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Kiel Wer ist schneller am Ziel: E-Scooter oder Auto?
Kiel Wer ist schneller am Ziel: E-Scooter oder Auto?
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07:55 07.06.2019
Von Steffen Müller
Lieferten sich ein packendes Rennen in Kiel: Die KN-Redakteure Niklas Wieczorek (links) und Steffen Müller. Der Scooter-Fahrer erreichte knapp als erster das Ziel. Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Los geht die wilde Fahrt ganz langsam in einem Hinterhof an der Rathausstraße in Kiel. Die freie Fläche gehört zu dem Geschäft von Klaus Robert von Waldow. In seinem Laden Trankvile verkauft er verschiedene elektrobetriebene Verkehrsmittel – E-Bike, E-Motorräder, E-Scooter.

In seinem Laden hat von Waldow auch eines von zwei E-Tretroller-Modellen, die in Deutschland eine Sonderzulassung erhalten haben – den BMX X2 City, Zulassungsnummer 122 CAA, 20 km/h schnell, 250 Watt Leistung, bis zu 35 Kilometer Reichweite. Kostenpunkt: 2400 Euro. In dem autofreien Hinterhof spule ich die ersten Meter ab, bekomme ein Gefühl für den E-Roller, der mit seinem Sound an einen Carrera-Bahn-Flitzer erinnert. Das Rennen kann losgehen. 

Kiel: Scooter-Strecke durch Abkürzungen 700 Meter kürzer

Startpunkt für den Vergleich Scooter gegen Auto ist am Westring, Höhe RBZ Schützenpark. Die Theorie hinter der Strecke: Ein Pendler kommt über die Autobahn nach Kiel, stellt sein Auto in einer freien Parkbucht am Westring ab und rollert bequem in die Innenstadt zu seiner Arbeitsstelle. Ziel ist daher das Gebäude der Kieler Nachrichten in der Fleethörn.

Während mein Kollege Niklas Wieczorek im KN-Hybrid-Dienstwagen ebenfalls mit Elektroantrieb die Hauptverkehrsachse, sprich Westring, Schützenwall, Exerzierplatz, Rathausstraße und vorbei am Rathausplatz in die Fleethörn wählt, versuche ich, auf dem Roller Strecken zu finden, auf denen ein Auto nicht fahren darf. Und es zahlt sich aus. Während der Pkw 2,53 Kilometer unterwegs ist, ist der Scooter nach 1,82 Kilometern am Ziel.

Entscheidung auf den letzten Metern

Eine erste Abkürzung verspreche ich mir vom Weg über den RBZ-Parkplatz und durch die Zastrowstraße – das Kopfsteinpflaster bremst etwas – parallel zum Schützenwall. Somit spare ich mir bis zur Kreuzung Ringstraße alle Ampeln. Auch kann ich quer über den Exerzierplatz fahren, muss beim Ziegelteich-Abbieger in die Rathausstraße nicht noch Gegenverkehr vorbeilassen. Aber reicht das, um das Rennen zu gewinnen?

Seit dem Start habe ich meinen autofahrenden Kontrahenten nirgendwo gesehen. Und das hat einen guten Grund: Kollege Wieczorek liegt die gesamte Strecke in Führung. Dass dennoch ein Kopf-an-Kopf-Rennen herrscht, das nur um wenige Sekunden zugunsten des E-Scooters entschieden wird, ahnt zu diesem Zeitpunkt keiner der Beteiligten. Denn erst auf den letzten Metern verliert das Auto wertvolle Zeit. 

Während der Pkw um den Rathausplatz herumfahren muss, kann der Roller über den Platz abkürzen. Und wie es sich für einen Besuch mit dem Pkw in der Stadt gehört, muss nicht nur ein Parkplatz gefunden werden, sondern auch ein Ticket gezogen werden. Als Wieczorek die letzten Münzen in den Automaten einwirft, ziehe ich an ihm vorbei und betrete als Erster die KN-Lobby.

Auto gegen E-Scooter: Gemischte Bilanz

Das Fazit: Sieg im Rennen? Check. Spaß auf dem Scooter gehabt? Definitiv! Aber: Die gewonnene Zeit ist zu gering, als dass Hoffnung besteht, dass es tatsächlich mehr Pendler überzeugt, das Auto am Stadtrand stehen zu lassen, zumal dafür in Kiel das Angebot an Park-and-Ride-Plätzen zu gering ist.

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