Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Abwasser: Neue Druckleitung in Betrieb
Kiel Abwasser: Neue Druckleitung in Betrieb
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
21:00 05.03.2020
Von Niklas Wieczorek
Die Stadtentwässerung ließ tief blicken (v.li.): Leiterin Susan Müller, Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Tiefbauamtsleiter Peter Bender schalteten die neue Druckrohrleitung frei. Quelle: Sven Janssen
Anzeige
Kiel

"Hier wird der Druck aufgebaut, damit das Abwasser den Berg hinauf fließt", sagte Bender bereits vor dem Abstieg in die Tiefe, zur Pumpstation am Heidenberger Teich – denn nur wenn das Abwasser auch Höhenunterschiede überwindet, erreicht es schließlich das Klärwerk Bülk. Das sei elementar, damit dieser Teil der Daseinsvorsorge funktioniere, wie Kämpfer es nannte. "Wir haben hier über fünf Millionen Euro verbuddelt", sagte er. Die Bauarbeiten gingen zurück auf seine "erste große Schrecksekunde als Oberbürgermeister".

Lesen Sie auch:Rohrbruch in Kiel-Mettenhof: Schadstelle noch nicht gefunden

Anzeige

Rumms: Im Oktober 2014 war die alte Mettenhofer Schmutzwasserleitung an einem Sonntag plötzlich gerissen, erinnerten sich Kämpfer und Bender. Nicht nur, dass es an diesem Tag eine Herausforderung war, schnellstmöglich Speziallaster heranzuholen – Kämpfer habe nicht als der Verwaltungschef in die Geschichte eingehen wollen, unter dem die Stadtentwässerung nicht läuft. In der Folge habe die Stadt versucht, sämtlichen Sanierungsstau in diesem Bereich aufzuarbeiten. Kostenkalkulation: 100 Millionen Euro, so Kämpfer.

Sanierungsstau im Abwassersystem von Kiel

"Wir haben es hier an erster Stelle geschafft, den Sanierungsstau nicht nur zu verringern, sondern sogar umzudrehen", sagte Kämpfer am Mittwoch. Stolz war der Verwaltungschef gleich doppelt, über die zweifachen Rohre aus Mettenhof Richtung Stadt. "Beide Leitungen – die alte und die neue – werden für einen zuverlässigen Transport sorgen, auch dann, wenn wider Erwarten eine der beiden Leitungen ausfallen sollte."

Vor dem Schalterdruck in acht Metern Tiefe lobte er die beteiligten Firmen. In den Sommerferien, so war es von ihnen zu hören, sei die Baukoordination ein besonderer Knackpunkt gewesen. Die waren als Hochpunkt der Bauphase ausgesucht worden, um den Skandinaviendamm jeweils einspurig zu sperren. Tiefbauamtsleiter Peter Bender war begeistert, dass auch das traditionelle Kieler-Woche-Radrennen auf dem Osloring durch die Arbeiten nicht beeinträchtigt wurde. Dafür seien auch einige Nachtschichten eingelegt worden, weil dann weniger Abwasser durch die Leitungen blubbert.

"Der große Nachteil der Stadtentwässerung ist: Sie interessiert außer uns niemanden – zumindest wenn es läuft", sagte Kämpfer scherzend. Seinen Schilderungen zufolge seien die 100 Millionen Euro Sanierungsstau entsprechend von der Verwaltung angegangen worden – mit Personalaufbau und einer Erhöhung der Investitionen um rund 80 Prozent seit dem Katastrophenjahr für die Leitung 2014.

"Das sind teilweise tickende Zeitbomben, die wir unter der Erde haben", fasste Kämpfer zusammen. Nach dem jetzt fertigen ersten Doppel-Abschnitt bis zum Russeer Weg folgt laut Peter Bender der zweite Teil bis zum Kilia-Platz. Die Gesamtkosten werden bis auf 15 Millionen Euro steigen.

Probleme durch "Mini-Erdrutsch"

Unabhängig davon harren wenige Meter von der Pumpstation weiterhin die Probleme des berichteten "Mini-Erdrutsches" ihrer Behebung: Unabhängig von der Ursache könne nicht vor Ende Mai das defekte Kanalrohr repariert werden, so Bender. Dabei handele es sich aber um kein Druckrohr.

Vielmehr gehe man derzeit an etlichen anderen Ecken der Stadt die Sanierung der Entwässerung an: Die Bauarbeiten sind bereits weit fortgeschritten in der Goethestraße, in die Tiefe geht es aber auch am Jägersberg, am Wall, in der Schönberger Straße, ab dem Herbst im Jungfernstieg und im Laufe des kommenden Jahres in der Werftstraße.

Die jetzt zweigleisig abpumpbare Station am Heidenberger Teich bugsiert das Schmutzwasser aus Mettenhof in Richtung Klärwerk Bülk in Strande. 2400 Kubikmeter sind das täglich, eine Menge von rund 25000 Badewannen. Innenstadt und das Ostufer werden von der Station in der Haßstraße, wo Kiels tiefster Punkt liegt, entschmutzt. Auch von dort läuft das Abwasser in Kiels größter Pumpstation in der Schleusenstraße in der Wik zusammen. Von dort unterquert es einmal den Nord-Ostsee-Kanal und fließt bergab Richtung Bülk.

Weitere Nachrichten aus Kiel lesen Sie hier.

Michael Kluth 05.03.2020
Jan von Schmidt-Phiseldeck 05.03.2020
05.03.2020