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Kiel Als Nordschleswig zu Dänemark kam
Kiel Als Nordschleswig zu Dänemark kam
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21:35 24.09.2019
Von Kristiane Backheuer
Der Kieler Jurist und Autor Klaus Alberts hat ein Buch über die Volksabstimmung 1920 geschrieben. Darin beschreibt er, wie Nordschleswig zu Dänemark kam. Im Hintergrund ist der Warleberger Hof in Kiel zu sehen, der eng mit der dänischen Geschichte verknüpft ist. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Gerade hat der Kieler Jurist und Autor Klaus Alberts ein Buch zum Thema veröffentlicht. Darin kommt er zu dem Schluss: „Von Wiedervereinigung kann keine Rede sein. Es war schlicht und ergreifend im Sinne des Staatsrechts ein Landerwerb.“ Seine Geschichte handelt von der Hellseherin Fanny, einem vielleicht falschen Schimmel und großen juristischen Problemen.

Ein Jahr lang hat Klaus Alberts in alten Verträgen, Akten und Unterlagen geforscht. Herausgekommen sind 200 spannende Seiten, die bestätigen: „Der Begriff ,Wiedervereinigung’ ist lediglich ein politisches Schlagwort. Ein Kampfbegriff zur Stärkung des Nationalbewusstseins. Ein Mittel zur Heilung einer alten Wunde“, so Klaus Alberts. „Die jetzige Grenze hat es in der Geschichte nie gegeben.“

Der dänische König Christian X. reitet ins neuerworbene Gebiet

Das Gemälde „Der König reitet ein“ von Alfred V. Jensen, das Klaus Alberts in seinem Buch zeigt, ist so etwas wie ein Schlüsselbild, um die Dänen zu verstehen. Es zeigt den Einritt des Dänenkönigs Christian X. im Juli 1920. Auf einem weißen Pferd reitet er in das neuerworbene Gebiet und wird vom Volk gefeiert.

„Damit erfüllt sich angeblich eine alte Prophezeiung der Dänen“, so Klaus Alberts. „Die Hellseherin Fanny aus Apenrade soll einst vorhergesagt haben, dass ein König auf einem Schimmel über eine ehrwürdige Grenze reitet.“ So wird 1920 genau diese Vorhersage inszeniert.

„Da so schnell kein Schimmel aufzutreiben gewesen war, so soll es später Prinz Knut erzählt haben, soll kurzerhand ein graues Pferd weiß gekalkt worden sein“, sagt der Autor. „Das Volk war ergriffen. Es gab Jubel. Ein Sieges-Mythos war geboren.“

Die beiden Herzogtümer haben nie zu Dänemark gehört

„Dabei verläuft die Grenze der dänischen Monarchie seit 1460 nördlich von Ribe bis hinüber nach Kolding“, sagt Klaus Alberts, der in Dithmarschen aufgewachsen ist. „Alle dänischen Könige waren seitdem zugleich in Personalunion Herzöge von Schleswig und von Holstein. Die beiden Herzogtümer haben aber nie zu Dänemark gehört. Sie waren autonom.“

Dies habe wunderbar funktioniert, bis das Zeitalter des Nationalismus’ um 1830 anbrach. „Von da an gab es vor allem im Herzogtum Schleswig starke nationale Bewegungen“, so der Jurist. „Die einen strebten in ein künftiges vereinigtes Deutschland, die anderen wollten Teil Dänemarks werden.“

1907 gibt es noch einmal eine endgültige Grenzklärung zwischen Deutschem Reich und Dänemark. „Die Grenzziehung, wie sie seit 1460 bestand, wird bekräftigt“, so Klaus Alberts.

Nach dem Ersten Weltkrieg melden sich die dänischen Nationalisten

Doch kurz nach dem Ersten Weltkrieg kommt alles ins Wanken. „Die Deutschen sind schwach, da melden sich die dänischen Nationalisten wieder zu Wort und bestehen auf einer Volksabstimmung für das historische Herzogtum Schleswig.“ 

Der Ausgang: In der Zone 1 (Nordschleswig) stimmen 74,9 Prozent der Bewohner für Dänemark. In der Zone 2 (Mittelschleswig) sind es 80,2 Prozent für Deutschland. „Der Vertrag von 1907 wurde einfach gekündigt“, sagt der Jurist. „Zudem verstieß man gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker, denn eine En-bloc-Abstimmung ist darin nicht erlaubt.“ 

Dänemarks Geschichte ist eine Geschichte des Verlustes

Warum die Dänen jubelnd von der „Wiedervereinigung“ sprechen? „Die Geschichte Dänemarks ist seit Jahrhunderten eine Geschichte des Verlustes und des Abschieds von der großen Machtposition des Mittelalters“, sagt Klaus Alberts.

Die Demütigungen des Landes im Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 sieht er als einen wesentlichen Schlüssel zum Verständnis des Geschehens. So erklärt sich vielleicht ein wenig, warum der Erwerb dieses „kleinen Stückchens Bauernlandes“ für Dänemark damals und heute so eine gewaltige Bedeutung haben kann. 

Klaus Alberts, „Volksabstimmung 1920 – Als Nordschleswig zu Dänemark kam“, 34 Euro, Boyens Buchverlag, ISBN 978-3-8042-1514-6.

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