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Kiel "Mach Mittag" am Ziel
Kiel "Mach Mittag" am Ziel
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20:00 23.08.2019
Von Kristiane Backheuer
Gemeinsam geschafft, ein Problem zu lösen: Hannelore Murmann, Angelika Volquartz und Jan Murmann haben die Aktion "Mach Mittag" maßgeblich geprägt.
Gemeinsam geschafft, ein Problem zu lösen: Hannelore Murmann, Angelika Volquartz und Jan Murmann haben die Aktion "Mach Mittag" maßgeblich geprägt. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Zehn Jahre lang hatten umtriebige Unterstützer und großzügige Spender in Kiel dafür gesorgt, dass kein Kind in der Schule mit leerem Bauch dasteht. Dank der Aktion bekamen täglich mehr als 2500 bedürftige Kinder an Kitas und Schulen in der Landeshauptstadt ein warmes Essen. Fast eine Million Euro kamen dafür an Spenden zusammen. Was nun daran das Happy End ist? Ganz einfach: Die Aktion hat so große Wellen geschlagen, dass nun der Bund diese Aufgabe übernimmt. 

Die Aktion wurde von Angelika Volquartz 2008 angeschoben

An diesem Freitag kommen sie alle noch einmal zusammen: die Förderer, Unterstützer, Spender. Sogar Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der mit seiner Jamaika-Koalition ebenfalls maßgeblich geholfen hat, mischt sich vergnügt unter die Menge. Eine muntere Gesellschaft, in deren Mitte vor allem Angelika Volquartz strahlt.

Die ehemalige Oberbürgermeisterin Kiels hatte die Aktion im Jahr 2008 mit angeschoben. „Ich war ja selbst Lehrerin“, erzählt sie. „Und kann mich noch gut an Kinder erinnern, die kein Geld für ein warmes Schulmittagessen hatten. Aber kein Kind kann mit einem leeren Magen lernen.“

Zwar übernimmt der Staat für Kinder mit Bildungsgutschein die Kosten. Aber die betroffenen Eltern müssen noch einen Euro pro Essen als Eigenanteil aufbringen. „Viele können sich das vielleicht nicht vorstellen, aber selbst dieser eine Euro ist für manche Familien zu viel“, so Volquartz. 

Die Erfolgsgeschichte von "Mach Mittag" ist nicht mehr aufzuhalten

Doch woher das Geld nehmen, um dem Kinderhunger in Kiel entgegenzuwirken? Zum Glück gibt es die Familie Murmann. Sie initiierte die Stiftung „Bildung macht stark“ und gab eine große Summe als Startkapital. Und von da an war die Erfolgsgeschichte nicht mehr aufzuhalten. Nachdem das Geld aufgebraucht war, ließ der Förderverein „Mach Mittag“ den Funken in die Kieler Bevölkerung überspringen.

Geschäftsleute stellten Spendenboxen auf, es wurden Spendenläufe und Benefiz-Flohmärkte organisiert, Unternehmen halfen mit großen, private „Geburtstagskinder“ mit kleineren Geldsummen.

Trotzdem war es zu Beginn eines jeden Schuljahres immer wieder eine Zitterpartie. Reichen die Spenden auch diesmal? Aber irgendwie haben es Angelika Volquartz und ihre vielen Mitstreiter immer wieder hinbekommen.

Vielleicht auch dank des symbolträchtigen, gelben „Mach-Mittag-Löffels“, der auf Plakaten und Flyern im Stadtgebiet omnipräsent war. „Die Werbeagentur Boy hat uns dabei, ohne ein Honorar zu fordern, prima unterstützt“, so Angelika Volquartz. 

An der Kiellinie feiern natürlich auch die Agentur-Chefs Bärbel und Oliver Boy sowie Stefanie Giese mit. „Die Kampagne hat uns selbst beseelt“, sagt Oliver Boy. „Es hat enorm viel Freude gemacht, mit diesem Team für die gute Sache zu arbeiten.“

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ist beeindruckt vom Wir-Gefühl der Kieler

Voll des Lobes ist an diesem Tag auch Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD), der selbst für „Mach Mittag“ als Botschafter unterwegs war. „Die Spendenaktion hat gezeigt, dass die Kieler wissen, worauf es ankommt“, sagt er und weist auf die Kinderarmut hin, die in Kiel 30 Prozent beträgt. Die Spender hätten Kinder stark für die Zukunft gemacht. Kämpfer: „Ich bin sehr beeindruckt vom beispielhaften Wir-Gefühl der Kieler.“ Initiator Jan Murmann, der mit seiner Mutter Hannelore gekommen ist, nickt zustimmend: „Ja, die Kampagne ,Mach Mittag’ hat uns alle mitgerissen.“

Mitreißend waren Angelika Volquartz und Ulf Kämpfer auch auf Bundesebene. Sie ließen in den vergangenen Jahren nichts unversucht, um das Augenmerk auf eine kostenfreie warme Mahlzeit für alle Kinder zu lenken.

Mit Erfolg: Mit dem Starke-Familien-Gesetz wird jedem bedürftigen Kind ab sofort an Schulen und Kitas in ganz Deutschland eine warme Mahlzeit pro Tag vom Staat bezahlt. 

Im Camp 24/7 muss an diesem Freitag zum Glück auch niemand hungern. Es gibt Forelle, Krabbenbrote und Mozzarella-Spieße. „Das alles haben wir aber privat bezahlt“, sagt Angelika Volquartz lachend. „Kein Cent davon stammt aus Spendengeldern.“ Das Spendenkonto ist inzwischen eh geschlossen. Das Happy End einer erfolgreichen Wohltätigkeitsaktion. Aber wer Angelika Volquartz und die vielen engagierten Kieler kennt, ahnt: Helfen kann man immer.

"Mach Mittag" - Der Erfolg in Zahlen

2008: Die erste Idee entsteht, allen Kindern ein warmes Mittagessen zu ermöglichen

2011: Gründung der Stiftung „Bildung macht stark“.

2015: Gründung des Fördervereins Mach Mittag e.V.

Ende 2017: Spendensumme in Höhe von 500000 Euro erreicht.

März 2018: Die Kampagne „Mach Mittag“ wird auf Bundesebene in Berlin mit dem „Politikaward 2017“ ausgezeichnet.

Für durchschnittlich 2500 Schulkinder übernahm „Mach Mittag“ täglich den Eigenanteil pro Tag. 1267 Personen folgten „Mach Mittag“ zuletzt auf Facebook. Rund 100 Spendenboxen waren in diversen Kieler Geschäften verteilt. Mehr als 60 private Dauerspender spendeten monatlich zwischen fünf und 100 Euro. In den vergangenen vier Jahren fanden mehr als 70 Aktionen zugunsten von „Mach Mittag“ statt – von der „Sportlerpaady“ über den Benefiz-Flohmarkt bis zum Kochevent. Insgesamt wurden 980211,24 Euro gespendet.

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