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Kiel Demo gegen Inhaftierungen in der Türkei
Kiel Demo gegen Inhaftierungen in der Türkei
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15:24 25.08.2018
Von Martin Geist
75 Menschen kamen am Sonnabend zur Demo in der Kieler Innenstadt. Quelle: Martin Geist
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Kiel

Die unselige Tradition des vor allem von südamerikanischen Diktaturen bekannten Verschwindenlassens begann in der Türkei nach dem Militärputsch vom September 1980 und wurde dann Mitte der 1990er-Jahre von der konservativen Regierung fortgesetzt. 1995 demonstrierten erstmals die „Samstagsmütter“ auf dem Galatasaray-Platz in Istanbul, um Aufklärung zu verlangen, Sonnabend für Sonnabend geschieht das seit 2009. Kein anderer als Staatschef Erdogan sagte damals seine Unterstützung zu, damit die Mütter wenigstens Gewissheit darüber bekämen, was mit ihren Söhnen geschah. Doch wirklich aufgeklärt wurden nur wenige Fälle.

Längst haben sich die Zeiten wieder gedreht in der Türkei. In Kiel versammelten sich Mitglieder der Alevitischen Gemeinde, des Kurdischen Frauenvereins, des Sozialistischen Frauenbunds und des Kurdischen Solidaritätskomitees, um die türkischen Frauen zu stärken, die zur selben Zeit in Istanbul zum 700. Mal auf der Straße standen. Wobei davon nicht wirklich die Rede sein kann, denn die Demonstration wurde mit Polizeigewalt aufgelöst.

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Verschwundene Familienmitglieder

Mit Kerzen, Bildern und Nelken erinnerten die überwiegend weiblichen Demonstranten in Kiel an das Leid von mehreren Dutzend auf Fotos abgebildeten Verschwundenen und ihrer Familien. Ein Leid, das sich auch ganz persönlich in der Versammlung offenbarte. Mit dabei war die Kieler Studentin Destina Ocak, deren Onkel im Jahr 1995 festgenommen wurde. Zwei Monate später fand die Familie seine von Folter gezeichnete Leiche. Und immer noch demonstriert die Mutter des Ermordeten in Istanbul für Gerechtigkeit. Am Sonnabend gehörte die fast 80-jährige Frau zu denen, die verhaftet wurden.

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