Kiel: Keine Präsenzklausuren an der CAU, Prüfungen finden online statt
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Kiel: Keine Präsenzklausuren an der CAU, Prüfungen finden online statt

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08:50 20.01.2021
Von Steffen Müller
Im Sommer wurden Klausuren an der CAU noch in Zelten geschrieben. Im Wintersemester sollen fast alle Prüfungen online absolviert werden.
Im Sommer wurden Klausuren an der CAU noch in Zelten geschrieben. Im Wintersemester sollen fast alle Prüfungen online absolviert werden. Quelle: Frank Peter
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Bilder von Studenten, die vor einem großen Zelt stehen, sich die Hände desinfizieren und mental darauf vorbereiten, in wenigen Minuten eine Prüfung zu absolvieren, wird es im Februar und März auf dem Campus der Christian-Albrechts-Universität nicht geben. Das liegt nicht nur daran, dass im Winter keine Klausuren in einem Zelt geschrieben werden sollen. Die CAU verzichtet im anstehenden Prüfungszeitraum gänzlich auf Präsenzklausuren. 95 Prozent der rund 2500 Prüfungen werden ins Internet verlegt.

„Lediglich die Prüfungen, für die es keine online durchführbare Alternative gibt, sollen in Präsenz stattfinden, sofern das zum Prüfungstermin möglich ist“, sagt CAU-Sprecherin Claudia Eulitz. Die häufigsten digitalen Prüfungen sind Online-Klausuren, Take-home-Klausur und mündliche Prüfungen per Videokonferenz.

Kiel: Ausgleichsmöglichkeiten für Risikogruppen

Im Falle der Präsenzprüfungen gibt es für Risikogruppenangehörige entsprechende Ausgleichsmaßnahmen, sodass auch ihnen eine Teilnahme möglich ist, verspricht Eulitz. „Studenten mit coronabedingten Beeinträchtigungen – beispielsweise fehlende Kinderbetreuung – haben die Möglichkeit, einen Antrag auf Nachteilsausgleich zu stellen.“

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Obwohl der Prüfungszeitraum nach dem Wintersemester erst am 15. Februar beginnt, hat sich die CAU bereits jetzt auf die Verlegung ins Internet festgelegt, damit die Studenten Planungssicherheit haben und sich entsprechend vorbereiten können. „Es stellt für alle Beteiligten, Studierende wie Lehrende, eine enorme Herausforderung dar, sich auf unterschiedliche Szenarien vorzubereiten, da die konkreten Maßnahmen zur Corona-Pandemie und die damit verbundenen Voraussetzungen für Februar und März noch nicht bekannt sind“, erklärt Eulitz, warum sich die CAU schon jetzt entschieden hat, auf Präsenzklausuren zu verzichten. Ursprünglich wollte die CAU erst bis Ende Januar für Klarheit sorgen. „Aufgrund des dynamischen Pandemiegeschehens und nicht auszuschließender weiterer landesrechtlicher Vorgaben können wir dies nicht garantieren“, begründet Eulitz.

Bildungsministerium Schleswig-Holstein erlaubt Online-Prüfungen

Dabei ist die Universität im engen Austausch mit der Politik. „Die rechtlichen Vorgaben der Landesregierung sowie des Bildungsministeriums wurden bei der weiteren Planung zugrunde gelegt. Außerdem wurden Vorbereitungen zur Bereitstellung der erforderlichen Infrastruktur getroffen“, sagt Eulitz.

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Bei der Durchführung der Prüfungen hat die Universität freie Hand, bestätigt Bildungsministeriumssprecher David Ermes. „Die Hochschulen organisieren die Prüfungen im Rahmen der Gesetzes- und Verordnungsregelungen entsprechend den Gegebenheiten vor Ort in eigener Verantwortung.“ Das Hochschulgesetz bietet den Hochschulen die Möglichkeit, die in der jeweiligen Prüfungsordnung festgelegten Prüfungsarten durch andere Prüfungsarten zu ersetzen, wenn durch sie die Lernziele ebenfalls überprüft werden können. Gleichzeitig hat das Bildungsministerium einen Verordnungsentwurf an die Hochschulen in die Anhörung gegeben, nach dem die Hochschulen kurzfristig auch Online-Prüfungen per Satzung einführen können.

Keine Nachteile durch pandemiebedingte Verschiebungen

Sollten sich pandemiebedingt Verschiebungen bis in das nächste Semester ergeben, so hätten die Studenten dadurch keine Nachteile zu befürchten, sagt Ermes. „Wir verlängern mit der genannten Verordnung auch die individuelle Regelstudienzeit und wollen außerdem regeln, dass das Wintersemester nicht als Fachsemester zählt.“

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Noch bevor klar war, dass nur die notwendigsten Prüfungen in Präsenz stattfinden sollen, hat die CAU die Prüfungsphasen des Wintersemesters vorsorglich von zwei auf drei Wochen bis zum 6. März verlängert, um die Hygiene- und Abstandsmaßnahmen, die einen erhöhten Raumbedarf mit sich bringen, gut umsetzen zu können. Eine längere Prüfungsphase ist nicht möglich – aufgrund des kurzen Abstands zwischen dem Winter- und Sommersemester, erklärt Eulitz. „Mit der aktuellen Planung wurde das Zeitfenster bestmöglich ausgenutzt.“

Asta begrüßt die Online-Prüfungen

Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Christian-Albrechts-Universität begrüßt, dass der überwiegende Anteil der Prüfungen nicht in Präsenz absolviert werden muss, sondern ins Internet verlagert wird. „Wir sprechen uns ganz klar für die Online-Klausuren aus“, sagt der Asta-Vorsitzende Johnny Schwausch. „Es ist unverantwortlich, während eines möglichen fortgesetzten Lockdowns im Februar Klausuren in Präsenz schreiben zu lassen.“

Schwausch betont, dass ausnahmslos die Prüfungen in Präsenz stattfinden sollen, für die es keine adäquate Online-Alternative gibt. Wichtig sei auch, dass sämtliche Prüfungen stattfinden können und nicht ins Sommersemester verschoben werden. Das will auch die Universität. „Im Interesse der Studierenden sollte das Ziel sein, möglichst viele Prüfungen wie vorgesehen stattfinden zu lassen“, sagt Sprecherin Claudia Eulitz.

FH setzt ebenfalls auf Online-Klausuren

Genauso wie die CAU will auch die Fachhochschule einen Großteil der Prüfungen ins Internet verlagern. Eine Entscheidung über den vollen Umfang steht aber noch aus. „Wir haben in den letzten Wochen in enger Abstimmung mit anderen Hochschulen, dem Ministerium und den Fachbereichen unsere Prüfungsformen – wo dies möglich ist – angepasst. Oberstes Ziel war der bestmögliche Gesundheitsschutz bei gleichzeitiger Gewährleistung der Studierbarkeit und Chancengleichheit für die Studierenden“, sagt FH-Präsident Prof. Björn Christensen. „Hierbei konnte ein großer Teil der Prüfungsformen derart geändert werden, dass keine Präsenz vor Ort notwendig ist und die Prüfungen zu den geplanten Zeiträumen stattfinden können.“

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In den verbleibenden Fällen, in denen andere Prüfungsformen nicht praktikabel sind, ist die FH auf die Ergebnisse der Abstimmungen zur Pandemie-Bekämpfung zwischen den Bundesländern und der Bundesregierung angewiesen. „Wir werden also voraussichtlich im Laufe des Mittwochs entscheiden und kommunizieren, welche Anpassungen – zum Beispiel hinsichtlich der Prüfungszeiträume – wir noch vornehmen müssen“, sagt Christensen.

WAK kann sich noch Zeit lassen

Die Wirtschaftsakademie beschäftigt sich ebenfalls intensiv mit dem Thema Präsenzprüfungen. Allerdings hat die Duale Hochschule nicht den Zeitdruck der FH und der CAU, da der Prüfungszeitraum erst im März ansteht, sagt Sprecher Sven Donat.

Die WAK hat im Vergleich zu den anderen Hochschulen noch einen weiteren Vorteil. Durch den versetzten Wechsel von Theorie und Praxis ist immer nur ein Drittel aller Studenten zeitgleich auf dem Campus. „Dadurch konnten wir im letzten Jahr unsere kleinen Studiengruppen für die Klausuren noch weiter aufteilen und in großen Räumen mit Abstand und unter Einhaltung der Hygienevorschriften die Prüfungen absolvieren lassen“, sagt Donat. „Wir würden gerne wieder – wenn es das Infektionsgeschehen erlaubt – mit Abstand in Präsenz prüfen.“ Sollte dies nicht möglich sein, könnten die Prüfungen aber auch ohne Probleme online stattfinden, die Technik sei vorhanden.

Jonas Bickel 20.01.2021
Jonas Bickel 20.01.2021