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Kiel Neue Stolpersteine gegen das Vergessen
Kiel Neue Stolpersteine gegen das Vergessen
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07:00 21.05.2019
Von Steffen Müller
Der Kölner Künstler Gunter Demnig hat vor dem Haus in der Gartenstraße 25 drei Stolpersteine für die Familie Becker verlegt. Quelle: Frank Peter
Kiel

In einem Projektkurs haben sich die angehenden Abiturienten mit den jüdischen Familien auseinandergesetzt, die nun mit zehn mal zehn Zentimeter großen Stolpersteinen aus Messing gewürdigt wurden, die der Kölner Künstler Gunter Demnig angefertigt hat. Vor dem Haus in der Gartenstraße 25, wo Feiwel und Rosa Becker einen Textilhandel mit vornehmen Stoffen und gehobener Herrenmode betrieben, berichteten Johanna Lorber und Bente Schwarz vom Schicksal der Eheleute.

Lebensgrundlage verloren

Im März 1939 wurde das Geschäft der aus Polen stammenden Familie als Folge der "Polenaktion" von den Nationalsozialisten verboten, 1941 das Vermögen der Familie eingezogen. Ein Jahr später wurden Feiwel, Rosa und Sohn Joel Julius ins Vernichtungslager Belzec deportiert, wo sie wahrscheinlich ermordet wurden. "Mich hat am meisten berührt, dass die Familie von einem auf den anderen Tag ihre Lebensgrundlage verloren hat", erzählt die 16-jährige Johanna. Für Bente war erschreckend, dass sich Vater Feiwel von seinen drei kleinen Söhne aus erster Ehe trennen musste, die aus Schutz vor den Nazis emigrierten. 

Wertschätzung für die Opfer

Weitere Stolpersteine wurden für die Familie Abramowicz (Yorckstraße 1a), Max Wysocki (Gutenbergstraße 66), Erich Guttmann (Rendsburger Landstraße 57) und Emanuel Rosenstein (Hamburger Chaussee 199) verlegt. Für Bildungsministerin Karin Prien (CDU) können die Gedenktafeln dazu beitragen, den Opfern des Holocausts "ein Stück ihrer Würde zurückzugeben". Als Bildungspolitikerin sei es ihr wichtig, dass Werte wie Menschenwürde und demokratische Grundprinzipien vermittelt werden. Dass während der Zeit des Nationalsozialismus Mitbürger diskriminiert und ausgegrenzt wurden, dürfe sich nicht wiederholen. Die Stolpersteine sieht Prien als gute Gelegenheit, um die Grausamkeiten des Holocausts ins Bewusstsein zu rufen. "Ein Schüler hat mal gesagt, man stolpert mit den Füßen und dem Kopf."

255 Stolpersteine in Kiel

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig, der seit 1997 in über 1330 Städten in Deutschland und in 23 weiteren europäischen Ländern mehr als 72.000 Stolpersteine verlegt hat. In Kiel sind 255 dieser Mahnmale in den Boden eingelassen. Sie erhalten Informationen über die Namen und die wichtigsten Lebensdaten der Opfer. Die gestrige Verlegung wurde vorbereitet von der Kieler Projektgruppe Stolperstein. Sie besteht aus der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, dem Amt für Kultur und Weiterbildung, dem Stadtarchiv und historisch gebildeten ehrenamtlichen Kräften. Die 120 Euro für eine Gedenktafel werden von Spendern gezahlt. Begleitet werden die Aktionen stets von Schulklassen, die Lebens- und Leidensweg der Opfer recherchieren und die Ergebnisse auf Flyern, die auch im Internet veröffentlicht werden, zusammenfassen. 

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