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Kiel Pfandsystem für Mehrwegbecher vor dem Aus?
Kiel Pfandsystem für Mehrwegbecher vor dem Aus?
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12:30 27.02.2020
Von Steffen Müller
Nur selten überreicht Julia Krause im Restez! den „Tobego“-Mehrwegbecher. Die meisten Kunden von Bäckereien trinken ihren Kaffee aus Einwegbechern. Quelle: Frank Peter
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Kiel

In über 100 Filialen können die Mehrbecher in Kiel erworben und zurückgebracht werden, doch trotz der großen Abdeckung zeigt sich ein halbes Jahr nach Einführung des Pfandsystems: Wiederverwendbare Trinkbehälter finden bei den Kunden kaum Beachtung. Nur rund drei Prozent aller Heißgetränke werden in einem Pfandbecher ausgeschenkt, die überwiegende Mehrheit trinkt ihren Kaffee aus einem Einwegbecher. Jetzt werden Lösungen gesucht, damit mehr Menschen auf Mehrwegbecher umsteigen. Eine Möglichkeit wäre eine Steuer auf Einwegverpackungen.

Bäckereien zweifeln in Kiel an "Tobego"-Zukunft

„Eine Gebühr auf Einwegverpackungen ist der einzige Weg, um den Anteil an Mehrwegbechern zu steigern“, sagt Andreas Vorbeck. Der Geschäftsführer der Bäckerei Lyck ist einer der treibenden Kräfte hinter dem einheitlichen Pfandsystem in Kiel und enttäuscht von der bisherigen Resonanz. „Wenn sich nichts ändert, werden wir nicht weitermachen.“

Auch bei der Bäckerei Steiskal gibt es Zweifel, ob das Projekt eine Zukunft hat. „Die Mehrwegquote hat sich nur unwesentlich erhöht“, sagt Geschäftsführer Eckhardt Schütz. „Das zeigt, dass der Kunde das Interesse verloren hat.“ Laut Schütz investiert seine Bäckerei rund 25.000 Euro in das Pfandsystem „Tobego“, zu dem neben einem Becher noch der passende Deckel gehört. Pro Becher und Deckel zahlt der Kunde jeweils einen Euro Pfand. Anbieter ist die Firma „Cup and More“ aus Bad Segeberg, die auch für das einheitliche Pfandsystem auf der Kieler Woche verantwortlich ist.

Testphase für Pfandbecher in Kiel endet im September

Als das Mehrweg-Projekt im September begann, einigten sich die beteiligten Bäckereien und Cafés auf eine einjährige Testphase. Bei der aktuellen Entwicklung kann sich Vorbeck vorstellen, dass auch die übrigen Bäckerei-Betriebe nicht weitermachen werden, was er sehr schade fände. „Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und etwas für die Umwelt tun. Wir brauchen aber auch Signale aus der Politik, dass sie sich mit uns auf diesen Weg begibt.“

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Am vergangenen Dienstag diskutierten Vertreter von Bäckereien mit der Stadt und dem Umweltamt zum fünften Mal beim Runden Tisch „Kaffee geht Mehrweg“ über das System und wie es verbessert werden kann. Ein Ergebnis der Gespräche war, dass sowohl die Politik als auch die Kaffee-Verkäufer mehr tun müssen, um die Mehrwegbecher bekannter zu machen. Zu den Ideen gehörten unter anderem größere Plakate in den Filialen, die auf die Becher aufmerksam machen, aber auch, dass die Mitarbeiter die Kunden direkt ansprechen, ob sie einen Pfand- statt einen Einwegbecher möchten.

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Prüfung einer Steuer auf Einwegverpackungen von Ratsversammlung abgelehnt

Ein weiterer Vorstoß, der am Dienstagabend noch Konsens unter allen Beteiligten – darunter auch Mitglieder der Kooperationsparteien – hervorrief, war zu prüfen, ob eine Steuer auf Einwegverpackungen in Kiel eingeführt werden könnte, um durch eine Preiserhöhung der Plastikbecher den Umstieg auf Mehrwegprodukte zu forcieren. Vorbild soll die Stadt Tübingen sein, die im September 2019 eine Steuer auf Einwegprodukte beschlossen hat. Ein entsprechender Prüfantrag von CDU, Linken, SSW und der Fraktion wurde aber von der Kooperation abgelehnt und nicht mehr auf die Tagesordnung der Ratsversammlung am Donnerstag gesetzt, da die Dringlichkeit nicht anerkannt wurde.

So funktioniert die Verpackungssteuer in Tübingen

Die Verpackungssteuersatzung in Tübingen, die sich CDU, Linke, SSW und Fraktion zum Vorbild nehmen, sieht vor, dass auf nicht wiederverwendbare Verpackungen und Geschirr sowie auf nicht wiederverwendbares Besteck eine Steuer entfällt, sofern Speisen und Getränke darin fertig zubereitet für den unmittelbaren Verzehr verkauft werden.

Dazu zählen unter anderem warme Speisen und Getränke, Eis von der Eisdiele, Salat mit Verpackung, Sauce und Besteck oder „To-Go-Getränke“. Einwegdosen, -flaschen, -becher und sonstige Einweggetränkeverpackungen sowie Einweggeschirr und Einweg-Lebensmittelverpackungen sollen mit 50 Cent besteuert werden. Auf Einwegbesteck kommen demnach 20 Cent.

Dass der Antrag nicht diskutiert, sondern auf die März-Sitzung verschoben wurde, stößt bei Andreas Vorbeck auf Unverständnis. „Wir haben den Schulterschluss gesucht, um es den Kunden so einfach wie möglich zu machen. Die Stadt muss sich fragen, ob sie das Pfandsystem wirklich will und entscheiden, ob sie dafür etwas tun möchte.“ Der Lyck-Geschäftsführer sagt, dass die Bäckereien die Kunden nicht zwingen können, auf Mehrwegbecher umzusteigen: „Der Gesetzgeber muss den Druck ausüben.“

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