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Kiel Dockzeiten trüben die Hafenbilanz
Kiel Dockzeiten trüben die Hafenbilanz
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19:14 13.11.2014
Von Frank Behling
Im Frühjahr fällt auch die „Stena Germanica“ für einen längeren Zeitraum aus. Quelle: Frank Behling
Kiel

Zwischen Januar und April werden die Liegeplätze am Schweden- und Norwegenkai nicht jeden Tag mit Schiffen belegt sein. Grund sind extrem lange Werftzeiten für die Schiffe der Color Line und der Stena Line. Beide Gesellschaften rüsten ihre Fähren so um, dass sie die neuen Abgas-Vorschriften erfüllen, die ab Januar gelten.

 Ab Jahresbeginn dürfen in der Ostsee nur noch Abgase die Schiffsschornsteine verlassen, die zuvor bei der Verbrennung von schwefelarmem Marine-Dieselöl entstanden sind. Dieser Kraftstoff hat einen Schwefelgehalt von 0,1 Prozent. Seit 2010 wird dieser Kraftstoff von den Schiffen nur in den Häfen verbrannt. Auf der Ostsee fahren Fähren, Containerschiffe und Tanker bislang mit Schweröl, das einen Schwefelgehalt von einem Prozent hat und pro Tonne etwa 250 Dollar günstiger als der schwefelarme Kraftstoff ist. Bei einem Tagesverbrauch von 100 Tonnen pro Schiff ist das ein erheblicher Kostenvorteil. Die großen Fährgesellschaften auf der Ostsee stehen jetzt vor der Wahl: entweder teuren Dieselkraftstoff verbrennen, Abgasreinigungsanlagen einbauen oder neuartige Treibstoffe nutzen.

 Inzwischen haben auch die drei großen Fährreedereien in Kiel reagiert. Die dänische Reederei DFDS hat ihre Schiffe bereits mit Abgasreinigungstechnik ausgerüstet, damit sie weiter das günstige Schweröl fahren können. Für die Route Kiel-Klaipeda verfügt DFDS über zwei Schiffe mit sogenannten Scrubbern, die aus den Schwerölabgasen das Schwefeldioxid auswaschen.

 Derartige Scrubber will auch die Color Line in die beiden Fähren „Color Fantasy“ und „Color Magic“ einbauen. Dies soll ab Mitte Januar auf der dänischen Fayard Werft bei Odense geschehen und etwa sechs Wochen dauern. In dieser Zeit wird auf der Oslo-Route nur eine Fähre fahren.

 Auch bei der Stena Line wird es eine lange Pause geben. Die „Stena Germanica“ wird Mitte Januar für sechs Wochen nach Polen in die Werft fahren. Dort soll das Fährschiff für den Betrieb mit Methanol als Treibstoff umgerüstet werden. Da die Stena Line sehr viele Container und Lastwagen für die schwedische Industrie befördert, soll es für die Frachtkunden eine Lösung geben. „Stena Line wird ein Ersatzschiff für den Frachttransport einsetzen“, sagte Reedereisprecher Martin Wahl. Dieses Ersatzschiff wird aber keine Passagiere mitnehmen und auch nicht die Kapazität wie die „Stena Germanica“ haben. Für den Hafen bedeutet das im ersten Quartal einen deutlichen Rückgang beim Umschlag und auch bei den Passagierzahlen.

 Auf diese Perspektive hat Hafenchef Dirk Claus deshalb die Mitglieder des Hauptausschusses der Ratsversammlung am Mittwoch vorbereitet. Die Bilanz der stadteigenen Seehafen Kiel GmbH ist bereits 2014 erstmals seit Jahren nicht mehr in der Gewinnzone. Grund waren Verluste durch die ungeplante Reparatur des Ostseekais. Zuschüsse wird die Hafengesellschaft aber nicht aus dem Rathaus benötigen, da sie über genügend Rücklagen verfügt.