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Kiel Froschsterben in den Seewiesen
Kiel Froschsterben in den Seewiesen
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08:04 23.04.2014
Von Ingrid Haese
Irmgard Schmidt hat Fotos von Fröschen mit Hautveränderungen und Verletzungen sowie von verendeten Tieren gemacht. Quelle: Ingrid Haese
Kiel

Die Seekamper Seewiesen liegen als eine 15 Hektar große Senke im Tal der Schilkseer Au zwischen Gut Seekamp und Dorf Schilksee. Das Niedermoor wurde im 19. Jahrhundert künstlich entwässert, um Weideflächen für die Landwirtschaft zu bekommen. Zwischen 2006 und 2011 wurde das Gebiet wiedervernässt. Das artenreiche Feuchtbiotop ist Lebensraum für zahlreiche Vögel, darunter Grau- und Kanadagänse. Teich-, Moor- und Grasfrösche sowie Erdkröten und Teichmolche sind ebenfalls dort beheimatet.

„Ich komme drei- bis viermal pro Woche hierher, in der ersten April-Woche lagen massenhaft Frösche aufgehäuft am Wandersteg direkt am Wasser“, erläuterte Irmgard Schmidt, die Mitglied im Naturschutzbund Nabu ist. Viele Tiere, so die 76-Jährige weiter, hätten Löcher und aufgeplatzte Bäuche gehabt, aus denen die Innereien herausgequollen seien. Auch auf den seitlichen Brückenstreben hätten Frösche gelegen. Außerdem seien kranke und sterbende Tiere im Wasser zu sehen gewesen. „Das Amt für Umweltschutz hat Wasserproben genommen, konnte keine Auffälligkeiten feststellen“, resümierte Irmgard Schmidt.

 Die möglichen Ursachen für das Froschsterben seien weit gefächert. Zum Beispiel seien kalihaltige Stoffe gefährlich für Amphibien, die inneren Organe quöllen auf. „Mir geht es nicht nur um die Frösche, ich möchte nicht, dass dieses Biotop beschädigt wird“, betonte Irmgard Schmidt.

 Christine Scheffler von der Pressestelle der Stadt Kiel teilte auf Anfrage mit, die Wasserproben und deren Untersuchung seien von der Unteren Wasserbehörde durchgeführt worden. Sie hätten keine Auffälligkeiten aufgewiesen, die als Ursache für das Ableben von etwa 200 Fröschen infrage kommen könnten. Ein direkter Zusammenhang zwischen Stoffeinträgen aus der Landwirtschaft und dem beobachteten, plötzlich auftretenden Massensterben von Amphibien bestehe nicht.

Die wahrscheinliche Ursache für dieses Phänomen sei in dem für Amphibien allgemein sehr ungünstigen diesjährigen Witterungsverlauf im Frühjahr zu suchen. Erste Wanderungsaktivitäten habe es aufgrund einiger warmer Tage bereits Anfang März gegeben. Zum Ablaichen sei es aber erst Anfang April gekommen, weil Balz und Partnersuche immer wieder durch Kälteeinbrüche gestoppt worden seien und es teilweise sogar stärkeren Nachtfrost gegeben habe. Es sei auch schon in vergangenen Jahren beobachtet worden, dass geschwächte Tiere, von den Kälteeinbrüchen überrascht, erfroren seien.

Der Unteren Naturschutzbehörde, so hieß es aus der Pressestelle weiter, seien in diesem Jahr auch von anderen Stellen im Bereich Kiel Amphibientotfunde bestätigt worden. Oft lägen diese unauffällig in Gräben oder am Rand von Kleingewässern. Im Fall der großen Wasserflächen der Seekamper Seewiesen sei jedoch hinzugekommen, dass tote Frösche durch Winddrift in bestimmten, auffälligen Bereichen des Ufers zusammengetrieben worden seien. Die Löcher in den Körpern seien Spuren von Aasfressern, meist Möwen oder Krähen, die die Reste „verwerteten“. Es komme aber auch vor, dass geschwächte Individuen ohne Fluchtchancen im noch lebenden Zustand attackiert würden. Die Untere Naturschutzbehörde werde die weitere Entwicklung im Auge behalten.