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Kiel Kiel: Notfallsanitäter proben Ernstfall
Kiel Kiel: Notfallsanitäter proben Ernstfall
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21:04 24.08.2019
Von Annette Göder
Szenario "Unfall beim Stand-Up-Paddling": Die angehenden Notfallsanitäterinnen Samira Gassner (links) und Svenja Jürgens zurren die Riemen der Trage über der liegenden Statistin Philine Jahn fest. Quelle: Annette Göder
Kiel

Um 8 Uhr laufen auf dem MFG-5-Gelände in Holtenau Vorbereitungen: In der großen Halle stehen mehrere junge Männer und sortieren auf einem Tisch Medikamente, die aus abgelaufenen Beständen der Feuerwehr stammen. „Die Einsätze sollen ganz realistisch ablaufen“, erklärt Stefanie Strothmann, Pressesprecherin der Feuerwehr Kiel. „Dazu gehört auch, dass die Azubis bei den Einsätzen die Verpackungen aufpfriemeln.“ Möglichst echt sollen ebenfalls die Verletzungen von Statisten aussehen. Sie erhalten in einer Ecke der Halle eine „Behandlung“ aus Schminke, Theaterblut und Knetmasse. Alle 24 Azubis des ersten Ausbildungsjahrs wirken in den Szenen als Mimen mit.

Dann sammeln sich alle vor der Halle: die Statisten, die 24 angehenden Notfallsanis aus dem zweiten und dritten Ausbildungsjahr, zwölf Ausbilder, 15 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Dietrichsdorf und ein paar offizielle Gäste. Darum geht es: Die angehenden Sanis sollen in Zweierteams zu den „Unfallorten“ fahren, wo die zwölf Ausbilder ihr Vorgehen begutachten. Die Azubis können dann, falls nötig, die Feuerwehr anfordern.

Die Akademie der Feuerwehr hat verschiedene Szenarien gewählt

Vor der Halle gibt der Dozent und Organisator der Jahresübung Björn-Michael Reimer den Azubis noch letzte Anweisungen: „Funkgeräte parat halten, viel trinken, Pausen machen und immer abrufbereit sein.“ Ein Flugzeug erscheint am Himmel. „Gehört das schon zu einem Einsatz?“, witzelt ein Azubi und die jungen Leute lachen – vielleicht, um ihre Anspannung zu lösen.  Um einen Flugzeugabsturz geht es in keinem der Szenarien, vielmehr um einen Autozusammenstoß, einen Sturz vom Rad und einen Krampfanfall.

Die 24 Azubis, die hier Einsätze trainieren – zur Hälfte Männer, zur Hälfte Frauen – haben in ihrer Ausbildungszeit unter anderem schon ihren Führerschein für Lkws bis 7,5 Tonnen gemacht, Anatomiewissen erworben und Praxiszeiten in Kliniken absolviert. Einige von ihnen kommen von der Feuerwehr Neumünster oder Flensburg, die keine Akademien haben. Andere gehören zu Hilfsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz, den Johannitern und dem Arbeiter Samariter Bund. Die meisten Azubis haben bei der Kieler Feuerwehr ihren Ausbildungsvertrag unterschrieben. Diese ist für den Rettungsdienst der Landeshauptstadt und Umgebung zuständig und führt zwei Drittel der Einsätze selbst durch. Ein Drittel übernehmen die Hilfsorganisationen im Auftrag der Feuerwehr. Im letzten Jahr hatte der Kieler Rettungsdienst insgesamt rund 62000 Einsätze.

Das MFG-5-Gelände ist ideal für die Jahresübung

Auch bei Forstarbeiten können Unfälle passieren. Jonas Wagener und Max Meier-Triebs klettern eilig die Anhöhe hoch, wo der Statist Tom-Luka Dolling schreiend am Boden neben einer Kettensäge liegt, ein Fuß unter einem Baumstamm. Max Meier-Triebs spricht ihn an und schätzt mit Hilfe von Fragen und Untersuchungen seinen Gesundheitszustand ein.

Das MFG-5-Gelände ist auch ideal, um einen Wasserunfall zu simulieren. Die Kitesurferin Melvke Clausen ist mit Philine Jahn kollidiert, die auf einem Stand-Up-Paddleboard stand und nun am Kopf blutet. Azubi Svenja Jürgens watet ins Wasser und zieht sie auf dem Brett an Land, wo sie sich um sie kümmert. Die Statistin zittert überzeugend und die Azubi wickelt sie behutsam in eine goldfarbene Wärmedecke. Nach einer weiteren Versorgung bringt sie die Verletzte gemeinsam mit Samira Gassner auf einer Trage in den Rettungswagen.

Es gibt einen Mangel an Notfallsanitätern

„Es fehlt an Notfallsanitätern“, sagt Thomas Hinz, Amtsleiter der Feuerwehr Kiel. Es gebe mehr offene Stellen als Bewerber, so Strothmann. Damit ist dieser Beruf sozusagen selbst zum Notfall geworden. „Es gibt immer mehr ältere Menschen“, nennt Strothmann einen Grund für den steigenden Bedarf. Und für viele junge Leute sei es attraktiv, die Ausbildung als Sprungbrett für einen Medizinstudienplatz zu nutzen. Was ist zu tun? „Ab 2021 verdreifachen wir unsere Ausbildungszahlen“, erklärt der Amtsleiter.

Die 23-jährige Kimberly Singh weiß noch nicht genau, was sie mit der Ausbildung machen will. Auf alle Fälle fand sie die Übung „total sinnvoll“ und eine gute Vorbereitung für den Abschluss“. Am 2. September beginnen die Prüfungen.

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