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Kiel So hilft Digitalisierung in der Medizin
Kiel So hilft Digitalisierung in der Medizin
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19:14 12.09.2019
Von Steffen Müller
Angelika Schley, Franziska Althues und Marven Kummerfeldt (von links) präsentieren beim Hackathon ihr Projekt "Activate", ein Kommunikationsmittel für Patienten, die intubiert werden. Quelle: Frank Peter
Kiel

Es ist eine Horrorvorstellung: Nach einem Unfall, einer schweren Krankheit oder einer langen Operation wacht ein Patient auf der Intensivstation auf und muss künstlich beatmet werden. Da der Intubationsschlauch im Mund des Patienten steckt, kann er nicht reden und sich kaum mitteilen.

Ein Team von der Universität Lübeck möchte das ändern. Forscher aus dem Gesundheit- und Informatik-Sektor sowie dem UKSH wollen mit dem Projekt "Activate" den wachen Patienten an den Beatmungsmaschinen ermöglichen, mit Ärzten und Angehörigen zu kommunizieren.

Digitalisierung soll auch angenommen werden

"Activate" ist nur eine der vielen Ideen, die die Programmierer gestern beim Healthcare Hackathon im Kieler Universitätsklinikum vorgestellt haben. "Die Medizin der Zukunft soll mit der Digitalisierung vernetzt werden", sagte Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg. Er ist Schirmherr des dritten Hackathons, der 2017 zum ersten Mal bei der Digitalen Woche stattfand und in diesem Jahr erstmals auch in Mainz und Berlin ausgetragen wurde. "Das wichtigste ist aber", sagt der FDP-Politiker, "dass der digitale Fortschritt die Akzeptanz bei den Patienten, Ärzten und Pflegern findet."

Intubierte Patienten können sich mitteilen

Wie eine Vernetzung zwischen Medizin und Digitalisierung aussehen kann, wird bei "Activate" deutlich. Das System ist simpel, wie Angelika Schley erläutert. Der Patient bekommt eine faustgroße Kugel in die Hand, die wie eine Computermaus funktioniert. Über einen Bildschirm kann er den Cursor laufen lassen und Symbole anklicken. Die Auswahl reicht über Fragen zum Gesundheitszustand, der Patient kann aber auch mitteilen, wenn er Schmerzen hat oder unbequem liegt.

Noch befindet sich das System in der Testphase, soll aber bald in einer Studie unter Realbedingungen erprobt werden. Da es in Deutschland pro Jahr rund 600.000 Menschen gibt, die maschinell beatmet werden müssen, wäre ein Markt für die Software vorhanden. 

Weniger Schmerzen, schnellere Heilung

Projekte wie "Activate" entsprechen genau der Vorstellung, die Christian Heinrich von der Innovationsveranstaltung hat. "Der Hackathon trägt dazu bei, dass der Krankenhausaufenthalt und die Rekonvaleszenz verkürzt werden", sagt der Verleger der Kieler Nachrichten, die den Hackathon als Medienpartner unterstützen. 

Passgenaue Knieprothese der Firma Stryker

Bestätigung für seine Aussage bekommt Heinrich prompt am Stand der Firma Stryker. Mit "Mako" wurde eine Roboter-Maschine entwickelt, die passgenaue Knie- und Hüftprothesen herstellt und dem Arzt bei der Operation auf den Zehntelmillimeter genau anzeigt, wie das neue Gelenk eingesetzt werden soll. "Das funktioniert in etwa wie ein Spurhalteassistent", erläutert Jens Schreiber

"Mako" bereits im Einsatz

Die Maßanfertigung soll dafür sorgen, dass weniger Knochensubstanz bei der Operation entfernt werden muss. Somit hätten die Patienten nach der OP weniger Schmerzen und werden schneller wieder fit. In neun Kliniken in ganz Europa wird "Mako" bereits angewendet, mit dem Kieler UKSH führt Stryker aktuell Gespräche. 

Körper nach Melanomen scannen

Ebenfalls im Einsatz ist bereits das "Automatic Total Body Mapping" der Firma Fotofinder. Hierbei wird mit einer Kamera der komplette Körper gescannt. Die Bilder dienen dazu, Hautläsionen, die kartografiert werden, zu vergrößern und genauer zu betrachten, außerdem kann ein Algorithmus erkennen, ob es sich bei einem Leberfleck um ein Melanom handelt. "Wir haben 120.000 Aufnahmen, aus denen der Computer erschließt, um was für eine Läsion es sich handelt", erklärt Lara Spiegler. Zu 97 Prozent liege die Anwendung richtig. 

Hackathon wird am Freitag fortgeführt

Der Hackathon im Neubau des UKSH, Anton-Heller-Straße 3, Gebäude C, wird heute fortgesetzt. Zu sehen sind die Innovationen von 10 bis 17 Uhr. Um 15 Uhr gibt es eine Podiumsdiskussion, bei der Ärzte, Unternehmer und Politiker über das Format und die Chancen und Risiken der Digitalisierung in der Medizin sprechen. 

Mehr zur Digitalen Woche Kiel 2019 finden Sie hier.

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