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Kiel Trauer um den OB mit der Gitarre
Kiel Trauer um den OB mit der Gitarre
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06:18 13.08.2019
Von Michael Kluth
Karl Heinz Luckhardt (hier eine Archivaufnahme). Der Oberbürgermeister mit der Gitarre ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Quelle: Sonja Paar
Kiel

Die Trauerfeier findet nach ihren Angaben am Montag, 19. August 2019, um 14 Uhr im Krematorium des Eichhoffriedhofs in Kiel statt.

Karl Heinz Luckhardt hatte die Kieler Stadtverwaltung von 1980 bis 1992 geführt. Der beliebte Sozialdemokrat ist der bislang letzte Verwaltungschef mit zwei Amtszeiten. Der Oberbürgermeister wurde in der Zeit von der Ratsversammlung und noch nicht direkt gewählt.

Karl Heinz Luckhardt - eine herausragende Persönlichkeit

Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Oberbürgermeister Ulf Kämpfer würdigten Luckhardt als herausragende Persönlichkeit in Kiels Politik und Verwaltung. "Wir verlieren mit ihm einen engagierten, bürgernahen und streitbaren Menschen und Politiker“, teilten beide mit. „Unsere Stadt hat Karl Heinz Luckhardt viel zu verdanken. Vieles, was er angepackt hat, wirkt bis heute nach.“

Noch heute profitiere Kiel von Entwicklungen, die Luckhardt maßgeblich mit auf den Weg gebracht habe, hoben Tovar und Kämpfer hervor. Ein Beispiel sei der Ausbau der internationalen Städtepartnerschaften im Ostseeraum: „Karl Heinz Luckhardt hat die Idee der ‚kommunalen Außenpolitik‘ mit Leben gefüllt.“ Die Partnerschaften mit Stralsund, Tallin, Gdynia, Kaliningrad und Sovetsk fallen in seine Amtszeit.

Karl Heinz Luckhardt prägte die Kieler Innenstadt

Karl Heinz Luckhardts Name sei zudem eng mit wichtigen Schritten zum Wandel der Kieler Innenstadt und mit dem Aufbau einer bürgerfreundlicheren Verwaltung verknüpft, so Tovar und Kämpfer. Unter Luckhardt begann die Sanierung an der Hörn, der Sophienhof wurde eröffnet, die Wohngebiete in Klausbrook und Wellsee wurden erschlossen. Mit Ablauf der zweiten sechsjährigen Wahlperiode ging Luckhardt 1992 in den Ruhestand.

Karl Heinz Luckhardt liebte die Bühne. Als Oberbürgermeister beglückte der Sozialdemokrat Kleingärtnerfeste, Parteiveranstaltungen und Geburtstagsfeiern mit seiner Musik, meist mit Arbeiterliedern – ob solo oder mit dem Trio „Die Maikäfer“. Der Genosse mit der Gitarre verkörperte Volksnähe und Bodenständigkeit. Der gelernte Maler und Arbeitersohn fühlte sich im Kreis einfacher Leute am wohlsten.

Ein einfacher Mann

Karl Heinz Luckhardt war ein einfacher Mann im besten Sinn. Volksschulabschluss, elf Jahre Maler, drei Jahre Kranführer in einem Stahlwerk. Später ermöglichte ihm seine Gewerkschaft ein umfassendes Studium über den zweiten Bildungsweg: Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft, Rechtswissenschaft, Soziologie. Die Nazis hatten ihm wegen einer jüdischen Großmutter den Besuch einer weiterführenden Schule verwehrt.

In der SPD hat Luckhardt sich hochgedient. In seiner Geburtsstadt Bochum hat er als stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender angefangen. In Kiel wurde er Kreisvorsitzender, Ratsherr, schließlich Landtagsabgeordneter im Wahlkreis Kiel-Nord und parlamentarischer Geschäftsführer der Landtagsfraktion.

Hier sehen Sie Bilder aus dem Leben von Karl Heinz Luckhardt .

In der frühen Kieler Zeit baute er sich in der Landeshauptstadt Kiel eine starke Hausmacht auf. Als Kreisvorsitzender trommelte er für die – zunächst auch in den Reihen der SPD umstrittene – paritätische Mitbestimmung in den städtischen Kapitalgesellschaften (Stadtwerke, damalige KVAG und deren Holding VVK). Die Arbeitnehmer erhielten 1970 jeweils die Hälfte der Sitze in den drei Aufsichtsräten. Eine Pioniertat, die bundesweit Schule machte.

Karl Heinz Luckhardt schwänzte SPD-Fraktionssitzungen

Als Oberbürgermeister schwänzte Karl Heinz Luckhardt schnell die Fraktionssitzungen seiner Partei. "Da fand ja gar nichts statt", schimpfte er noch im hohen Alter. "Es gab keine Impulse, keine Ideen. Ich bin kaum noch hingegangen.“

Stattdessen besuchte Luckhardt lieber Bürgerversammlungen und Ortsvereine. „Ich konnte auf Menschen zugehen. Mit mir konnten die normalen Genossen reden.“

Sein großes Thema im Rathaus Kiel war die Bauunterhaltung. Die Kämmerei habe die Mittel für Schulen, Straßen, Kanalisation, Altersheime und Theater regelmäßig zusammengestrichen – quasi in vorauseilendem Gehorsam gegenüber der Ratsversammlung. Dazu Luckhardt: „Dabei weiß doch jeder, wie teuer es am Ende wird, wenn man die Bauunterhaltung über Jahrzehnte vernachlässigt.“

Die Landeshauptstadt Kiel wurde seit 1950 von zehn Oberbürgermeistern geleitet. Zweimal schaffte es eine Frau an die Spitze des Rathauses: Angelika Volquartz (2003 bis 2009) und Susanne Gaschke (2012 bis 2013). Bis auf Angelika Volquartz (CDU) waren alle anderen Oberbürgermeister in der SPD verankert. Hier eine Übersicht.

Zu den Motiven für die „Unterlassungssünden“ sagte der Alt-OB in gewohnter Deutlichkeit: „Wenn Sie die Fenster in einer Schule anstreichen lassen, gibt es kein Richtfest. Es ist nichts zum Selbstberühmen für die Ratsmitglieder.“

Karl Heinz Luckhardt und die Tomatoffel

Luckhardt selbst wurde nicht nur mit Politik und Musik berühmt, sondern auch mit der Tomatoffel. Der Hobby-Gärtner verhalf der Zweifruchtpflanze – unter der Erde Kartoffel, über der Erde Tomate - zum Durchbruch. 

Die Züchtung wurde an den Universitäten von Kiel und Amsterdam entwickelt. Luckhardt machte sie populär, indem er sie in Blumenkästen auf dem Rathausbalkon anbaute und städtischen Gästen überreichte.

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