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Kiel Finger weg von diesen Funden
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17:00 06.08.2019
Von Karina Dreyer
 Peter Fanz zeigt verwitterte Treibladungs-Pulverstangen aus Nitroglyzerinzellulose, die man unbedingt liegen lassen sollte, wenn man sie findet. Quelle: Karina Dreyer
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Kiel

Seit 60 Jahren sammelt Peter Fanz an der Ostseeküste Fossilien und seit 20 Jahren in Schilksee archäologische Fundstücke an Feuerstellen und Lagerplätzen, mehrere Jahrtausende alt. Auf seinen Touren hat der 77-Jährige jedoch nicht nur Äxte aus Geweihen, Fragmente von Beilen und Meißeln sowie Löffelschaber und Dolchspitzen gefunden. Fanz entdeckte auch Sprengstoff nördlich von Bülk bei Strande. „Munition wurde zum Teil nah an der Küste abgeworfen oder nach dem Krieg in der Ostsee entsorgt, rund zehn bis 15 Kilometer vom Leuchtturm entfernt“, sagt Fanz. Mehr als 1,6 Millionen Tonnen sollen noch in deutschen Meeresgewässern schlummern. Viele Teile sind seitdem verrostet und wurden im Laufe der Jahre an den Strand gespült. 

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Schießwolle enthält hochgiftige und krebserregende Stoffe

Wie zum Beispiel verwitterte Treibladungs-Pulverstangen aus Nitroglyzerinzellulose. Sie können Donnerkeilen, Tonpfeifenresten oder Knochen ähneln. Die grauen, braunen oder schwarzen Stangen und Rohre stammten aus der Treibladung der Granaten und wurden in Bündeln verwendet. „Wenn man sie aus Versehen berührt, kann nichts passieren, aber man sollte sie wegen des Glycerins liegen lassen“, so Rudolph.

Vom Umgang mit den Fundstücken

Grundsätzlich wird geraten, vermeintliche Bernsteinfunde in Dosen oder Metalleimern zu sammeln, um sich im Falle einer Selbstentzündung nicht zu verletzen. Da Phosphor erst nach dem Trocknen brennen kann, hilft es, die Funde feucht zu halten, bis sie genau identifiziert sind. Für eine Bestimmung sollte man eine nicht brennbare Oberfläche nutzen. Im Notfall hilft nur Sand, am besten in feuchter Form. Besser ist es, Abstand zu halten, die Menge kontrolliert abbrennen zu lassen und dann zu lüften. Der Rauch darf auf keinen Fall eingeatmet werden und ein Arzt sollte aufgesucht werden. Wer Pulverstangen oder Schießwolle findet, sollte von beidem die Finger lassen. Am besten ist es, die Strandwacht, die Feuerwehr oder die Polizei zu informieren.

Zu den gefährlicheren Funden des Weltkrieges gehört Schießwolle, ein Marinesprengstoff für Minen, Wasserbomben und Torpedos. „Sie kann wie ein natürliches Gestein aussehen und findet sich überall“, sagt Rudolph. Bräunlich, grünlich, gelblich mit Glitzer: „Schießwolle enthält hochgiftige und krebserregende Stoffe. Wenn man den Stein anfasst, verfärbt sich die Haut gelb und sie kann sich ablösen“, warnt er. Zudem sei Schießwolle schlagempfindlich und könne explodieren. Um sie zu entsorgen, „wurde sie im Meer auf Holzflößen gezündet, aber nicht alles detonierte“, sagt Fanz

Weißer Phosphor ist besonders gefährlich

Richtig gefährlich wird es bei weißem Phosphor, der als Brand- und Nebelmunition verwendet wurde. „In zehn Jahren gab es bei uns in Schleswig-Holstein zehn Funde, so selten ist Phosphor“, sagt Rudolph. Besonders tückisch sei aber, dass er in verunreinigter Form wie Bernstein, Feuerstein oder eine Glasscherbe aussehen kann. „Wenn Phosphor an der Luft trocknet, entzündet er sich und brennt in hohen Temperaturen ab“, sagt er. Das kann bei Menschen, die ihn wie Bernstein in die Hosentasche stecken, zu schweren Verletzungen bis hin zu Knochenschäden führen. Die Flamme selbst könne man weder mit einer Decke noch mit Wasser löschen. „Am besten ist es, all seine Funde vom Strand in einem Eimer oder einer Blechdose zu sammeln“, sagt Rudolph

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Die Funde würden aber immer weniger, früher hätte man noch von zwei bis drei im Jahr gehört. „Als kleiner Junge haben wir auch noch jede Menge Pistolen und Gewehre gefunden, denn in Schilksee war ein Torpedo-Arsenal. Heute ist das alles verrottet“, sagt Fanz

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