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Kiel "Kieler Helden" liefern Lebensmittel aus
Kiel "Kieler Helden" liefern Lebensmittel aus
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20:13 24.03.2020
Von Steffen Müller
Obwohl die Kieler Helden alle im Homeoffice sind und nur über Video-Telefonie kommunizieren, haben sie in kurzer Zeit eine Hilfsplattform entwickelt.
Obwohl die Kieler Helden alle im Homeoffice sind und nur über Video-Telefonie kommunizieren, haben sie in kurzer Zeit eine Hilfsplattform entwickelt. Quelle: Murphy Crew
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Kiel

„Corona hat den Alltag von uns allen auf den Kopf gestellt. Aber am härtesten trifft es ältere Menschen und solche, die an Vorerkrankungen leiden. Genau diese wollen wir unterstützen“, sagt der 37-jährige Johannes Zettl, der in dem Coworking-Space seinen Arbeitsplatz hat und die Idee für die "Kieler Helden" hatte.

Doch nicht nur Menschen aus der Risikogruppe oder in Quarantäne können das Angebot des Vereins nutzen. Jeder, der Hilfe braucht, kann sich melden. Das gilt beispielsweise für alleinerziehende Eltern oder für Ärzte und Pfleger, denen momentan die Zeit fehlt, selbst einzukaufen.

Vielfältige Bürogemeinschaft ergänzt sich gegenseitig

Obwohl das Fleet 7 mittlerweile verwaist ist und die meisten Mieter im Homeoffice sind, hat Johannes Zettl schnell Mitstreiter gefunden. Mittlerweile sind die "Kieler Helden" auf 13 Mitglieder angewachsen. Der Verein besteht nicht nur aus Kollegen, die tagtäglich miteinander zu tun haben. Aus den unterschiedlichsten Bereichen der Bürogemeinschaft haben sich Mitstreiter gefunden, die sich zum Teil nur flüchtig vom Sehen kennen. In Kontakt stehen sie über tägliche Videokonferenzen, persönlich treffen sie sich nicht. In dem Team sind Programmierer, Logistiker, Software-Entwickler, Marketing-Experten oder Menschen mit Berufen in der Politik.

Diese Vielfalt hat geholfen, dass die Plattform so schnell ins Leben gerufen werden konnte, sagt die stellvertretende Vereinsvorsitzende Theresa Leinkauf. „Wir profitieren davon, dass wir alle unterschiedliche Stärken einbringen und uns gegenseitig ergänzen“, erzählt Leinkauf, die im Büro der Bundestagsabgeordneten Gyde Jensen arbeitet und das politische Know-how einbringt.

In den nächsten Tagen kann es losgehen

Die Homepage ist bereits programmiert und online geschaltet. Dort können sich die freiwilligen Lieferanten melden. In den nächsten Tagen soll es soweit sein, dass auch Menschen, die Hilfe brauchen, ihre Bestellungen aufgeben können. Wenn alles nach Plan läuft, könnten gegen Ende der Woche die ersten Lebensmittel gebracht werden, die Auslieferungen sollen innerhalb von ein bis zwei Werktagen erfolgen – deutlich schneller als bei den eigenen Lieferservices der Einzelhändler, die aufgrund der hohen Nachfrage kaum mit den Bestellungen hinterher kommen, sagt Leinkauf. Zudem entfallen Lieferkosten.

Die Homepage ist so programmiert, dass aus einem Sortiment die benötigten Waren ausgewählt werden. Unterschieden wird hierbei nicht zwischen den Marken. Bestellt jemand beispielsweise Nudeln, kann er nicht auswählen, von welchem Hersteller sie sein sollen.

Zeitsparende Kooperation mit Einzelhändlern

Um die Einkäufe möglichst schnell ausliefern zu können, haben die "Kieler Helden" mit Stefan Koch, der bereits einen Online-Lieferdienst betreibt, einen Partner aus dem Einzelhandel gefunden, aus dessen Lager die Waren direkt an einen zentralen Umschlagsplatz in der Stadt kommen. Auch mit dem Citti-Markt gibt es eine Kooperation. Von dem Umschlagsplatz übernehmen die Helfer – bislang haben sich über 75 gemeldet – die Verteilung zu den Haushalten. Die Kooperation hat den Vorteil, dass die Ehrenamtlichen nicht mit vollgepackten Einkaufswagen durch die Märkte laufen müssen und somit kaum Kontakt zu anderen Menschen haben.

Diese weiteren Hilfsangebote gibt es

Die Stadt Kiel will in den nächsten Tagen ein Online-Portal entwickeln, auf dem sich freiwillige Helfer und Menschen, die Unterstützung benötigen, melden können. Das Ehrenamtsbüro Nettekieler vermittelt jetzt bereits erste Kontakte. Freiwillige können Hilfe per E-Mail an ehrenamtsbuero@nette-kieler.de anbieten, wer Hilfe braucht, wendet sich an die Anlaufstellen in der Nachbarschaft.

Gleichzeitig hat die Stadt eine Kampagne gestartet, lokale Unternehmen auch in Zeiten von geschlossenen Läden und Restaurants zu unterstützen, beispielsweise, indem bereits jetzt schon Gutscheine gekauft werden. Auf dem sozialen Netzwerk Facebook hat sich zudem die Gruppe "Kieler, kauft bei Kielern" gegründet, in der lokale Unternehmen auf sich aufmerksam machen können, wenn sie aktuell weiterhin ihre Dienste anbieten, etwa durch einen Online-Shop.

Ebenfalls bei Facebook gibt es die Gruppe "Kieler für Kieler", die Helfende und Hilfebedürftige vermitteln will. "Wir haben schon viele Hilfsangebote bekommen", sagt Organisatorin Nadine Haß. Bislang fehlen noch die Menschen, die sich melden, wenn sie Unterstützung benötigen.

Bereits kräftig am Helfen ist Noel Tagoe. Der 29-jährige DJ lebt in Hamburg, besucht aber regelmäßig seine Mutter in Kiel. Da er momentan keine Musik machen kann, hat er einen ehrenamtlichen Lieferservice eingerichtet. Unter der Handynummer 0178/3585262 nimmt er Bestellungen entgegen – egal ob telefonisch oder per Foto und liefert sie zeitnah aus. Lieferkosten berechnet er keine, die Kosten für den Einkauf streckt er vor.

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