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Kiel So läuft ein Besuch im Blutspendezentrum in Kiel
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Kiel: So läuft ein Besuch im Blutspendezentrum beim UKSH im Citti Park

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15:08 14.06.2021
Von Steffen Müller
Sabine und Simon Jaksch waren das erste Mal gemeinsam beim Blutspenden. Für die 53-jährige Mutter war es bereits die 79. Entnahme, ihr 18-jähriger Sohn spendete erstmals 500 Milliliter Blut.
Sabine und Simon Jaksch waren das erste Mal gemeinsam beim Blutspenden. Für die 53-jährige Mutter war es bereits die 79. Entnahme, ihr 18-jähriger Sohn spendete erstmals 500 Milliliter Blut. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
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Ein kühlendes Desinfektionsmittel auf die Haut, ein kurzer Piks in die Armbeuge und die Hand immer wieder zur Faust ballen. Dabei auf einer Liege zurücklehnen und fünf bis zehn Minuten warten – schon ist eine Blutspende überstanden. Für Simon Jaksch ist es eine Premiere. An diesem Sonnabend spendet der 18-Jährige das erste Mal Blut – zwei Tage vor dem Weltblutspendetag. Der Aktionstag ist aber nicht der Grund, warum sich der Kieler mit einer Nadel in den Arm stechen lässt, das Datum war ihm nicht bewusst. „Meine Eltern spenden schon lange Blut, als Kind bin ich immer mitgekommen und habe zugesehen. Da war es völlig normal, dass ich das auch tue, sobald es geht.“ Jetzt ist Simon Jaksch alt genug und es ihm erlaubt, sein Blut zu geben – spenden darf man ab 18 Jahren.

Da er zum ersten Mal spendet, muss er zunächst einige Untersuchungen und Gespräche durchlaufen. Er füllt einen Anamnesebogen aus, ihm wird etwas Blut entnommen, das auf die Schnelle analysiert wird. Dadurch soll festgestellt werden, dass Erstspender gesund sind. Dann werden Blutdruck, Puls und Temperatur gemessen. Das Okay für eine Spende bekommt der 18-Jährige schließlich von Dr. Bettina Aue, die an diesem Sonnabend die ärztliche Aufsicht im Blutspendezentrum im Citti Park führt.

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Blutspenden nicht auf leeren Magen

„Die Gesundheit der Spenderinnen und Spender steht im Vordergrund“, sagt Aue. Schließlich wird damit garantiert, dass gerade die Erstspender wiederkommen, wenn sie gute Erfahrungen in dem Zentrum gemacht haben. „Wir sind ambitioniert, die Neuspender zu halten“, sagt Aue mit Blick auf die dringend benötigten Blutkonserven.

Vor seiner Spende empfiehlt die Ärztin Simon Jaksch noch, einen ordentlichen Schluck zu trinken. Kaffee, Tee und Kaltgetränke gibt es im Blutspendezentrum kostenlos. Auf etwas zu Essen als Stärkung verzichtet der 18-Jährige. Obst, Brötchen mit Marmelade, Käse oder Wurst und Kekse stehen bereit. „Man sollte nicht nüchtern zur Spende kommen“, rät Aue.

Nach einem großen Schluck Wasser geht es für Jaksch in den Blutspende-Raum. In dem geräumigen, hellen Zimmer sind mehrere Liegen aufgestellt. Nachdem er Platz genommen hat, desinfiziert Krankenschwester Anja Kowalke die Stelle, in die die Nadel eingestochen wird und bindet den Arm ab, um eine passende Vene in der Beuge zu finden. Dann kann es losgehen.

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Spende dauert zwischen fünf und zehn Minuten

„Vor dem Piks habe ich keine Angst“, sagt Jaksch. „Aber hinschauen möchte ich nicht.“ Als die Nadel eingeführt wird, schließt er kurz die Augen. Bevor die eigentliche Spende beginnt, fließt Blut in vier kleine, sieben bis neun Milliliter fassende Ampullen. „Das dient der weiteren Analyse“, erklärt Kowalke. Denn geht es los. Zwischen fünf und zehn Minuten dauert es in der Regel, bis der 500 Milliliter große Beutel gefüllt ist. Anhand einer digitalen Waage sehen die Spender in Echtzeit, wie viel Blut bereits geflossen ist. Eine rote Leuchte zeigt an, wenn die Entnahme zu langsam geht. „Dann müssen Sie die Faust auf und zu machen“, erklärt Anja Kowalke.

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Nach dem ersten Piks entspannt sich Simon Jaksch auf seiner Liege und signalisiert „Alles gut!“. Falls er einen Rat braucht, muss er den Kopf nur nach rechts wenden. Auf dem Stuhl neben ihm liegt seine Mutter Sabine Jaksch, die zum 79. Mal Blut spendet. „Ich mache das gerne, weil ich damit Gutes tun und anderen Menschen helfen kann. Vielleicht sind meine Kinder oder ich auch einmal auf eine Spende angewiesen, da wäre ich auch froh, wenn genügend Konserven da sind.“

So läuft eine Blutspende beim UKSH im Citti Park.

86 Spenden seit 1996

Bereits zum 86. Mal liegt Sven Burkard auf einer Liege in einem Blutspendezentrum. Wie automatisiert öffnet und schließt er immer seine Hand zur Faust. Seit 1996 spendet der 53-Jährige mehrmals jährlich. „Ich tue das für andere, aber auch für mich.“ Denn durch regelmäßiges Blutspenden kann den Blutdruck von Hypertonie-Patienten sinken und das Risiko von kardiovaskulären Erkrankungen verringert werden.

Für Sven Burkard sowie Sabine und Simon Jaksch spielen die 20 Euro an Aufwandsentschädigung für eine Blutspende keine Rolle. Es geht um das gute Gefühl, helfen zu können. Mittlerweile nutzt Sven Burkard die gemeinsame Blutspende-App vom UKSH und dem Start-up Tricode, die einem Spender unter anderem mitteilt, wenn sein Blut für eine Transfusion verwendet wurde. Über diese App können Spender auch informiert werden, sobald sie wieder zur Blutentnahme zugelassen sind. Männer können alle zehn, Frauen alle zwölf Wochen spenden. Auch nach einer Corona-Impfung ist es möglich, zu spenden. Allerdings sollten frisch Geimpfte drei bis vier Tage nach der Verabreichung des Vakzins warten, ob die Impfung gut verkraftet wurde.

Eine Erinnerung benötigen Sven Burkard und Sabine Jaksch nicht. Sie kommen ohnehin regelmäßig. „Ich fühle mich hier einfach gut betreut und aufgehoben“, sagt die 53-jährige Kielerin. Und diesen Worten kann sich ihr Sohn nur anschließen. „Ich werde sicherlich wiederkommen.“

13.06.2021
Frank Behling 13.06.2021
Johanna Lehn 13.06.2021