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Kiel Kieler demonstrieren für Seenotrettung
Kiel Kieler demonstrieren für Seenotrettung
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16:23 06.07.2019
Von Steffen Müller
In Kiel nahmen am Sonnabend etwa 200 Menschen an einer Kundgebung der Seebrücke gegen das Sterben im Mittelmeer teil. Auch in anderen deutschen Städten gab es solche Protestkundgebungen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Kritik äußerten die Demonstranten vor allen an der Europäischen Union. "Unser Ziel darf nicht sein, Menschen zu retten und dann zu akzeptieren, dass sie wieder abgeschoben werden", sagte Christopher Lobin, der im Februar 2019 zur Crew der "Sea-Watch 3" gehörte. "Ziel muss sein, dass kein Mensch auf der Welt flüchten muss. Europa und die Welt haben mehr verdient als diese EU."

Sea-Watch-Mitglied bezeichnet Salvini "Proto-Faschisten"

Lobin berichtete von seinen Erfahrungen an Bord des Rettungsschiffs, das im Februar diesen Jahres im Hafen von Catania auf Sizilien festgehalten wurde und nicht aufbrechen durfte, um Flüchtlinge, die in Seenot geraten waren, zu retten. Lobin erzählte, dass die Asylsuchenden stattdessen zurück nach Libyen gebracht wurden, ein Land, in dem sie gefoltert würden und unter menschenunwürdigen Zuständen leben müssten.

Der Seenotretter kritisierte nicht nur den italienischen Innenminister Matteo Salvini, den er als "Proto-Faschisten" bezeichnete, sondern auch die Niederlande, unter dessen Flagge die "Sea-Watch" fährt, aber von dem Land keine Auslauferlaubnis aus dem Hafen bekam.

EU verliere ihre demokratische Werte 

Habtom Ghirmay, der aus Eritrea nach Deutschland geflüchtet ist, erzählte von seinen Erfahrungen auf der Flucht und mahnte an, dass sich die EU immer weiter von ihren demokratischen Werten verabschiede. "Die Grundwerte verlieren an Wert. Wer hätte gedacht, dass in Europa Menschenretter verhaftet werden", sagte er und spielte auf die "Sea-Watch"-Kapitänin Carola Rackete an.

Libyen sei kein sicherer Hafen

Lea Raak von der Seebrücke Kiel forderte, dass sichere Fluchtwege geschaffen werden müssen. "Ich will ein Europa, das Menschen schützt und sich gegen Faschismus wehrt." Sie sagte, dass Libyen kein sicherer Hafen sei. "Diese Zustände sind der EU bekannt, aber es tut sich nichts." Die zivile Seenotrettung dürfe kein Verbrechen sein. "Wenn die Regierungen ihre Arbeit nicht machen, müssen wir sie halt tun."

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