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Kiel Billig-Tickets kosten Kiel Millionen
Kiel Billig-Tickets kosten Kiel Millionen
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19:00 05.04.2019
Von Jürgen Küppers
Günstiger Busfahren? Oder sogar kostenlos? Die stärkere Nutzung der Busse in Kiel ist politisch gewollt. Jetzt liegen erste Schätzungen auf dem Tisch, was die einzelnen Rabatte für die Stadtkasse bedeuten würden. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Dazu steckte der Eigenbetrieb Beteiligungen, der den Nahverkehr im Auftrag der Stadt plant, bei der KVG bestellt, kontrolliert und finanziert, in seinen Berechnungen den Kostenrahmen ab: Je nach Zielgruppengröße erzeugen Günstig-Tickets jährliche Maximaldefizite bei der KVG von 5,4 Millionen Euro (Mobilitätsticket für Finanzschwache) bis 32 Millionen Euro (kostenloser ÖPNV für alle). Die Stadt müsste die dadurch weiter steigenden Verluste der KVG wieder ausgleichen.

Das noch nicht existierende Mobilitäts-Monatsticket (15 Euro) könnten bei einer Einführung theoretisch rund 49.000 „armutsgefährdete“ Kieler nutzen. Der Eigenbetrieb rechnet aufgrund des günstigen Preises mit hohen Nutzerzahlen und beziffert das von der Stadt auszugleichende Defizit auf rund 5,4 Millionen Euro.

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Mindestens 16 Millionen fürs Ein-Euro-Ticket

Richtig happig für die Stadt würde es bei einer Einführung des Ein-Euro-Tickets für alle. Bliebe es dann bei Fahrgastzahlen von 2017, müsste ein KVG-Einnahmeverlust von rund 16 Millionen Euro ausgeglichen werden.

„Wahrscheinlich wird die Summe aber deutlich höher sein“, schätzt die im Eigenbetrieb für den ÖPNV zuständige Abteilungsleiterin Wiebke Bonow. Denn wegen der extrem günstigen Tarife würden auch Fahrgastzahlen extrem steigen.

Das wiederum führe zu höheren Kosten für Fahrzeuge und Personal, damit auch zu mehr Verlusten, rechnet Wiebke Bonow vor: „Welche Folgen Ein-Euro-Tickets für die KVG genau haben, können nur externe Gutachter wirklich beurteilen.“

Auch schrittweise Preissenkungen wurden ausgerechnet

Deshalb hat der Eigenbetrieb auch schrittweise Reduzierungen von Ticketpreisen durchgerechnet: Zehn Prozent Nachlass auf das gesamte KVG-Angebot (Mobilitätsticket herausgerechnet) würde mit 4,8 Millionen Euro Defizit zu Buche schlagen, 8,1 Millionen für 20 Prozent Nachlass, 11,6 Millionen für 30 Prozent.

Die erwartungsgemäß mit Abstand teuerste Variante wäre kostenloser Nahverkehr in Kiel. Dafür müsste die Stadt der KVG den Verlust ihrer Fahreinnahmen von rund 32 Millionen Euro ersetzen.

Landesförderungen könnten verloren gehen

Das ist aber noch nicht alles, falls Kiel im Norden „Insellösungen“ bei Günstig-Tickets umsetzen sollte. Es besteht zumindest die Gefahr, dass der Stadt Nahverkehr-Landesförderungen in Höhe von vier Millionen Euro aberkannt oder zumindest gekürzt werden.

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