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Kiel Kiel trauert um Alt-OB Günther Bantzer
Kiel Kiel trauert um Alt-OB Günther Bantzer
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14:22 17.10.2019
Von Michael Kluth
Günther Bantzer war von 1965 bis 1980 Oberbürgermeister von Kiel. Quelle: Frank Peter (Archiv)
Kiel

Der "Olympia-OB" wurde und wird Günther Bantzer genannt. Die erfolgreiche Olympiabewerbung als Partner von München 1972 wirkt bis heute fort: das Geld, das nach Kiel floss, die Bauprojekte in Schilksee und anderswo, die Autobahn nach Kiel, die Aufbruchstimmung im Rathaus.

Bantzers lange Amtszeit steht jedoch für mehr. Der Sozialdemokrat legte in der Zeit des Kalten Krieges das Fundament für die Städtepartnerschaften mit dem Osten, betrieb kommunale Entspannungspolitik im Sinne von Willy Brandt und war als Verwaltungschef allseits respektiert. „Er war eine natürliche Autoritätsperson“, erinnern sich selbst politische Gegner.

Tovar und Kämpfer: Kiel hat ihm sehr viel zu verdanken

Auch die Stadt Kiel trauert um ihren ehemaligen Verwaltungschef Günther Bantzer. "Er hat sehr viel für Kiel bewegt“, erklärten Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer am Donnerstag. „Ob die Gestaltung der olympischen Segelwettbewerbe 1972 in Kiel, die Weiterentwicklung der Kieler Woche durch die Spiellinie oder sein Wirken als Präsident des Deutschen Städtetages – Günther Bantzer hat die Stadt nachhaltig vorangebracht."

Noch immer würden die Kieler von seinen Innovationen, seinen Taten und seiner Überzeugungskraft profitieren. "Wir verlieren mit ihm einen bürgernahen Politiker, einen unermüdlichen Kämpfer für Frieden und freundschaftliche Zusammenarbeit und einen kreativen Menschen, dem Kiel sehr viel zu verdanken hat."

Kiel: In der Astor-Bar begann die Geschichte

Als die Kieler 1965 einen neuen Oberbürgermeister suchten, wurden sie im Kreis Herford fündig. Der dortige Oberkreisdirektor, studierter Jurist, überzeugte mit Sachlichkeit und Humor. Die Sympathien waren beidseitig, Bantzer sagte schnell Ja. „Dafür hatte ich zwei gute Gründe“, erzählte er später.

Schon in seiner Zeit im Sozialistischen Deutschen Studentenbund sei ihm der Nachkriegs-Oberbürgermeister Andreas Gayk ein großes Vorbild für die Kommunalpolitik gewesen. „Dessen (zweiter) Nachfolger zu werden, fand ich eine dolle Sache.“

Und auch die „Astor-Bar“ hatte bei einem Kiel-Besuch einen tiefen Eindruck hinterlassen. „Wir Landeier staunten ordentlich, als sich auf einmal die Decke öffnete und wir unter freiem Himmel saßen.“ Für Bantzer stand fest: „Diese Stadt hat Einiges zu bieten.“

In Kiel musste Günther Bantzer sich umstellen

Während er in Herford „Herrscher aller Reußen“ gewesen war, musste Bantzer sich in Kiel umstellen. Im Magistrat war er primus inter pares, Erster unter Gleichen. Nicht der OB, sondern der Magistrat mit Haupt- und Ehrenamtlern war verwaltungsleitendes Organ. Aber "wir hatten ein sehr kollegiales Verhältnis“, sagte Bantzer im Rückblick.

Sein kollegialer Stil indes war nicht allen recht. Auf Landes- und Bundesebene waren SPD und CDU einander in jener Zeit spinnefeind. „Die jüngere Generation in meiner Partei hat mit mir geschimpft, ich solle mich nicht immer mit den Schwarzen duzen“, berichtete Bantzer mit verschmitztem Lächeln. Der Tadel habe ihn nicht sonderlich beeindruckt.

Kräftemessen mit der Ratsversammlung Kiel vor Gericht

Der damaligen Kommunalverfassung zum Trotz war für Bantzer stets klar: „Ich bestimme als Oberbürgermeister.“ Es kam zum Kräftemessen mit der Ratsversammlung. Bantzer wollte allein über die Auswahl von Amtsleitern entscheiden. Der Streit – bei dem es konkret um die Einsetzung des späteren Leiters des Liegenschaftsamtes, Hans Mehrens, ging – landete sogar vor dem Verwaltungsgericht. Bantzer bekam im konkreten Fall Recht, aber aufgetragen, dass OB und Magistrat sich künftig einigen.

Der optimale Gastgeber für die Olympischen Spiele in Kiel

Selbstbewusst, souverän, weltgewandt, so wird Günther Bantzer bis heute beschrieben. Mit diesen Eigenschaften war Bantzer ein optimaler Gastgeber für die Olympischen Spiele, die Kiel einen Schwung über Jahrzehnte verleihen sollten.

Bantzer selbst erzählte gern diese Anekdote: Sein damaliger Münchner Amtskollege Hans-Jochen Vogel habe beteuert, die Balken im Münchner Rathaus seien so gebogen, seit der Kieler OB dort Zahlen für die Olympia-Bewerbung vorgetragen habe.

Ob tatsächlich Flunkerei im Spiel gewesen ist oder nicht, der Zuschlag zahlte sich für Kiel aus. Olympisches Dorf, Straße nach Schilksee, zweite Brücke über den Nord-Ostee-Kanal, Kiellinie, Autobahnanschluss an Hamburg - was heute selbstverständlich ist, ist einst unter Günther Bantzer entstanden.

Kiel knüpfte die ersten Kontakte in den Ostblock

Durch Olympia und die Kieler Woche hatte die Stadt schon damals gute Verbindungen in den Ostseeraum. Bantzer nutzte das. 1973 berichtete der „Spiegel“: „Als erste westdeutsche Stadt hat Kiel Kontakte zu einer DDR-Gemeinde aufgenommen – zu Rostock.“ Und die Tallinner, die als Partner von Moskau die Olympischen Segelwettbewerbe 1980 ausrichten wollten, interessierten sich brennend für das Olympiazentrum Schilksee. Bantzer überließ ihnen die Baupläne.

Kiels Kontakte in die DDR und ins Baltikum wurden im Kalten Krieg sogar Teil der Weltpolitik. „Offiziell war auch die Bundesregierung nicht begeistert“, berichtete Bantzer später. „Aus dem Auswärtigen Amt bekamen wir aber das Signal: Macht weiter. Es ist wichtig, dass die Leute Unterstützung aus dem Westen erhalten.“

Nur Verwalten war Günther Bantzer nicht genug

Nach seiner zweiten Amtsperiode war für Bantzer 1980 Schluss. „Irgendwann ist man leer“, sagte er damals. „Ein Chef, der die Stadt nur noch verwalten kann, sollte aufhören.“

Doch der Elan und die Freude, mit der Günther Bantzer das Amt des Oberbürgermeisters 15 Jahre lang ausgeübt hat, war bis ins hohe Alter noch zu spüren.

Eckdaten: Günther Bantzer

Günther Bantzer wurde am 1. September 1921 in Dresden geboren.

Er studierte von 1946 bis 1950 Rechtswissenschaft in Marburg.

1948 trat er in die SPD ein, 1950 war er Bundessekretär des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), 1951/52 SDS-Bundesvorsitzender.

Bevor er von 1965 bis 1980 als Kieler Oberbürgermeister wirkte, war er von 1956 bis 1958 Pressereferent des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Fritz Steinhoff, und von 1958 bis 1965 Oberkreisdirektor des Landkreises Herford/Ostwestfalen.

Am 19. August 1965 wählte die Kieler Ratsversammlung Günther Bantzer zum Nachfolger von Hans Müthling. Am 1. November 1965 trat er sein Amt an.

Von 1968 bis 1980 war Bantzer Mitglied im Präsidium des Deutschen Städtetages und ab Juni 1979 dessen Präsident.

1980 endete die Amtszeit von Günther Bantzer.

Am 16. Oktober 2019 starb Günther Bantzer in Kiel.

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