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Kiel Kieler FDP unterstützt Kämpfer
Kiel Kieler FDP unterstützt Kämpfer
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22:26 04.07.2019
Von Michael Kluth
Kandidaten in der FDP-Anhörung (v. li.):Ulf Kämpfer (SPD), Moderator Ralf Rose, Andreas Ellendt (CDU). Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Damit stehen die Kieler Kooperationsparteien SPD, Grüne und FDP sowie der vormalige Kooperationspartner SSW geschlossen hinter Kämpfers Kandidatur. Ellendt, der schon vor der Anhörung länger um die Unterstützung der Liberalen geworben hatte, geht nun allein für die CDU ins Rennen.

Maßgeblich seien für die FDP Kämpfers Verwaltungserfahrung und "die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihm in der Kooperation" gewesen, sagte der FDP-Kreisvorsitzende Ingmar Soll KN-online am Abend. Die FDP bringe wirtschafts- und bildungspolitische Kompetenz in die Kooperation ein und finde beim Oberbürgermeister stets ein offenes Ohr dafür.

Erstes öffentliches Duell in Kiel

Vorausgegangen war der Entscheidung das erste öffentliche Aufeinandertreffen von Kämpfer und Ellendt im Haus des Sports vor etwa 100 Zuschauern, darunter genau 30 FDP-Mitgliedern. Zwei Stunden lang ging es um Kernthemen wie Klimaschutz, Verkehrswende, Wohnungsbau, Bildung und Kitas.

Kämpfer will Wirtschaftsdezernent bleiben

Diametrale Unterschiede beider Kandidaten traten erst am Schluss zutage. Auf die Frage, ob es in dier Kieler Stadtverwaltung wieder ein eigenständiges Wirtschaftsdezernat geben solle, antwortete Ellendt mit einem klaren Ja und Kämpfer mit einem klaren Nein.

Der Oberbürgermeister übt das Amt des Wirtschaftsdezernenten derzeit selbst aus. Die FDP hatte sich in der Vergangenheit für ein eigenes Wirtschaftsdezernat stark gemacht. Aber sie wolle sich nicht an organisatorischen Fragen festbeißen, sagte Soll nach der FDP-Entscheidung.

Ellendt argumentierte in der Dezernatsfrage, dass die Wirtschaft in Kiel rund um die Uhr einen eigenen Ansprechpartner brauche. Kämpfer fragte, was das einem Investor nützen solle, wenn er danach sowieso zum Oberbürgermeister müsse.

Kämpfer und Ellendt unterscheiden sich im Amtsverständnis

Unterschiede gab es auch im Amtsverständnis.

Für Ellendt muss ein Oberbürgermeister sein Amt überparteilich ausüben. Er müsse das Primat der Politik, also der Ratsversammlung anerkennen und deren Direktiven ausführen.

Kämpfer sagte mit gleich mehreren Seitenhieben auf Ellendt, ein Oberbürgermeister müsse Verwaltung können, ein politisches Wertegerüst haben und selbst initiativ sein. Projekte wie die Digitale Woche oder die Science City seien seine Ideen gewesen, "damit warte ich ja nicht, bis jemand in der Ratsversammlung auf dieselbe Idee kommt". Er sei kein Stadtdirektor.

Einig im Ziel, unterschiedlich im Weg

Zuvor waren beide Kandidaten sich in wichtigen Politikfeldern im Ziel einig gewesen, nur nicht im Weg dahin.

So sprachen beide sich für mehr sozialen Wohnungsbau aus. Kämpfer verteidigte die Gründung der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft KiWog, während Ellendt das für einen Umweg hält. Er favorisierte eine Stärkung der Genossenschaften.

Breiten Raum nahm das Thema Verkehr und Umwelt ein. Ellendt kritisierte die Festlegung auf eine schienengebundene Stadtbahn und sprach sich für eine digital gesteuerte, bereifte Bahn auf eigener Spur aus.

Kämpfer verspottete das als "Gummibahn", nannte die Vorbilder Aahus und Brest, die mit ihren Straßenbahnen auf Schienen hochzufrieden seien, und will die Stadtbahn "technologieoffen" prüfen.

Ellendt kritisierte, dass die Stadt alles auf die Karte Stadtbahn setze, statt sofort einen massiven Ausbau des Bus- und Fährverkehrs in Angriff zu nehmen.

Im TV-Duell hätte Kämpfer gewonnen

Fazit: Wäre der Applaus gemessen worden, hätte wohl Ellendt gewonnen. Er hatte mehr Parteifreunde mitgebracht. Wäre es ein TV-Duell gewesen, hätte vermutlich Kämpfer die TED-Umfrage danach für sich entschieden. Der Amtsinhaber spielte gegenüber dem unerfahrenen Gymnasiallehrer Ellendt, der erkennbar gelernten Stoff vortrug, routiniert seine Sachkenntnis und Eloquenz aus.

Die Kandidatenlage in Kiel

Nach der FDP-Entscheidung steht jetzt die Kandidatenlage in Kiel fest: Ulf Kämpfer tritt mit Unterstützung von Grünen, FDP und SSW für die SPD an. Andreas Ellendt ist sein Kontrahent für die CDU und blickt auch auf bürgerliche grüne Wähler. Für die Linke tritt der ehemalige Landtagsabgeordnete Björn Thoroe an und fischt auch nach linken grünen Stimmen. Die satirische "Partei" hat den Blinden Florian Wrobel als "Kandidat mit Durchblick" nominiert.

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