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Kiel Bahnfahren leicht gemacht
Kiel Bahnfahren leicht gemacht
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11:18 18.11.2019
Von Kristiane Backheuer
Bahnfahren einfacher machen für alle: Kay Macquarrie aus Altenholz hat mit einem Fachmann ein Tool entwickelt, mit dem Reisende den Hilfeservice der Deutschen Bahn viel einfacher anmelden können. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Die Kieler Nachrichten haben für die Serie "Nicht meckern - machen!" zusammen mit „Hamburger Abendblatt“, „Hannoversche Allgemeine Zeitung“, „Ostsee-Zeitung“ und „NDR Info“ nach Menschen gesucht, die im Norden etwas bewegen. Einer davon ist Kay Macquarrie.

Ein neues Tool macht das Bahnfahren einfacher

Eine Bahnfahrt, die ist nicht immer lustig. Vor allem nicht, wenn man mit dem Rollstuhl unterwegs ist. Wenn Kay Macquarrie aus Altenholz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) Zug fahren will, braucht er viel Planung und Vorlaufzeit.

Der 44-Jährige hat nun zusammen mit einem Fachmann ein Tool entwickelt, das Bahnfahren erheblich einfacher macht. Nicht nur für Menschen mit Behinderung, sondern auch für Eltern mit Kinderwagen, Reisende mit schwerem Gepäck oder Rollator-Nutzer.

An die 100 Menschen nutzen das Tool bereits, einige Pendler sogar täglich. Der Deutschen Bahn hat er seine Internetanwendung bereits vorgestellt. Das Interesse ist groß.

Kay Macquarrie ist ein positiver und pragmatischer Mann. Wenn er Probleme sieht, packt er sie einfach selbst an und macht sich auf die Suche nach Lösungen. „Ich möchte Dinge und Barrieren sichtbar machen“, sagt der Projektmanager für neue Medien, der für einen großen internationalen Sender arbeitet.

Menschen mit Behinderung sollen mittendrin sein

Ihm ist wichtig, dass Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich zum gesellschaftlichen Leben dazugehören, dass sie mittendrin sind. Oder besser: Mittendrin sein könnten. Denn daran hapert es häufig noch.

Beim Fototermin auf dem Kieler Hauptbahnhof könnte man eigentlich ständig „Vorsicht an der Bahnsteigkante“ rufen. Mal liegen die Doppelstockwagen so tief, dass zum Einsteigen eine Rampe für Rollstuhlfahrer wie Kay Macquarrie nötig ist, mal liegen sie zu hoch.

Gesperrte Zugtoiletten, defekte Fahrstühle

Der sportliche Mann, der seit 20 Jahren nach einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen ist, zuckt gelassen mit den Schultern. Er erzählt von unterschiedlich hohen Bahnsteigkanten, von defekten Fahrstühlen und gesperrten Zugtoiletten.

Oder davon, dass seine vorab bei der Bahn bestellte Unterstützung in Form eines Bahnmitarbeiters aufgrund von Krankheit einfach ausfällt und er auf einem zugigen Bahngleis dumm aus der Wäsche guckt. Der ganz normale Alltag auf den Bahnhöfen Deutschlands. Von verspäteten Zügen und verpassten Anschlusszügen einmal völlig abgesehen.

Doch nörgeln kann jeder. Kay Macquarrie geht lieber einen Schritt weiter und liefert Lösungen. Bereits 2005 startete der gebürtige Niebüller (Kreis Nordfriesland) eine Initiative, um das Fliegen für Rollifahrer einfacher zu machen. „Die Herausforderung im Flieger ist, die Toiletten zu erreichen“, sagt er.

Für den Journalisten, der weltweit unterwegs ist, war das ein echtes Problem. Denn der eigene Rollstuhl reist im Frachtraum mit. Sein Engagement zahlte sich aus. „Inzwischen haben alle Airlines einen kleinen Rollstuhl an Bord“, so der dreifache Familienvater.

Online-Petition gestartet - Mehr als 91.000 Menschen haben schon unterschrieben

Kürzlich startete der Journalist eine Online-Petition (http://change.org/bahnfueralle) für barrierefreies Zugfahren. „91.216 Menschen haben bisher unterschrieben“, erzählt er. Gerade hat er seine Einladung an Bahnchef Richard Lutz erneuert, doch einmal mit ihm Zug zu fahren. „Ich würde ihm gerne zeigen, wo die Probleme liegen“, sagt er.

Für den Sozialverband Deutschland sitzt er seit Neuestem in einer Arbeitsgruppe der Bahn, um an Verbesserungen mitzuarbeiten. 

Mit wenigen Klicks die Hilfeleistung der Bahn beantragen

Doch nun endlich zu seinem Tool: Damit Menschen mit Behinderung, mit sperrigem Gepäck oder mit Kinderwagen ohne Probleme in die Züge herein- und wieder herauskommen, kann man eine Hilfeleistung von Bahnmitarbeitern anfordern. „Das erfolgt per Formular im Voraus“, sagt Kay Macquarrie.

Doch dieses Bahn-Formular hat es in sich. „Allein für eine Reise von Kiel über Hamburg nach Berlin sind über 70 Formularfelder auszufüllen“, sagt er. Das kann ich besser, dachte sich der Journalist. Zusammen mit dem Entwickler Philipp Maier aus Karlsruhe, den er über seine Petition kennengelernt hatte, machte er sich ans Werk.

Ziel: Offizielle Bahn-App mit dem Tool verbessern

Herausgekommen ist eine Internetanwendung, die Bahnfahren künftig viel einfacher machen wird. „Das Tool funktioniert dank einer offenen Bahn-Schnittstelle schon jetzt“, so der Journalist. Anwender benötigen nur ihren Bahnticket-Code.

„Das Ziel ist, Ideen aus dem Tool in die offizielle Bahn-App zu integrieren“, sagt er. Zudem sei es möglich, in Echtzeit benachrichtigt zu werden, wenn beispielsweise ein Aufzug ausfällt oder Züge sich verspäten. 

Die Bahn, der Kay Macquarrie seine Entwicklung vorgestellt hat, zeigt sich interessiert. Eine Bahnsprecherin gibt an, dass an den Themen „nutzerfreundlicheres Anmeldeformular“ und „Barrierefreiheit“ gearbeitet werde. „Im Jahr 2018 haben unsere Service-Mitarbeiter Reisende mit Mobilitätseinschränkungen mit rund 850.000 Hilfeleistungen unterstützt. Diese Zahl ist in den zurückliegenden vier Jahren um rund 50 Prozent gestiegen“, erklärt sie.

Kay Macquarrie kann da nur nicken. „Wir befinden uns gerade an einem Wendepunkt – gesellschaftlich, politisch und ökologisch. Wir werden älter und wollen weiter mobil bleiben. Barrierefreiheit spielt da eine immer größere Rolle.“ 

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