Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Erzieher vergessen Kind (2) im Schrevenpark
Kiel Erzieher vergessen Kind (2) im Schrevenpark
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:17 15.05.2019
Von Karen Schwenke
Salih Kartal (2) wurde bei einem Ausflug seiner Krippengruppe "Küken" am 7. Mai 2019 von seinen Betreuern der Kindertageseinrichtung des UKSH einfach im Park vergessen. Sie gingen die zwei Kilometer zur Einrichtung zurück und entdeckten erst dort sein Fehlen. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Wie das Universitätsklinikum Kiel bestätigte, wurde das Fehlen des Kindes erst in der Kita bemerkt. Polizeibeamte griffen den Jungen im Schrevenpark auf und brachten ihn zu seiner Mutter.

Laut Sprecher Matthias Felsch hat die Polizei Kiel nun eine Verdachtsanzeige wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht geschrieben und den Fall der Staatsanwaltschaft übergeben.

Eltern beschuldigen Kita-Betreuer

Die Eltern von Salih sind entsetzt. „Erst im Kindergarten beim Wickeln war den Erziehern aufgefallen, dass unser Sohn fehlte“, berichtet Natalia Kartal (25). „Wie konnte das passieren?“, fragt sie mit tränenerstickter Stimme. Sie macht sich selbst Vorwürfe: „Ich gebe mir die Schuld, dass ich Vollzeit arbeite. Salih war ganz allein im Park, und ich war nicht da, als er mich brauchte!“

Vater Muhammed Kartal (25) ist wütend. Er kündigt an, sich einen Anwalt zu nehmen, um Strafanzeige gegen die UKSH-Kita-Mitarbeiter - einen Mann und eine Frau - zu stellen und ein Berufsverbot zu erwirken.

„Es geht uns allein um die Erzieher, die haben Schuld, nicht der Kindergarten oder das Krankenhaus.“ Auch beide Eltern sind im Universitätsklinikum angestellt. Sie ist in der Ausbildung zur Krankenschwester, er arbeitet als medizinisch-technischer Radiologieassistent. Ihren Sohn haben sie seit Februar 2018 in der hauseigenen Kita.

Kind vergessen: UKSH Kiel entlässt Erzieher

Das Klinikum hat nach Auskunft von UKSH-Sprecher Oliver Grieve „aufgrund des Verstoßes gegen die Aufsichtspflicht nach Anhörung des verantwortlichen Fachpersonals die erforderlichen Maßnahmen umgehend ergriffen“.

Die „verantwortlichen pädagogischen Kräfte“ sind laut Grieve im mittleren Alter und verfügen jeweils über mehrjährige Berufserfahrung. Am Mittwoch erklärte der Sprecher, dass die Erzieher entlassen worden sind. Eine Erklärung, wie es passieren konnte, dass zwei Kita-Mitarbeiter eines von nur sieben Kindern schlichtweg vergessen haben, lieferte er bisher nicht. „Das ist nicht erklärbar“, kommentiert Grieve. Der Vater sagt kopfschüttelnd: „Man muss doch die Kinder abzählen.“

Namensschild in der Regenhose gab der Polizei den Hinweis

Die Mutter ist noch immer aufgebracht, wenn sie von dem Vormittag berichtet: Sie hatte sich krankgemeldet und war nach Hause gegangen, als die Polizei um 11.30 Uhr an ihrer Haustür in einem Gaardener Wohnblock klingelte.

„Sie übergaben mir meinen Sohn, er weinte und zitterte am ganzen Körper. Das Einzige, was er sagen konnte, war: ,Aua, Mama!`“, berichtet Natalia Kartal.

Die Leitstelle der Polizei Kiel war eine gute halbe Stunde zuvor von einer Frau informiert worden, dass ein kleiner Junge weinend im Schrevenpark herumläuft. Vergeblich hatte sie nach Angehörigen oder einer Kita-Gruppe gesucht. In der Regenhose des Kindes entdeckten die Polizeibeamten ein Namensschild und konnten so Eltern und Adresse ermitteln.

"Er hätte in den Teich fallen können"

„Zum Glück stand sein Vor- und Nachname in der Regenhose, und zum Glück war ich zu Hause“, meint die Mutter. Sie befürchtet, dass der Vorfall sonst vertuscht worden wäre: „Hätte man mir berichtet, dass mein Kind verschwunden war, wenn die Polizei den Jungen in die Kita gebracht hätte?“

Die Eltern machen sich ohnehin viele Gedanken darüber, was alles hätte passieren können: „Ein Perverser hätte ihn mitnehmen können“, überlegt Muhammed Kartal. „Oder er hätte in den Teich fallen können.“ Dieser Fall sei nicht so abwegig, findet er. Denn gerade bekam er einen Anruf von Serdar Topaloglu. Dessen Sohn Umut-Can war im Dezember während eines Kita-Ausflugs in einen Teich gefallen und musste reanimiert werden. „Er sagt, dieses ist schon der zweite Fall innerhalb eines halben Jahres, dass Erzieher ein Kleinkind verlieren.“

Kind bei Kita-Ausflug fast ertrunken

Aktuelles im Fall Umut-Can

Vor fünf Monaten ist der damals anderthalbjährige Umut-Can Topaloglu während eines Ausfluges der Kita Hangstraße im Stadtteil Ellerbek in den Teich des Schwanenseeparks gestürzt und musste wiederbelebt werden. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, sagte Michaela Brechtel, die Anwältin der Eltern. In dem Fall waren zwei Erzieherinnen mit sechs Krippenkindern spazieren, als ihnen der Junge aus dem Blick geriet.

Wie lange er unbeaufsichtigt war und wie es zu dem Unglück kam, darüber gibt es unterschiedliche Versionen. „Den Geschehensablauf zu rekonstruieren, ist nicht so einfach. Die Strafverfahren laufen noch“, so Brechtel.

Die Erzieherinnen, die nach dem Vorfall beurlaubt worden waren, haben sich in dem Strafverfahren nicht geäußert. Sie sind seit Monaten wieder im Dienst, weil die Stadt als Trägerin der Kita überzeugt ist, dass es keine Dienstpflichtverletzung war. „Wenn so etwas passiert, liegt es doch auf der Hand, dass etwas nicht richtig gelaufen sein kann“, sagt die Juristin Brechtel. „Ob man es strafrechtlich nachweisen kann, das ist etwas anderes.“

Während der kleine Umut-Can aber fast ertrunken wäre, ist Salih körperlich unversehrt. Dennoch: „Er hat Albträume und ist ängstlich“, so die Eltern. Sie haben ihren Sohn nun von der Kita abgemeldet. Das Vertrauensverhältnis sei hin.

Zwar hätten sich die Kita-Leitung und auch die UKSH-Personalabteilung für den Vorfall entschuldigt, „von den verantwortlichen Erziehern haben wir aber noch keine Entschuldigung gehört“. Bis Mutter Natalia Kartal im Oktober ihre Ausbildung beendet habe, werde sie Salih von seinen Großeltern betreuen lassen.

Heimaufsicht des Landesjugendamts prüft jetzt die UKSH-Kita

Für die Kita, die seit 43 Jahren im Betrieb ist und derzeit 220 Kinder mit 64 Mitarbeitern zählt, hat der Fall noch weitere Folgen. Nach Angaben des Sozialministeriums ist die Heimaufsicht des Landesjugendamts informiert und wird in der Kita nun die Verfahren und Schutzkonzepte prüfen.

Die Kita selbst hat schon angeordnet, dass alle Kinder bei Ausflügen ab sofort verpflichtend gelbe Westen tragen sollen. Bis zum vergangenen Dienstag ist das nur eine Empfehlung gewesen. Diese hatten die beiden verantwortlichen Betreuer aber laut UKSH nicht angenommen.

Im Kieler Landtag diskutiert das Parlament in einer Aktuellen Stunde über ein dauerhaftes Tempolimit auf der A7 zwischen dem Bordesholmer Dreieck und Hamburg. Auch über den Wohnungsbau und die geplante Besoldungserhöhungen für Beamte wird gesprochen.

15.05.2019

Am Wilhelmplatz gehen sie nebeneinander in Position. BMW gegen Mercedes, zusammen bringen sie rund 550 PS auf die Straße. Auf dem Kronshagener Weg nehmen sich die Fahrer bei Rot ins Visier, lassen die Motoren aufheulen. Das, was folgt, wertete das Kieler Amtsgericht jetzt nicht als Autorennen.

Thomas Geyer 15.05.2019

Ein Delfin schwimmt immer noch in der Kieler Förde. Das Tier werde laut einem Kajak-Fahrer immer zutraulicher. Bereits vor drei Jahren hatte ein Delfin dort für Aufsehen gesorgt und Schaulustige angelockt.

15.05.2019