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Kiel Pizzajongleur verlässt die Passage
Kiel Pizzajongleur verlässt die Passage
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08:00 04.08.2019
Von Steffen Müller
Toni Corradin hat seine Pizzeria San Marco in der Passage zwischen Dänischer und Schlossstraße aufgeben müssen. Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Damit ist das erste von einem Italiener in Kiel geführte Lokal Geschichte. „Ich gehe mit zwei weinenden und einem lachenden Augen“, sagt Corradin. Das San Marco hat sein Leben geprägt, 1974 fing er in dem Restaurant, das Luigi Camelli im Februar 1973 eröffnet hat, als Kellner an, 1980 übernahm er den Betrieb. Der im Piemont gebürtige Italiener ist längst ein waschechter Kieler, der 65-Jährige ist in der Stadt bekannt, wird von seinen Stammkunden erkannt und angesprochen. Wenn sie ihm jetzt sagen, dass sie bald wieder auf eine Pizza vorbeikommen, muss Corradin sie enttäuschen. Seit dem 30. Juni ist die Küche kalt.

San Marco: Restaurant sollte nur vorübergehen geschlossen werde

Eigentlich sollte das Restaurant nur vorübergehend schließen. Nachdem der Unternehmer einen Insolvenzantrag gestellt hatte, war die Finanzierung für die nächsten Monate zumindest gesichert. Doch seine Mitarbeiter, die für die Zwischenzeit beim Amt gemeldet waren, erhielten laut Corradin auf die Schnelle keine Arbeitsgenehmigung. Fremde Kräfte wollte er nicht einstellen. „Daraufhin war es mir zu riskant, weiter zu machen.“

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Die Gründe für die finanzielle Schieflage des Restaurants sind vielfältig. Im vergangenen Jahr war Toni Corradin krankheitsbedingt lange außer Gefecht, während er fehlte, stellte er zusätzliche Arbeitskräfte ein, die auf das Budget gingen. Für seine Mitarbeiter hat der Chef nur Lob übrig. „Sie sind in der Zeit top eingesprungen.“ Viele seiner Angestellten sind langjährige Weggefährten, teilweise seit mehreren Jahrzehnten. Zu spüren bekam Corradin außerdem die Baumaßnahmen in der Dänischen Straße in Kiel.

Kiel: Die Laufkundschaft fehlte

Da das benachbarte „Hotel Am Kieler Schloss“ sich seit längerer Zeit erweitert, erweckt die Passage, in der das San Marco liegt, den Eindruck, als sei sie nicht zugänglich. „Uns hat in den letzten Monaten die Laufkundschaft gefehlt“, sagt Corradin. Auch durch die Bauarbeiten für das Schlossquartier seien Besucher ausgeblieben. Diesen Ausfall konnten die Stammgäste nicht kompensieren.

Das gute Verhältnis zu seinen langjährigen Gästen und den Mitarbeitern ist es, was Toni Corradin am meisten vermissen wird. Gerne erinnert er sich daran zurück, wie er mit den Kollegen nach Ladenschluss noch zusammensaß, um etwas zu essen und zu trinken. Der Betreiber erzählt, dass einige Stammfamilien bereits in der vierten Generation kamen. Besonders freute er sich über den Besuch von Kindern. „Sie durften in die Küche und zugucken, wie wir den Pizzateig zubereiten.“ Das gehörte stets zu Corradins Lieblingsbeschäftigungen. Den Teig ausrollen und in der Luft zu einer flachen Scheibe formen – darin war er Experte.

Als Toni Corradin noch in der Küche arbeitete, gehörte das Jonglieren mit dem Pizzateig zu seinen Markenzeichen. Foto: eis

Rückkehr nach Italien kommt nicht infrage

Seinem Job würde der 65-Jährige gerne weiter verbunden bleiben, auch wenn es manchmal hart war mit langen, familienunfreundlichen Arbeitszeiten – geöffnet hatte das San Marco dienstags bis sonntags von 12 bis 15 und von 18 bis 23 Uhr. „Es ist der schönste und der schlimmste Beruf der Welt“, sagt der fünffache Großvater, der in Kiel-Elmschenhagen wohnt und auf jeden Fall in Kiel bleiben möchte. Eine Rückkehr nach Italien kommt für ihn nicht infrage.

Entscheidend für den Spaß im Job sei, dass sich der Gast als König fühle. Das hat Corradin gleich als 17-Jähriger bei seiner ersten Station in Deutschland als Kellner im Maritim am Timmendorfer Strand gelernt. „Corradin, lächeln!“, wurde ihm damals beigebracht. Was ihm anfangs noch schwer fiel, wurde mit der Zeit Gewohnheit – ohne aufgesetzt zu sein. Und die Gäste honorierten die Freundlichkeit, wie Bewertungen im Internet zeigen. „Gemütliches kleines Lokal mit gutem Essen und einer Bedienung mit viel Humor“, heißt es da und auch der Umgang mit den kleinen Gästen wird gelobt. „Kinderfreundlichkeit wird in dieser Pizzeria groß geschrieben. Unsere Tochter durfte sogar beim Backen ihrer Pizza helfen.“

Für Corradin war dieser Umgang selbstverständlich. Je besser der Italiener deutsch sprach, desto fröhlicher unterhielt er sich mit seinen Kunden – immer zu Scherzen aufgelegt und mit einem Lächeln im Gesicht, das er sich nun nach dem Aus seines Restaurants erst wieder zurück erarbeiten muss.
Es ist der schönste und der schlimmste Beruf der Welt. Der Kunde ist immer König.

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Während entlang der Holstenstraße in Kiel leerstehende Gebäude das Bild der Shopping-Meile prägen, ist die Situation in der Dänischen Straße eine andere. „Wir sind zufrieden, die Situation ist gut“, sagt Wolfgang Erichsen, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Dänische Straße.

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