Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Streit über Anmeldung an Waldorfschule
Kiel Streit über Anmeldung an Waldorfschule
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:24 18.12.2019
Von Steffen Müller
Damit die Schüler individuell betreut werden können, ist es wichtig, viel über sie zu wissen, rechtfertigt die Waldorfschule den Fragebogen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Auslöser ist ein Beitrag auf dem Nachrichtendienst Twitter, auf dem der Fragenkatalog veröffentlicht wurde. "Sind die Fragen noch gerechtfertigt? Oder findet bereits ein Eingriff ins Familienleben statt?“, möchte der Verfasser, Oliver Rautenberg, wissen. 

Der Anmeldebogen der Waldorfschule war dem Bildungsministerium bislang nicht bekannt. „Wir werden nunmehr im Rahmen der Rechtsaufsicht über die Waldorfschule Kiel prüfen, inwieweit der Aufnahmebogen die rechtlichen Anforderungen einhält“, teilte ein Sprecher auf Nachfrage von KN-online mit.

Auch Jan Böhmermann äußert sich

Geteilt wurde der Tweet unter anderem vom Satiriker Jan Böhmermann, der auch in seinem Podcast „Fest und Flauschig“ gemeinsam mit seinem Kollegen Oliver Schulz über den Anmeldebogen sprach. „Als ich diesen Fragebogen durchgelesen habe, habe ich mich gefragt, muss das sein?“, meint Böhmermann und legt nach. „Wie lange wurde ein Kind gestillt – was hat das auf einem Einschulungsfragebogen zu suchen?“ Oliver Schulz findet Waldorfschulen im Ansatz gut, wollte seine Tochter in Berlin selbst auf so einer Schule anmelden, hat aber keinen Platz bekommen. „Wenn ich so etwas lese, muss ich aber im Strahl kotzen.“

Auf Twitter wurde der Beitrag bislang über 320-mal kommentiert. Tenor der Beiträge ist, dass die Fragen zu stark in die Privatsphäre eingreifen. 

Was nicht erwähnt wird: Alle Angaben sind freiwillig

Was sowohl die Satiriker Jan Böhmermann und Oliver Schulz als auch Oliver Rautenberg, der das Konzept der Waldorfschulen auf öffentlichen Vorträgen kritisiert, nicht erwähnen: Zu dem Fragebogen gehört ein Anschreiben an die Eltern, das auf Twitter nicht veröffentlicht wurde. In dem Anschreiben erwähnt die Schule, dass die Beantwortung der Fragen freiwillig ist. „Freiwillig“ ist dabei fettgedruckt und unterstrichen. Der Anamnesebogen könne auch nur teilweise ausgefüllt werden. Dem Kind würden dadurch keine Nachteile entstehen. Da ohnehin fast jedes Kind, das sich für die erste Klasse bewirbt, an der Kieler Waldorfschule angenommen wird, ist ein unausgefüllter Bogen kein Ausschlusskriterium. Vorteile genießen nur Geschwisterkinder. 

Kieler Schulleiter bleibt gelassen

„Es ist leider gängige Praxis mancher Waldorfkritiker, nur Teile einer Rede oder eines Dokuments zu veröffentlichen und den Rest nicht zu beachten. So auch in diesem Fall. Daher reagieren wir üblicherweise nicht auf jede Kritik, die einseitig ist und nur schaden will, aber nicht Aufklärung oder Gespräch im Sinn hat“, äußert sich der Kieler Schulleiter Murat Özmen

Lesen Sie auch:Waldorfschulen bestehen seit 100 Jahren

Das Schreiben liefert auch gleich eine Begründung für die ausführliche Fragerei. „Um den Kindern eine ganzheitliche, gesunde Entwicklung für Leib, Seele und Geist zu ermöglichen, sind die Entwicklungsschritte eines Kindes vor der Einschulung für uns sehr wichtig.“ Und der Schulleiter ergänzt: „Diese Fragen sind vor allem als Vorbereitung für ein detailliertes Gespräch mit den Eltern wichtig. Es geht um ein besseres Verständnis eines jeden Kindes, das unsere Schule besuchen soll.“

Daten werden nicht digitalisiert

In der Debatte auf Twitter wird außerdem die Frage nach dem Datenschutz gestellt. „Da krieg’ ich Wut bei sinnloser Datensammelei. Und dann trägt das noch jemand in den Computer ein – händisch!“, schreibt ein User. Dem entgegnet die Waldorfschule in dem Eltern-Anschreiben, dass die Antworten nur von den Kollegen gelesen werden, die mit dem Aufnahmeprozess der neuen Schüler beauftragt sind. Die Daten werden nicht digitalisiert, auf Wunsch können die Eltern den Fragebogen jederzeit zurückfordern. 

Das Konzept der Waldorfschule

In Deutschland sind Waldorfschulen staatlich anerkannte Schulen in freier Trägerschaft, die Abschlüsse werden überall akzeptiert. Die erste Schule wurde 1919 gegründet. Bei dem pädagogischen Konzept beruft sich die Schule auf die Erziehungstheorie von Rudolf Steiner, die auf einer spirituellen und esoterischen Weltanschauung beruht. Dementsprechend soll der Unterricht an der Waldorfschule viele künstlerische Elemente enthalten. Außerdem gibt es keine Schulbücher und kein Sitzenbleiben, Noten werden erst in höheren Klassen vergeben. Immer wieder müssen sich Waldorfschulen Kritik gefallen lassen. Ihnen wird vorgeworfen, sektenmäßig zu arbeiten. Gegner bemängeln außerdem, dass die Erziehungsmethoden nicht wissenschaftlich belegt seien. 

Weitere Nachrichten aus Kiel lesen Sie hier.

Schwer verletzt bei einem Lkw-Unfall wurde ein Mann nach Polizeiangaben am Mittwochvormittag am Konrad-Adenauer-Damm in Kiel. Polizeisprecher Oliver Pohl zufolge handelt es sich dabei um einen Bauarbeiter. Er soll beim Rangieren unter den Reifen eines Lastwagens geraten sein.

Niklas Wieczorek 18.12.2019

Die Präsidentenwahl an der Uni Kiel zieht sich wie die Abgabe einer Abschlussarbeit: Der einst geplante Dezember-Termin ist hinfällig, nun wird eine Wahl Anfang 2020 angestrebt, so der Senatsvorsitzende Markus Bleich. Könnte sogar eine Zwangsverwaltung durch das Ministerium notwendig werden?

Niklas Wieczorek 18.12.2019

Der Brand einer Papierpresse an einem Supermarkt in Kiel-Mettenhof ist gelöscht. Wie die Feuerwehr Kiel mitteilte, war das Feuer gegen 9.10 Uhr von einem Melder angezeigt worden, anschließend wurde schnell die größere Brisanz erkannt und ein Notruf abgesetzt. Das Löschen gestaltete sich schwierig.

Niklas Wieczorek 18.12.2019