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Kiel Ekel vor Kakerlaken-Invasion
Kiel Ekel vor Kakerlaken-Invasion
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00:40 13.08.2014
Von Günter Schellhase
Jessica Henke (links) und ihre Schwester Jennifer Brocksen ekeln sich vor den Fallen, in denen sich Massen von Tieren sammeln. Einen nachhaltigen Erfolg hat der Einsatz des Kammerjägers noch nicht gehabt. Quelle: Sven Janssen
Kiel

Die Kakerlaken sind überall: im Badezimmer, in der Küche, im Bettkasten, unter dem Teppich, in der Wäsche. „Ich halte das hier nicht mehr aus und werde schnellstens wegziehen“, sagt Jennifer Brocksen. Seit zwei Monaten wohnt sie in dem Haus, die Miete hat die 24-Jährige kürzlich ob des desaströsen Zustandes schon eingefroren. Bei ihrem Einzug habe der Vermieter sie nicht darüber aufgeklärt, dass die Wohnung befallen sei. Die junge Frau hat extra eine neue Küche einbauen lassen, Teppich verlegt, neue Möbel gekauft.

 „Die kann ich doch jetzt nicht mitnehmen, weil sie eventuell voller Schabeneier sind. Dann habe ich das Problem in der neuen Wohnung wieder“, sagt sie richtig verzweifelt. Das Geld für den Umzug und die Kosten für neue Möbel will sie der Hausverwaltung in Rechnung stellen. Ihre Mutter Sabine Henke und Tochter Jessica wohnen direkt unter ihr im Erdgeschoss des Hauses. „Auch bei uns krabbeln die Viecher herum“, sagt die 25-jährige Jessica. Auch andere Nachbarn beklagten sich über immer mehr Schaben in ihren Räumen.

 „Das ganze Haus ist seit Jahren verseucht“, sagt die Mutter. Auch im Nachbarhaus, in dem ihr Ex-Mann wohnt, sind die Insekten. Der Kammerjäger sei bereits mehrmals da gewesen, doch gebracht hätte das nichts. „Er lässt auch immer bis zu 15 Fallen in meiner Wohnung und holt sie nach einer Woche wieder ab. Doch dann sind sie längst voll“, sagt Jennifer Brocksen. Sie mag die Schaben nicht anfassen und ruft nachts oft ihre Schwester nach oben, wenn wieder einmal ein Tierchen an ihrem Bett entlangkrabbelt. „Ich habe da nicht solche Berührungsängste und muss die Kakerlake immer wegmachen“, sagt Jessica.

 Mutter Sabine will ab der kommenden Woche die Miete mindern. „Es muss endlich etwas geschehen, so können wir hier nicht weiter leben“, sagt sie. Auch den Mieterverein will die Familie einschalten. „Die Beseitigung dieses Zustandes ist Sache des Eigentümers“, sagte Heidrun Clausen aus der Geschäftsführung des Mietervereins. Wenn der Eigentümer einen Schuldigen für den Befall findet, kann er ihn in Regress nehmen. Der Kammerjäger müsste Wohnung für Wohnung vorgehen. In dieser Zeit müssten die Mieter auf Kosten des Vermieters in adäquate Wohnungen umgesiedelt werden oder andere Wohnungen zu gleichen Konditionen bekommen.

 Um Schadenersatzansprüche geltend zu machen, müsse der Mieter sehr sorgfältig Beweise sichern. Der Vermieter hätte die Wohnung nicht vermieten dürfen, wenn sie in einem derart schlechten Zustand sei. Er habe dann bei Vertragsabschluss eine Qualität vorgetäuscht, die es wegen des Schabenbefalls nicht gebe. „Eigentlich müsste sich das städtische Gesundheitsamt um den Fall kümmern“, sagte Clausen.

 Die Stadt sieht sich aber nicht zuständig. „Wie es aus dem Gesundheitsamt heißt, gibt es im Gegensatz zu Ratten keine Gesetzgebung gegen Kakerlaken“, sagte Arne Gloy vom städtischen Presseamt. Auch das Bauordnungsamt habe keine Handhabe einzugreifen, weil die Schaben die Statik des Hauses nicht veränderten. Selbst den Mitarbeitern des Ordnungsamtes sind die Hände gebunden, weil Schaben nicht in die Abteilung allgemeine Gefahrenabwehr fielen.