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Kiel Wissenschaftler in Kiel ausgezeichnet
Kiel Wissenschaftler in Kiel ausgezeichnet
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16:47 30.06.2019
Von Kristiane Backheuer
Im Ratssaal des Kieler Rathauses wurde am Sonntag vor gut 100 Gästen der Kieler Wissenschafts- und Innovationspreis 2019 vergeben: Oberbürgermeister Ulf Kämpfer, der Materialwissenschaftler Prof. Mohammed Es-Souni (FH Kiel, Innovationspreis), die Archäologin Prof. Annette Haug (Uni Kiel, Wissenschaftspreis) und Stadtpräsident Hans-Werner Tovar (von links). Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Beide Wissenschaftler eint, dass sie unbändig für ihr Fach brennen. Sollten Sie Frau Prof. Annette Haug einmal zu sich nach Hause einladen, können Sie sicher sein: Die Archäologin wird auch bei Ihnen unauffällig die Wände, die Bilder und die Teppiche begutachten. Am Golf von Neapel forschte die 42-Jährige jahrelang über dekorative Prinzipien in der römischen Antike. Wie dekorierten die Menschen ihr Heim in der Zeit zwischen dem 2. Jahrhundert vor Christus bis zum 1. Jahrhundert nach Christus?

Von der Bilddichte in der Antike

„In der antiken Stadt Pompeji bekommen wir dank des Ausbruchs des Vesuvs im Jahr 79 nach Christus einen perfekten Eindruck von der antiken Stadt: Gebäude und ihre Ausstattung haben sich durch die Verschüttung ausgesprochen gut erhalten“, sagt die Wissenschaftlerin. Sie fand vor Ort eine unglaubliche Bilddichte. Bunte Fresken an den Wänden stellen Mythen, aber auch Landschaften und Stillleben dar. Hinzu kommen Bilder auf Mosaikfußböden und im Laufe der Zeit auch eine Vielzahl von Skulpturen.

„Das römische Gastmahl wird in der Zeit immer wichtiger", erzählt Annette Haug. „Den Gästen will man etwas bieten. Da brauchte man neben einem aufwendigen Essen auch Entertainment in Form von Bildern.“

Unglaubliche Bilderflut in der Jetztzeit durch die digitalen Medien

Annette Haug blickt allerdings nicht nur in die Vergangenheit. „Mit der Bauhaus-Bewegung vor 100 Jahren wurde jede Form von Dekor abgeschafft. Seitdem haben wir diese weißen Wände", sagt sie. „Aber zurzeit ändert sich das gerade. Sie müssen nur in den Katalog eines großen schwedischen Möbelhauses schauen.“ Und: „Durch die digitalen Medien sind wir von einer unglaublichen Bilderflut umgeben.“

Mit dem Wissenschaftspreis ehrt die Stadt Kiel aber nicht nur ihre archäologischen Forschungen, sondern auch ihren Einsatz für den Exzellenzcluster „Roots“ der Christian-Albrechts-Universität (CAU) zu Kiel. Als Co-Sprecherin hatte sie erheblichen Anteil daran, dass alle Fachbereiche an einem Strang ziehen. Es geht darum, unsere Wurzeln genauer zu erforschen. Gegenwärtige Phänomene in der Vergangenheit zu finden. Wo wir eigentlich schon wieder bei der Bilderflut der Jetztzeit wären.

Prof. Mohammed Es-Souni ist weltweit ein gefragter Mann

Der zweite Preisträger in diesem Jahr ist Prof. Mohammed Es-Souni von der Fachhochschule (FH) Kiel, der den Innovationspreis erhält. Der 65-Jährige kommt gerade von einer Konferenz in Singapur, wo er einen Vortrag über spezielle Kristalle für die Infrarot-Sensorik gehalten hat. Sie erfassen die Wärmestrahlung und können für die Gasanalytik zum Beispiel in der Anästhesie oder Flammenfrühwarnung, wie im Bergwerk, zum Einsatz kommen.

Der Professor ist ein gefragter Mann. Etliche Preise hat der Leiter des Instituts für Werkstoff- und Oberflächentechnologie schon eingeheimst. Rund um den Globus wird er als Gastredner eingeladen. Schon viele Patente sind auf seinen Namen angemeldet. Und immer wieder schafft er es, hochdotierte Bundesprojekte an Land zu ziehen. Nicht selbstverständlich für eine Fachhochschule, die im Vergleich zur Uni eher mit der Lehre als mit der Forschung beschäftigt ist.

Von perfekten Oberflächen und der idealen Kontaktlinse

„Gerade arbeiten wir an Beschichtungen, an denen keine Mikroorganismen haften können, die keine Schadstoffe in die Natur abgeben und die kratzfest sind“, erzählt er. Nicht nur für Unterwasserüberwachungssensoren für Offshore-Windparks eine Supersache.

Auch die Oberflächen von Kontaktlinsen sind bei Prof. Mohammed Es-Souni und seinem Team ein Thema. So haben es die Fachleute geschafft, die kleinen durchsichtigen Linsen mit Hilfe extrem dünner Polymerbeschichtungen für den Nutzer noch verträglicher zu machen. Mit einem kleinen Kieler Implantatunternehmen hat er neuartige Implantate entwickelt und zur Marktreife gebracht.

Getüftelt wird am Ostufer auch an elektrokatalytischen Schichten für Brennstoffzellen. An neuen Oberflächenstrukturen mit erweiterter Funktionalität für Implantate und Gebrauchsgegenstände. An der energie- und ressourcenschonenden Herstellung von Materialien. „Ach, wir arbeiten einfach an sehr, sehr vielen spannenden Themen“, sagt er lachend, und seine Augen strahlen vor Begeisterung.

 „Dass der Preis gerade von der Landeshauptstadt kommt, macht mich sehr stolz“, sagt Prof. Es-Souni. „Schließlich lebe ich schon 26 Jahre hier oben im Norden. Das hier ist längst meine Heimat geworden.“

Je 10.000 Euro für die Preisträger

Beide Preise sind mit je 10.000 Euro dotiert. Vorgeschlagen wurden die Preisträger vom Kieler Kultur- und Wissenschaftssenat unter dem Vorsitz von Uni-Präsident Prof. Lutz Kipp. Die Ratsversammlung hat die Auswahl des Senats einstimmig bestätigt. Der Wissenschaftspreis und der Innovationspreis werden traditionell am Abschlusstag der Kieler Woche im jährlichen Wechsel mit dem Kulturpreis der Landeshauptstadt Kiel überreicht.

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