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Kiel So arbeitet ein Abschlepp-Unternehmen
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19:20 22.10.2019
Von Steffen Müller
Wenn ein Auto abgeschleppt wird, wird es auf einen freien Parkplatz in der Nähe abgestellt. Der silberne Polo stand an der Annenstraße im Halteverbot, jetzt wartet er am Westring auf seinen Besitzer. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Etwas hilflos hängt der silberne VW Polo in der Luft, schwankt hin und her. Gehalten wird der Kleinwagen nur von vier Seilen, von einem mobilen Kran wird das Auto spielerisch auf die Transportfläche gehoben – alles unter den wachsamen Augen von Martin Schubert (Nachname geändert). Der 47-Jährige arbeitet seit fast 20 Jahren für das Abschleppunternehmen Brandt im Speckenbeker Weg in Kiel. Tag für Tag legt er Fahrzeuge an den Haken, entfernt Pkw, die im Halteverbot stehen oder eine Panne haben. Dass nach so vielen Berufsjahren jeder Handgriff sitzt, ist klar.

Erster Auftrag führt an bekannten Ort in Kiel

Gerade einmal fünf Minuten dauert es, bis der Polo verladen ist. Um kurz vor 7 Uhr morgens kam der Anruf von einer Hausverwaltung aus der Annenstraße. Der silberne VW muss von einem Privat-Parkplatz entfernt werden. Ein wiederkehrendes Problem. "Hier kommen wir regelmäßig hin", sagt Schubert, während er um 7.27 Uhr an den vier Reifen die Radklammern anbringt, an denen die Seile befestigt werden, die mit dem Kran auf dem Abschleppwagen verbunden sind.

Video: Abschlepp-Aktion auf dem Blücherplatz am 3. Oktober 2019

Fünf weitere Minuten braucht Schubert, um eine Abstellfläche für den Polo zu finden. Einen zentralen Ort für abgeschleppte Autos gibt es in Kiel nicht mehr. Bis vor einigen Jahren wurden die meisten Falschparker aus der Innenstadt an den Hasseldieksdammer Weg gebracht, doch auf dem vorgesehenen Gelände wurden die Fahrzeuge regelmäßig aufgebrochen. Jetzt hat Schubert den Auftrag, einen Parkplatz in der näheren Umgebung der Abschleppstelle zu finden.

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Abschleppvorgang in Kiel dauert 15 Minuten

Im Fall des Polos wird der 47-Jährige am Westring fündig. Als er das Auto vom Haken lässt, ist es 7.42 Uhr, gerade einmal 15 Minuten hat es gedauert, den VW aufzuladen und wieder abzustellen. Noch während Schubert den organisatorischen Part seiner Arbeit übernimmt und die Leitstelle der Polizei Kiel über den neuen Parkplatz des Kleinwagens informiert, kommt schon der nächste Auftrag rein. Das Ordnungsamt meldet sich, am Tiroler Ring soll der Asphalt neu gemacht werden, doch in der Halteverbotszone, die seit fünf Tagen ausgeschildert ist, stehen noch vier Fahrzeuge.

Das Unternehmen Brandt schleppt in Kiel Falschparker und Pannenfahrzeuge ab. KN-online hat einen Mitarbeiter begleitet.

Abschlepp-Mitarbeiter: "Es gibt zu wenige Parkplätze"

Jetzt muss es schnell gehen – solange die Autos entlang der Baustelle parken, können die Arbeiter nicht anfangen. Deshalb schickt das Abschleppunternehmen Brandt Verstärkungen, ein zweiter Kollege kommt mit seinem Wagen zum Tiroler Ring. "Es war schon immer so. Ich habe selten erlebt, dass Bauarbeiten ohne Verzögerungen durch Falschparker beginnen", meint Schubert, während er sich im Berufsverkehr über die B76 nach Elmschenhagen durchkämpft. Eine wesentliche Veränderung hat er in den 20 Jahren als Abschlepper aber festgestellt. "Es ist hektischer auf der Straße geworden, es gibt einfach zu wenige Parkplätze für zu viele Autos."

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Vom Tiroler Ring bringt der 47-Jährige erst einen Smart, dann einen Opel zu einem Parkplatz an der Preetzer Chaussee. Eine Bekannte des Opel-Fahrers versucht noch, den Halter mit einer SMS zu warnen, doch diese erreicht den Besitzer nicht rechtzeitig.

Wie geht der Abschlepp-Mitarbeiter mit Beleidigungen um?

Immer wieder kommt es vor, dass er und seine Kollegen beleidigt werden, wenn sie ein Auto abschleppen und auf den Halter treffen. "Wir sind natürlich immer Schuld", nimmt Schubert Kraftausdrücke mittlerweile gelassen zur Kenntnis. "Schimpfwörter gehören dazu, ich ignoriere sie einfach. Die meisten Fahrer sehen irgendwann auch ein, dass sie selbst Schuld haben."

Diese Ausreden hört er oft

Auch die abenteuerlichsten Ausreden bekommt er immer wieder zu hören. Von "Ich bin schwanger und muss deshalb auf dem Behindertenparkplatz parken“ bis „Ich stehe erst seit fünf Minuten hier" – und das, obwohl es regnet und der Boden unter dem Auto trocken ist – war schon alles dabei.

Auch als Pannenhelfer hat Schubert schon vieles erlebt. Der Montagvormittag endet mit einer Fahrt zum Uhlenkrog. Ein Techniker hat auf dem Weg zu einem Einsatz im Stress seinen Dienstwagen mit Diesel statt Benzin betankt. Die Installation von Rauchmeldern muss warten, der kleine Lieferwagen muss in die Werkstatt, der Tank wird komplett ausgepumpt.

Der Abschlepper von Martin Schubert aber fährt weiter, es geht in den Königsweg. Wieder haben Autofahrer das temporäre Halteverbot an einer Baustelle missachtet. Sie werden ihre Fahrzeuge an einem anderen Platz wiederfinden.

Soviel kostet das Abschleppen in Kiel

Die Rechnung für einen Abschleppvorgang bekommt der Auftraggeber, der sich die Kosten vom Verursacher zurückholt. Fordert die Stadt den Abschlepper an, kostet das den Falschparker 146,50 Euro – 80 Euro für den Abschleppdienst, 63 Euro für das Vergehen und 3,50 Euro für die Zustellung des Bußgeldbescheids.

Wer kommt für eventuelle Schäden am Auto auf?

Sollte an dem Auto während des Abschleppvorgangs oder auf dem neuen Parkplatz ein Schaden entstehen, muss der Auftraggeber dafür aufkommen. 2018 wurden in Kiel im Auftrag der Stadt 3882 Fahrzeuge abgeschleppt, wie viele Aufträge es von privaten Grundstücksbesitzern oder Hausverwaltungen gab, ist nicht dokumentiert.

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