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Kiel erlässt Weihnachtsmarkthändlern zwei Drittel der Standgebühren

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15:34 17.12.2021
Hier war schon mal mehr los: zurückhaltender Besucherandrang auf dem Weihnachtsmarkt in Kiel.
Hier war schon mal mehr los: zurückhaltender Besucherandrang auf dem Weihnachtsmarkt in Kiel. Quelle: Uwe Paesler
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Finanzielle Entlastung für die Schaustellerinnen und Schausteller auf Kiels Weihnachtsmärkten: Die Stadt erlässt ihnen zwei Drittel der Standgebühren. Das hat die Kieler Ratsversammlung am Donnerstagabend nach den Haushaltsberatungen einstimmig beschlossen.

Die Größenordnung entspricht den Umsatzeinbußen in diesem Jahr. Die Standbetreiber gäben sie mit bis zu 65 Prozent an, berichtete der Ratsherr Andreas Arend (SPD). Grund: Wegen Corona kommen deutlich weniger Besucher auf die Kieler Weihnachtsmärkte als vor der Krise. Der Gebührenerlass macht für die Stadt ein Volumen von rund 200.000 Euro aus.

Schausteller in Kiel freuen sich über Entgegenkommen der Stadt

„Der Beschluss ist eine gute Nachricht für alle Schaustellerinnen und Schausteller und macht das Leben etwas leichter“, sagt Wolfgang Sabrowsky, Organisator des Weihnachtsdorfes auf dem Rathausplatz. Er freut sich über die Unterstützung, die es sowohl von der Stadt Kiel als auch von der Landesregierung für den Weihnachtsmarkt von Beginn an gegeben habe.

„Wir können für jeden Euro, der reinkommt, dankbar sein“, sagt Manfred Jipp, Chef der Glühweinpyramide auf dem Asmus-Bremer-Platz. Er berichtet davon, dass einige Schausteller bis zu 75 Prozent Umsatzeinbußen im Vergleich zu 2019 verbuchen müssen.

Schicksal der Schausteller in Kiel: Vielbeachtete Rede des Ratsherrn Andreas Arend (SPD)

Ratsherr Andreas Arend (SPD) Quelle: Frank Peter

Auch Ratsherr Arend schilderte am Donnerstag in einer vielbeachteten Rede eindringlich das Schicksal von Schaustellerfamilien. „Im letzten Jahr war alles anders als davor“, sagte Arend. „Der Weihnachtsmarkt ist abgesagt worden, und seither viele weitere Märkte, Stadt- und Stadtteilfeste. Die Kieler Woche zeigte sich zurückhaltend. Das alles war mit schweren Einbußen für das Veranstaltungsgewerbe, aber auch für Schaustellerinnen und Schausteller verbunden.“

Stadt Kiel führte mit Verzögerung 2G-Regel auf dem Weihnachtsmarkt ein

Arend fuhr fort: „In diesem Jahr wurde mit viel Mut, einem guten Regelwerk und Kontrollen verantwortungsvoll ein Weihnachtsmarkt in Kiel auf den Weg gebracht – weil die Menschen sich nach so etwas sehnten wie einem Stück Normalität, nach etwas Vertrautem, in dem sie Halt finden können.“ Später war die Stadt Kiel im Lichte der Infektionszahlen dann doch zur 2G-Regel umgeschwenkt.

Eine Umstellung, die sich für die Schausteller negativ auswirkte. „Mit 2G brachen die Einnahmen gewaltig ein“, berichtet Jipp. Auch Sabrowsky bestätigt diesen Effekt. „Am Anfang hatten wir noch relativ guten Zulauf. Als 2G kam, gingen die Zahlen deutlich zurück.“ Woran das genau lag, können die Schausteller selbst nicht beantworten. „Ich habe das nicht erwartet“, sagt Rigo Reitz, der ein Kinderkarussell auf dem Holstenplatz betreibt. „Vielleicht haben die Leute Angst bekommen. Aber richtig erklären kann man das nicht.“

„Wirtschaftlicher Betrieb der Buden nicht möglich“

Die Vorfreude auf den Weihnachtsmarkt sei groß gewesen, so Arend in seiner Rede, „aber der Vorbehalt gegenüber einer Ansteckungsgefahr war dann am Ende größer“. Das sei „in gar keinem Fall zu verurteilen“, betonte der Ratsherr. „Aber im Ergebnis führt das nun dazu, dass die notwendigen Besucherzahlen für einen wirtschaftlichen Betrieb von Buden jeglicher Art ausblieben und ausbleiben.“

Leidtragende seien die Familien der Schaustellerinnen und Schausteller – „wie so oft in der Pandemie“, sagte Arend. Manche stünden „vor einem finanziellen Desaster“.

„Gemeinsinn ist mit Geld nicht zu bezahlen“

„Wenn wir in Zukunft noch Märkte mit Vielfalt erleben wollen, müssen wir helfen und die Not lindern“, beschwor der Sozialdemokrat. Es gehe auch darum, „ihnen in finanzieller Form etwas zurückzugeben, was eigentlich mit Geld gar nicht zu bezahlen ist: Freude, Gemeinschaft und vor allen Dingen Gemeinsinn.“

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Hätte die Ratssitzung in Präsenz stattgefunden und nicht online, es hätte für Arends Rede wohl lang anhaltenden Applaus gegeben.

Von Jonas Bickel Michael Kluth

Jördis Früchtenicht 17.12.2021
KN-online (Kieler Nachrichten) 17.12.2021
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