Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Diese Regeln gelten auf dem Awo-Hof
Kiel Diese Regeln gelten auf dem Awo-Hof
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:14 04.12.2019
Auf dem Awo Kinder- und Jugendbauernhof gibt es jetzt schrifltliche Hofregeln. Die haben die jungen Nutzer selbst zusammengestellt. Damian, Svea, Sandro, Beeke und Annika (von links) hängen die Regeln an der Hauswand auf. Quelle: Jennifer Ruske
Kiel

Toben, klettern, Fußball spielen, Tiere streicheln, Holzhütten bauen, Trecker fahren, basteln: Auf dem Kinder- und Jugendbauernhof der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Mettenhof haben junge Nutzer viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung – und viele Freiheiten. Doch nicht immer klappt das Zusammenspiel der unterschiedlichen Gruppen reibungslos. Das soll sich ändern, wünschen sich die Kinder, und haben gemeinsam Hofregeln aufgestellt. 

Seit 1981 gibt es die offene Einrichtung für Kinder- und Jugendliche im Stadtteil. Auf dem Bauernhof können Kinder ab sechs Jahren bei allem mitwirken, was zur Arbeit auf einem Bauernhof gehört: Tiere füttern und pflegen, Gemüse pflanzen und ernten, Reiten, aber auch Spielen. „Mitbestimmung und Selbstgestaltung des Freizeitangebotes gehören zum pädagogische Konzept des Bauernhofes“, erklärt Leiter Jens Lankuttis. Daher ist für das Team auch ganz klar, die Nutzer ab sechs Jahren auf dem fünf Hektar großen Gelände am Skandinaviendamm 250 frei spielen zu lassen, wie sie möchten. Ohne ein ganz starres Programm, ohne komplett feste Formen vorzugeben.

Regeln wie in der Familie

Und diese Freiheit finden die Kinder und Jugendlichen wie Svea (15), Beeke (14), Annika (9) und Damian (10) toll. „Man kann einfach kommen und auf dem Spielplatz spielen oder die Tiere streicheln“, sagt Larissa (10). Doch Freiheit bedeutet nicht gleichzeitig, dass man alles tun und machen kann, was man möchtet. Das finden nicht nur die Kinder: „Wie in jeder Familie muss es auch auf dem Hof ein paar Regeln geben, damit die Gemeinschaft und das gute Miteinander funktionieren“, sagt Lankuttis.

Das war bislang immer allen jungen Nutzern klar. „Die Regeln waren aber nie aufgeschrieben, sondern die wusste man einfach oder jemand hat sie einem erzählt“, erzählen Svea und Beeke, für die der Hof wie ein zweites Zuhause und damit sehr wichtig ist. Dass man andere Kinder und Jugendliche respektiert, dass man die Tiere respektiert, dass man keinen Müll auf die Wege schmeißt oder dass man kein Obst von den Bäumen pflückt.

Konflikte beim Umgang miteinander

All das gehörte in der Vergangenheit wie selbstverständlich mit dazu. Das hat sich jedoch – unter anderem durch den Wechsel der Nutzer – geändert. „Derzeit sind einige neue Spielgruppierungen mit unterschiedlichen Interessen zu beobachten, was vermehrt zu Konflikten im Umgang miteinander, aber auch im Umgang mit dem Gelände führt“, erklärt Erzieherin Lonny Paech. Im Klartext heißt das, dass das Team öfters als bislang dazwischen gehen muss, weil sich jüngere Kinder nicht nur streiten, sondern sich böse Beleidigungen an den Kopf werfen und hauen. Oder jemanden „einfach so“ aus dem gemeinsamen Spiel ausschließen. 

„Es werden auch Dinge aus Spaß kaputt gemacht, die man gerade mühsam aufgebaut hat“, erzählen die Kinder und Jugendlichen, die sich über das unfaire Verhalten einiger Kinder so ärgern, dass sie gemeinsam mit dem Team nach einer Lösung gesucht haben. Und die heißt: klare Hofregeln aufstellen, die für alle gelten. „Wir wollten damit eine Basis für einen Raum schaffen, in dem respektvoll und rücksichtsvoll miteinander umgegangen wird“, sagt Paech. Zu mehren großen Hofversammlung hatte das Team die Kinder und Jugendlichen gebeten – und die kamen zahlreich. 

Mehr als 70 Vorschläge

Mehr als 70 verschiedene Vorschläge waren dabei herausgekommen. Am Ende konnten sich alle auf zehn Punkte einigen. Der wichtigste davon war für alle, dass es keine Gewalt geben darf. Alle Regeln finden sich jetzt auf einer Holztafel an der Hausmauer wieder, wo sie auch für neue Kinder und Besucher sichtbar sind. „Wenn es jetzt Probleme gibt, können wir immer sagen, ‚Du kennst die Regeln‘, denn wir haben sie ja aufgestellt“, freuen sich Svea und Beeke auf ein gutes Miteinander auf dem Hof. Lonny Paech und Jens Lankuttis freuen sich hingegen über den Erfolg der Hofversammlungen. „Wenn von Seiten der Kinder Bedarf und Interesse gibt, werden wir die auf alle Fälle wiederholen.“

Das sind die neuen Hofregeln

1. Es wird nicht gehauen und beleidigt.

2. Die Natur und die Tiere werden respektiert und gut behandelt.

3. Behandle Mensch und Tier, so wie du selbst behandelt werden möchtest.

4. Wenn möglich helfen wir einander.

5. Nicht ohne Erlaubnis an fremde Sachen gehen oder diese kaputt machen.

6. Den Müll bitte in den Mülleimer werfen, auch wenn er nicht dir gehört.

7. Jeder wird akzeptiert.

8. Es ist immer genug für alle da.

9. Die Entscheidungen anderer werden akzeptiert.

10. Versucht einen Streit eigenständig zu lösen und euch zu einigen.

Mehr aus Kiel lesen Sie hier.

Von Ruske

Kiel Sexualisierte Gewalt Mehr Schutz für Kinder

60 Jahre Kinderschutzbund Kiel, 30 Jahre Kinderschutz-Zentrum Kiel: Am Freitag, 6. Dezember, wird deshalb kräftig gefeiert – vormittags mit Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und geladenen Gästen im Wissenschaftszentrum Kiel, am Nachmittag mit Eltern und Kindern im Sophienblatt 85.

Kristiane Backheuer 04.12.2019

Dass die Kieler Innenstadt eine Aufwertung braucht, ist kein Geheimnis. Doch nicht nur das Geschäftsleben in der City soll aufgewertet werden, auch in den Stadtteilen wird an Verbesserungen gearbeitet. Deshalb wurde nun das Einzelhandelskonzept für ganz Kiel fortgeschrieben.

Steffen Müller 04.12.2019

Es gibt Marken, die bringen bestimmt mehr Sympathiepunkte als der Name Vonovia. Und doch legen sich die Verantwortlichen in Kiel erkennbar ins Zeug, damit bei der Modernisierung eines beachtlichen Teils ihrer Gaardener Bestände niemand auf der Strecke bleibt.

Martin Geist 04.12.2019