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Kiel Wo Rosen in den Himmel wachsen
Kiel Wo Rosen in den Himmel wachsen
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10:00 18.08.2019
Von Kristiane Backheuer
Ein neuer Rosenbogen auf dem Friedhof Eichhof soll betroffenen Eltern Trost und Zuversicht geben: Rita Becker (rechts) und Christa Schmaljohann vom Verein "Trauer um Kinder, gestorben sind, bevor sich ihr Leben entfalten konnte" und Friedhofsmeister freuen sich über die Neuanschaffung. Quelle: Frank Peter
Kiel

Was für ein idyllischer Platz: Mitten auf dem Friedhof Eichhof sitzt ein zutrauliches Rotkehlchen auf einer hohen Steinmauer. Der Wind rauscht leise durch die hohen, altehrwürdigen Eichen ringsherum. Vorbei an einem nagelneuen Rosenbogen geht es drei Stufen hinunter in einen eingefriedeten Bereich.

Hier ruhen Kinder, die gestorben sind, bevor sich ihr Leben entfalten konnte. Wie ein schützender Raum öffnet sich der geschmiedete Bogen über dem Besucher. „Er gibt Trost und auch Zuversicht“, sagt Trauerbegleiterin Rita Becker (51).

Wenn Eltern ihr Kind noch in der Schwangerschaft verlieren

An diesem sonnigen Vormittag haben sich die ersten rosa Blüten geöffnet. Stark und kräftig streckt sich die frisch gepflanzte Kletterrose „Rosarium Uetersen“ gen Himmel. „Im übertragenen Sinn könnte man die Rose als Verbindung zu den himmlischen Kindern und zu dem Himmlischen deuten“, sagt Rita Becker. „Das ist ein tröstendes Bild.“

Christa Schmaljohann (72) nickt. Die erste Vorsitzende des Vereins „Trauer um Kinder“, der aus der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Kiel hervorgegangen ist, ist froh über die neue Errungenschaft. „Zum Glück konnten wir uns die Anschaffung dank einer großzügigen Privatspende leisten“, sagt sie.

Das geschwungene Metallkonstrukt ist eine Einzelanfertigung. Je zwei Lilienblüten zieren die Seiten. Auch im Logo des 1991 gegründeten Vereins findet sich die Lilie. „Diese Blume steht unter anderem für Unschuld und Liebe“, sagt Rita Becker, „und passt damit wunderbar zu den verstorbenen Kindern.“

Die Kinder, die hier auf dem Gräberfeld 8a auf dem Eichhof liegen, haben eines gemeinsam: Sie wogen alle unter 500 Gramm. „Sie sind bereits im Mutterleib verstorben oder kamen zu früh zur Welt und waren nicht lebensfähig“, sagt Rita Becker. Früher, so erzählen die Frauen, seien diese Kinder oft nicht bestattet worden. Für die Eltern hieß das: kein Abschied, kein Erinnern.

Ein betroffenes Paar habe in den 1990er-Jahren die katholische Kirche in Kiel um seelische Hilfe gebeten. Gemeinsam mit anderen Kirchengemeinden wurde schließlich für diese Kinder ein gemeinschaftliches Grab auf dem Friedhof Eichhof angelegt, der Verein „Trauer um Kinder“ gegründet. „Das erste Grabfeld war nach ein paar Jahren voll belegt“, sagt Christa Schmaljohann. 24 Kinder haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden.

140 Kinder haben hier ihre letzte Ruhe gefunden

Seit 2002 gibt es deshalb das rund 100 Quadratmeter große Areal etwas weiter im Innern des Friedhofs, das nun den neuen Rosenbogen bekommen hat. „Hier gibt es genug Platz“, sagt Jörgen Schulz (52), der für den Kirchenkreis Altholstein für die Friedhöfe verantwortlich ist. 140 Kinder wurden hier bereits zur letzten Ruhe gebettet. Bunte Windräder, Glasmurmeln, Teddybären schmücken die Grabstellen.

„Alle gestorbenen Kinder haben die Biografie der Eltern verändert“, sagt Rita Becker. „Es ist ein schweres Thema, wenn Eltern ihr Kind verlieren, das sie sehnsüchtig erwartet haben.“

In dem Gräberfeld, das von einer Steinmauer umgeben ist, steht auch eine Ruhebank und eine Stele des Vereins. „Hier kann jeder trauern“, sagt Christa Schmaljohann. „Auch die Mutter, die ihr Kind im Krieg verloren hat. Oder die Eltern, die nach Kiel gezogen sind und das Grab ihres verstorbenen Kindes zurücklassen mussten.“

Neuer barrierefreier Zugang zum Kindergrabfeld

Vor vier Wochen wurde eine barrierefreie Rampe als Zugang für Eltern mit Kinderwagen, Menschen mit Rollatoren oder Rollstuhlfahrer angefertigt. Der Verein plant zudem, rund um die Stele noch einen Platz für Blumen und Kerzen zu schaffen. Rita Becker: „Zum Glück klappt die Zusammenarbeit mit dem Friedhof bestens.“

Aber nun wächst erst einmal die Rose den neuen Bogen empor. „Die Rose zeigt dabei mit ihren Dornen, dass es auch ein dornenreicher Weg ist, die Trauer zu verarbeiten“, sagt Christa Schmaljohann. „Die rosa Blüten geben dagegen mit ihrer Farbe Hoffnung. Sie zeigen, es geht anders weiter.“ Dass sich zwei Rosensträucher über dem Bogen dann irgendwann vereinen, sei perfekt. „Da schließt sich der Kreis.“

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Mehr über den Verein: www.trauer-um-kinder-kiel.de

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