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Kiel Tödlicher Unfall: Lkw-Fahrer verurteilt
Kiel Tödlicher Unfall: Lkw-Fahrer verurteilt
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18:15 18.07.2019
Von Thomas Geyer
Hier starb der von einem VW-Transporter erfasste Rollerfahrer (65). Der Angeklagte überholte ihn kurz vor einer Verkehrsinsel am Wehdenweg und drängte ihn gegen den Kantstein. Quelle: Thomas Geyer
Kiel

Die Beweislage war eindeutig: Der Angeklagte Peter K. (61, Name geändert) überholte mit seinem VW-Transporter vor einem Engpass im Wehdenweg (Kiel-Wellingdorf) einen Rollerfahrer und drängte ihn von der Fahrbahn. Das Opfer (65) wurde gegen einen Baum geschleudert und erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen.

Die Angehörigen des Getöteten hätten gerne erfahren, was für ein Mensch den Tod ihres Mannes und Vaters am 30. Mai 2018 verschuldete. Dafür wollten die Witwe Teresa Carballo (57) und ihre Tochter Katrin (21) die Konfrontation mit dem schmerzlichen Verlust durch die Beweisaufnahme in Kauf nehmen. Die Frauen wollten die Aufarbeitung, suchen nach einer Erklärung. Doch Peter K. stellte sich nicht dem Vorwurf. Er blieb seinem Prozess vor dem Amtsgericht Kiel unentschuldigt fern.

Noch am Vorabend habe der Angeklagte telefonisch sein Kommen angekündigt, teilte sein Verteidiger Henning Ingwersen mit. Die Schuld seines Mandanten, der in Abwesenheit per Strafbefehl verurteilt wurde, stellte der Kieler Rechtsanwalt nicht ansatzweise infrage. Peter K. steht jetzt für zwei Jahre unter Bewährung. Schmerzensgeld und Schadensersatz können die Angehörigen des Opfers jetzt nur noch in einem gesonderten Zivilverfahren fordern.

Engpass in Kiel-Wellingdorf wurde zur tödlichen Falle

Der Angeklagte saß am Steuer eines Transporters mit Anhänger, als er auf dem Wehdenweg stadteinwärts nach dem Bahnübergang mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit zum Überholen ansetzte. Lkw dürfen hier nur 30 km/h fahren. Am Wehdenweg in Kiel, den sich Auto- und Fahrradfahrer teilen, verengen immer wieder Verkehrsinseln die ohnehin schmale Fahrbahn. Um eine Kollision mit der Verkehrsinsel zu vermeiden, zog Peter K. sein Gespann nach rechts.

Dabei drängte der Lkw-Fahrer den Rollerfahrer ab: Sein Transporter schob den Frührentner, der nach einem Besuch seiner Kleingartenparzelle in Klausdorf nach Hause wollte, gegen den Bordstein. Laut Staatsanwaltschaft verlor der 65-Jährige die Kontrolle über das für 45 km/h zugelassene Zweirad und schleuderte gegen einen Baum. Am Tatort erinnern seitdem ein Kreuz, Kerzen und Blumenschmuck an das Opfer, das nach Angaben der Hinterbliebenen stets mit Helm und kaum schneller als 30 km/h unterwegs war.

Unfall verhinderte ein Wiedersehen mit der Tochter

Hinter jedem Verkehrstoten steht eine tragische Geschichte. Doch dieser Fall sei besonders bewegend, teilte der Rechtsanwalt der Angehörigen, Stefan Kruber, den Prozessbeteiligten mit. Kurz vor dem schweren Unfall hatte die älteste Tochter (35) des Getöteten aus erster Ehe nach jahrzehntelanger Trennung Kontakt mit ihrem Vater aufgenommen. Vater und Tochter hatten sich aus den Augen verloren, weil seine Ex-Frau Begegnungen unterband. Nun hatte die in Bayern lebende Älteste über Facebook ihre jüngere Halbschwester gefunden und angeschrieben.

„Im Sommer war ein Wiedersehen geplant“, bestätigte Katrin Carballo (21). Nach dem Tod des gemeinsamen Vaters habe man sich bei der Beerdigung auf dem Friedhof in Dietrichsdorf kennengelernt, sagte die Nebenklägerin KN-online. Ihr Vater war gelernter Autoschlosser. Wegen einer Erkrankung wurde er vorzeitig verrentet und widmete sich seinen Lieblingshobbys – dem Angeln und Gärtnern.

Der Rechtsanwalt der Hinterbliebenen, Stefan Kruber, sprach sich gegen einen Strafbefehl aus und schlug der Vorsitzenden vor, einen neuen Termin für den Prozess gegen Peter K. anzusetzen: Der Angeklagte solle sich auch im Interesse der Hinterbliebenen mit dem Vorwurf konfrontieren und öffentlich Stellung nehmen. Die Strafrichterin fand das Anliegen nachvollziehbar, winkte aber ab: „Sinn und Zweck des Strafverfahrens ist die Feststellung der Schuld des Angeklagten.“

Anwohner fordern Tempo 30

Nicht nur für Stefan Kruber, der auch Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion Kiel ist, wirft der tödliche Unfall verkehrspolitische Fragen auf. Erst im Februar 2019 hatten rund 50 Bürger bei einer Informationsveranstaltung im Stadtteil die Gefahren am Wehdenweg diskutiert. Erwogen wurden die Einrichtung durchgehender Schutzstreifen für Radfahrer, einer Bedarfsampel und Zebrastreifen sowie ein generelles Tempo 30-Limit mit regelmäßigen Geschwindigkeitskontrollen.

Lesen Sie auch: Wehdenweg in Kiel soll nach Unfällen sicherer werden

„Lebensgefährlich“ nannte eine Diskussionsteilnehmerin die Unterbrechung der markierten Fahrspur für Radfahrer durch die Verkehrsinseln. Diese wurden zum Schutz querender Fußgänger eingerichtet, werden jedoch für Zweiradfahrer zum Nadelöhr. Der zuständige Abteilungsleiter im Kieler Tiefbauamt, Jens Kruschwitz, wollte prüfen, ob die Radler-Spuren an den Engpässen über die Parkstreifen geführt werden können.

Viele Anlieger fordern hier „Tempo 30“ für alle Verkehrsteilnehmer. Doch laut Bürger- und Ordnungsamt ist dies rechtlich nicht durchsetzbar. Vertreter der Stadtverwaltung stellten mobile Geschwindigkeitsmessungen in Aussicht. Man werde zudem die Einrichtung von Zebrastreifen und einer Bedarfsampel prüfen, hieß es.   

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