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Kiel Die verrückten Rituale der Erstsemester
Kiel Die verrückten Rituale der Erstsemester
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18:56 18.10.2019
Von Marc R. Hofmann
Kontaktfreudig: BWL-Erstis Pia und Alexander (beide 19) sollen eine nur mit dem Mund angesaugte Postkarte weitergeben. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Die Kieler sehen sie in diesen Tagen überall. Erstsemester ziehen in Gruppen von Station zu Station durch die Innenstadt, müssen Fragen zur Stadt beantworten, aber auch feucht-fröhliche Aufgaben meistern. Knapp 5400 Studenten beginnen in diesem Wintersemester allein an der Christian-Albrechts-Universität ihre Hochschulausbildung.

So wie Pia und Alexander. Die beiden BWL-Erstsemester sollen am Asmus-Bremer-Platz eine nur mit dem Mund angesaugte Postkarte weitergeben. Obwohl nicht kontaktscheu und lautstark angefeuert von ihren Kommilitonen, gelingt den beiden die Übung erst im dritten Anlauf. Einen von der Herstellerfirma gesponserten Likör mit nicht ganz jugendfreiem Namen und zwei Kästen Bier als Wegzehrung gibt es trotzdem.

Mallorca-Stimmung an der Förde

Am Hiroshimaplatz wartet schon Johanna von der Fachschaft der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften auf die Kiel-Frischlinge. Die 26-Jährige sagt: „Bei der Stadtrallye sollen die Studenten die Stadt und auch sich untereinander besser kennenlernen.“ Gelegenheit haben sie dazu beim Flunkyball, einer Variante des Wikingerschachs. Wird die in der Mitte zwischen den beiden Teams aufgestellte Plastikflasche getroffen, darf das ausführende Team so lange Bier trinken, bis die andere Mannschaft das Spielfeld wieder hergestellt hat. Wer zuerst mit seinem Team auf dem Trockenen sitzt, hat gewonnen.

Ein bisschen Mallorca-Stimmung bei feinstem Kieler Nieselregen kommt an der nächsten Station auf. Nacheinander bekommen die Erstsemester extralange Strohhalme ausgehändigt, um Sangria aus Eimern zu saugen. Und das alles am frühen Nachmittag? „Wer keinen Alkohol trinken oder eine Pause einlegen will, muss natürlich nicht mitmachen“, betont Johanna.

Einführungswoche ist Kontaktbörse

Dem 22-jährigen Thies aus Itzehoe gefällt’s. Mit Kommilitonen aus der Sozio-Ökonomik läuft er durch die Stadt, ist mit der Tour de Kiel der Fachschaften zufrieden. „Stadt und Leute kennenlernen funktioniert jedenfalls“, sagt er. Bisher hat er sich an allen Spielen beteiligt. Was an der nächsten Station auf ihn wartet, weiß er jedoch noch nicht.

Eine harmlosere Aufgabe haben Eva-Lotta (22) und Miriam (20). Sie sollen ein Ei und einen Apfel in der Innenstadt geschickt tauschen, was den beiden leicht fiel. „Ein Lächeln hat oft gereicht, den Apfel haben wir selbst gegessen und für das Ei Wein und Kosmetikproben bekommen“, sagt Eva-Lotta.

Kritik an einigen Ritualen

Während viele Studenten in der Einführungswoche Spaß haben, hatte es in der Vergangenheit auch Kritik an harten Ritualen wie dem Schwimmen in der herbstlich-kalten Förde gegeben, das noch immer auf dem Programm steht. Dem Asta der CAU sind in diesem Jahr jedoch keine Beschwerden bekannt. Vorsitzender Johnny Schwausch sagt einschränkend: „Allerdings sind auch nicht wir, sondern die Fachschaften für die Organisation verantwortlich.“ Die hüllten sich auf Anfrage dieser Zeitung allerdings in Schweigen.

Uni zieht positive Bilanz

Grundsätzlich sieht Schwausch Traditionen wie die Stadtrallye positiv. „Bedingung ist natürlich, dass das richtige Maß gefunden wird.“ Die Zeiten, in denen Druck gemacht wurde, überall mitzumachen, seien seiner Ansicht nach vorbei. Ähnlich äußert sich CAU-Kanzlerin Claudia Ricarda Meyer. „Im angemessenen Rahmen gehören diese Veranstaltungen ebenso zum Studentenleben wie der Besuch von Vorlesungen.“ Soweit der Uni bekannt, seien in diesem Jahr alle Veranstaltungen friedvoll abgelaufen.

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