Kieler Nachrichten las, dass die AWO Hundertjährige sucht, griff er beherzt zum Telefon.

„Das klang nach einer guten Idee“, sagt er und bittet in seine 45 Quadratmeter große Wohnung in der Kronshagener Seniorenwohnanlage am Amalienweg. „Ich hab’ früher selbst viel fotografiert und auch Filme gedreht.“

Wer Johannes Imbusch kennenlernt, müsste sich eigentlich den Pass zeigen lassen. Denn nach einem Hundertjährigen sieht er so gar nicht aus. Adrett und gestriegelt in schicker Herrenweste mit Revers sitzt er am Esstisch und gibt bereitwillig Auskunft. Über seine Kindheit und Jugend in Vechta, seine Internatszeit im Kloster mit Altgriechisch und Latein. „Ich sollte eigentlich Priester werden“, sagt er, aber mit einem Trick kann er dieser Bestimmung entkommen. „Ich lachte mir eine Freundin an und flog von der Schule“, sagt er verschmitzt.

Er führte ein Gardinenfachgeschäft in der Kieler Ringstraße

Sechs Jahre ist er im Krieg. Dann folgen vier Jahre Gefangenschaft in England. „Das war das einzig Gute am ganzen Krieg.“ Als ihn ein ehemaliger Mitschüler zur Hochzeit nach Neumünster einlädt, verliebt er sich in seine Tischdame. „Das wurde meine spätere Frau.“ Tochter Lioba, die heute 71 ist und um die Ecke wohnt, wird geboren. In der Kieler Ringstraße führt der gelernte Herrenschneidermeister später ein Gardinenfachgeschäft. 

Nicht krank zu sein, empfindet er als großes Glück

Groß von der Vergangenheit reden, will Johannes Imbusch aber gar nicht. „Ich bin zufrieden mit dem, wie alles im Moment läuft“, sagt er und blickt auf die prächtigen Linden vor seinem Fenster. Vor knapp zwei Jahren zog er aus seinem Einfamilienhaus ins Betreute Wohnen. „Ich kenne kein Bauch- oder Kopfweh, und krank war ich eigentlich auch nie. Das empfinde ich als großes Glück“, erzählt er.

Und: Nur zwei Mal im Leben habe er ein Krankenhaus von innen gesehen. 2008, da war er 90, und vor zwei Jahren. Beides mal hatte er ein Kribbeln in der linken Hand. Gefunden haben die Ärzte beide Male nichts. „Vermutlich leichte Schlaganfälle“, sagt er. Hier in Kronshagen fühlt er sich wohl. Große Wünsche habe er nicht mehr. „Hauptsache, ich bleibe weiterhin so gesund“, sagt er. 

Dass er so alt geworden ist, schiebt Johannes Imbusch, der Weißbrot und Fettiges liebt, auf „gute Gene“. „Mein Vater ist auch 96 geworden, und mein Onkel wurde sogar 101. So alt, wie ich jetzt bin.“

Ans Abdanken denkt er aber noch lange nicht. Zu sehr freut er sich noch über die kleinen Dinge des Lebens. Eine Partie Schach mit einem Kumpel von nebenan oder dem zehnjährigen Enkel. Der tägliche Ausflug mit seinem E-Mobil zum Einkaufen im Ort. Ein guter Krimi oder die Rätselseite in einer Zeitschrift. Der Computer hilft, wenn er mal eine Rätselaufgabe nicht weiß.

Betreuung braucht er noch nicht. Er wäscht sich selbst, macht sich Frühstück und Abendbrot in seiner kleinen Kochzeile. Nur auf eines könnte er inzwischen nicht mehr verzichten: auf den Mittagstisch im Haus. Den nutzt er jeden Tag mit einem Strahlen im Gesicht. „Schon allein wegen des herrlichen Bohneneintopfs lohnt es sich, weiterzuleben“, sagt Johannes Imbusch und muss schmunzeln. Außerdem fühlt er sich eh erst wie ein 70-Jähriger. So können gerne noch ein paar Jahre kommen.

An den Wänden in seiner kleinen Wohnung hat er einige Fotos von früher aufgehängt. Johannes Imbusch lächelt da als junger Mann im Kreise seiner Geschwister und Halbgeschwister dem Betrachter entgegen. Ein schicker junger Mann, der schon immer Wert auf schöne Kleidung gelegt hat.

Mit dem Rad zur Olympiade nach Berlin

Ob die Frauen nicht Schlange gestanden hätten? „Nee, mich kleinen Pups wollten die nicht unbedingt“, sagt er ein wenig verlegen. Mit knapp 1,60 Metern habe er nicht gerade Gardemaße gehabt. Aber sportlich sei er gewesen. „1936 bin ich sogar mit dem Rad rund 400 Kilometer von Vechta zur Olympiade nach Berlin gefahren“, sagt er und verrät ganz nebenbei noch sein Rezept für eine gute Ehe: Dem Partner auch mal recht geben. Ein Tipp, mit dem er selbst bis zum Tode seiner Frau 2005 bestens gefahren sei.

Und wie war es nun als Fotomodell? „Hmmm“, sagt Johannes Imbusch und verzieht ein wenig das Gesicht. „Ich sah ziemlich blöd auf den Bildern aus, aber so blöd bin ich ja gar nicht.“ Kurzerhand nutzte er das Angebot von Fotograf Bernd Bünsche, noch einmal neue Aufnahmen machen zu lassen.

Beim zweiten Mal dann war auch der 101-Jährige zufrieden. Beim nächsten Familientreffen wird er nun viel zu erzählen haben. Jedes Jahr treffen sich seine Halbgeschwister und Cousins traditionell zum Stoppelmarkt in Vechta. Klar, dass Johannes Imbusch auch diesmal wieder dabei ist. Er wird wieder in die Achterbahn steigen, alte Geschichten mit seinen Verwandten austauschen und bis tief in die Nacht Räuber-Rommé („alles Unerlaubte ist dann erlaubt“) spielen. Aber am meisten wird er seine Familie vielleicht damit überraschen, dass er mit über 100 noch einmal zum Fotomodell geworden ist.

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