Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Kiel Viele Wünsche für das Ostufer
Kiel Viele Wünsche für das Ostufer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 25.01.2014
Von Karin Jordt
Die Schwentinemündung ist in den vergangenen Jahren attraktiver geworden und sollte laut Sozialraumbericht in Zukunft weiter als „verbindendes Kraftzentrum“ gestärkt werden. Quelle: dt
Neumühlen-Dietrichsdorf

„Die Stadtteile, die es besonders nötig haben, sollten auch mehr Unterstützung bekommen“, erklärte Projektkoordinatorin Alexandra Mahler-Wings in einer gemeinsamen Sitzung der Ortsbeiräte Neumühlen-Dietrichsdorf/Oppendorf und Ellerbek/Wellingdorf. Der 128 Seiten starke Sozialraumbericht analysiert die Lebensbedingungen und fasst Daten, Bestandsaufnahmen, Stärken und Schwächen, Handlungsschwerpunkte und Vorschläge für die weitere Entwicklung zusammen. Vorausgegangen waren Workshops der Verwaltung und Beteiligungsveranstaltungen vor Ort.

 Auffällig ist, dass die Menschen in der Regel gern in Ellerbek, Wellingdorf und Neumühlen-Dietrichsdorf/Oppendorf leben und den Zusammenhalt schätzen. Dennoch sind die Listen lang, wenn nach Wünschen, Defiziten, trostlosen Ecken und sozialen Schieflagen gefragt wird. So fehlen barrierefreie und hochwertige Wohnungen mit attraktivem Umfeld, auch für Studierende sind entsprechende Angebote rar. Es gibt zwar das Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung und die Fachhochschule, aber von studentischem Flair mit entsprechenden Freizeitangeboten und Gastronomie ist noch wenig zu sehen. Auch die Verzahnung von Forschung und Wirtschaft sollte verbessert werden. Die Busverbindungen gelten zwar als gut, allerdings könnten die Fähren häufiger fahren. Außerdem wünschen sich die Anlieger gut ausgebaute Fuß- und Radwege, besseren Lärmschutz an Hauptstraßen und eine schnellere ÖPNV-Verbindung. Vermisst werden außerdem Einkaufsmöglichkeiten, zum Beispiel im Bereich Poppenrade.

 Auch bei der Bildung gibt es einiges zu tun: „Die teilweise unterdurchschnittlichen Quoten bei den Empfehlungen für die weiterführenden Schulen weisen auf Handlungsbedarf hin“, heißt es im Sozialraumbericht. Neben besonderer Förderung sei auch mehr Zusammenarbeit mit Eltern in Kitas und Schulen wichtig. Bei den Schuleingangsuntersuchungen wurden bei überdurchschnittlich vielen Kindern Übergewicht und Sprachstörungen festgestellt. Angeregt werden Präventionsprogramme zur Gesundheitsförderung für alle Altersgruppen, zum Beispiel Ernährungsberatung und Bewegung, Sprachförderung für Kinder, die Vernetzung der Bildungs- und Forschungsakteure und eine deutliche Profilbildung bei den Schulen. Da die Zahl der Alleinerziehenden überdurchschnittlich hoch ist, sollten unterstützende Angebote entwickelt werden.

 Wichtig ist den Bewohnern auch, dass das Image ihrer Stadtteile besser wird. Die weitere Stärkung der Schwentinemündung als „verbindendes Kraftzentrum“ und mehr Zugänge zum Wasser wären nicht nur für Kieler, sondern auch für Gäste interessant. „Die bessere Vermarktung der vorhandenen Attraktionen unter Nutzung der Verbindung von Tradition und Moderne sowie des Natur- und Sportpotenzials kann die Stadtteile als touristische Ausflugsziele positionieren“, heißt es. Leer stehende, heruntergekommene Gebäude, etwa die Wohnblocks an der Wahlestraße und die verwaiste Ladenzeile am Tilsiter Platz, bestätigen eher das Schmuddel-Image des Ostufers, das alle Beteiligten gern überwinden möchten. Der Bericht des Sozialdezernats über Ellerbek, Wellingdorf, Neumühlen-Dietrichsdorf/Oppendorf soll im Februar als Planungskonzept von der Ratsversammlung beschlossen werden und ist auch im Internet zu finden unter www.kiel.de/sozial. Eine gedruckte Version gibt es beim Sozialdezernat im Rathaus, Fleethörn, Raum 302.