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Kiel Schuldfrage steht weiter im Raum
Kiel Schuldfrage steht weiter im Raum
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10:00 08.02.2019
Von Niklas Wieczorek
Foto: Wie konnte der kleine Umut-Can in diesen Teich stürzen? Das fragen sich bis heute nicht nur seine Eltern Sükriye-Hanim und Serdar Topaloglu.
Wie konnte der kleine Umut-Can in diesen Teich stürzen? Das fragen sich bis heute nicht nur seine Eltern Sükriye-Hanim und Serdar Topaloglu. Quelle: Ulf Dahl (Archiv)
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Die wichtigste Nachricht: "Gemessen an dem Unglücksfall geht es Umut-Can relativ gut", sagt Michaela Brechtel, Anwältin von Sükriye-Hanim Topaloglu, der Mutter des Kleinkinds. Mitte Februar erwarte sie die Arztberichte über mögliche langfristige Folgen. Der Junge leide an Hörproblemen und Ausschlag.

Treutel nimmt Erzieherinnen in Schutz

Dass die Erzieherinnen der Kita Hangstraße wieder arbeiten, obwohl der Vorfall noch nicht aufgeklärt ist, sei jedoch ebenso unangebracht wie das Vorgehen der Stadt. Bürgermeisterin Renate Treutel verteidigt die Entscheidung: Den Mitarbeiterinnen sei "nach allen derzeitigen Erkenntnissen eine Dienstpflichtverletzung nicht vorzuwerfen".

Betroffenheit geäußert

"Der Unfall vom Dezember des vergangenen Jahres macht uns noch immer betroffen. Dies habe ich den Eltern gegenüber zum Ausdruck gebracht", sagt Treutel. In einem ausführlichen Brief hat die Stadt Stellung bezogen. Das Schreiben liegt dieser Zeitung vor. Anwältin Brechtel ist jedoch gar nicht überzeugt.

Anwältin sieht gesteigerte Aufsichtspflicht

"Die Aufsichtspflicht bei Kleinkindern an einem Gewässer ist natürlich eine ganz andere als bei größeren", sagt sie. "Kleine Kinder haben kein Gefahren- und Risikobewusstsein." Sie nimmt Bezug auf die Schilderung, wonach Umut-Can von einem Teil der Gruppe zum anderen und damit von einer Erzieherin zur anderen geschickt wurde – per Blickkontakt sei das bestätigt worden. "Dass ein Kind auf Zuruf vorausgeschickt werden darf, kenne ich aus Kindergärten freier Träger anders", sagt Brechtel.

Brechtel prangert an: "Wenn so ein eklatanter Verstoß vorliegt, ist die Frage, ob man nicht das Beschäftigungsverhältnis erst einmal aussetzt." Die Stadt stelle sich auf den Standpunkt: "Es ist nichts passiert und wir müssen nichts ändern."

Staatsanwaltschaft befragt derzeit Zeugen

Im Rathaus bittet man dagegen um Verständnis: "Mit Rücksicht darauf, dass die Familie nach dem Unfall des Kindes gegen die Stadt zivilrechtlich und gegen zwei Mitarbeiterinnen der Kita strafrechtlich vorgeht, wird sich die Stadt außerhalb dieser Verfahren nicht mehr äußern." Sollte über einen Austausch der beiden Seiten keine Einigkeit erzielt werden, müssten letztlich Straf- und Justizbehörden entscheiden. Die Polizei hat die Ermittlungen abgeschlossen. Der Fall liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft.

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