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Kiel Ordnung ist das ganze Leben
Kiel Ordnung ist das ganze Leben
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10:00 20.11.2018
Von Kristiane Backheuer
Einer der besten Pathologen im Land: Prof. Wolfram Klapper vom UKSH Kiel extrahiert im Labor gerade Erbsubstanzen aus Zellen, um sie später unterm Mikroskop analysieren zu können.
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Kiel

Wolfram Klapper führt  gut gelaunt durch verwinkelte Gänge vorbei an Bauarbeitern in sein kleines Büro in der hintersten Ecke des alten Unigebäudes. An der Wand hängen zwei Originaldrucke der sogenannten „Plays-in-Business-Kunst“. Auf einem Bild ist ein tiefer Teller gefüllt mit Buchstabensuppe abgebildet. Auf dem zweiten sind die Buchstabennudeln in alphabetischer Reihenfolge fein säuberlich im Suppenteller angeordnet. Und genau diese Fotos verraten mehr als tausend Worte über den Beruf des Pathologen. „Wir sind Gewebesammler und lieben die Ordnung“, sagt er schmunzelnd und vergleicht seine knapp 15-köpfige Abteilung mit einer „zentralen Gewebemanager-Station“.

Eine detektivische Arbeit

Im Fokus seines Teams stehen vor allem diejenigen Patienten, bei denen der Verdacht auf Lymphdrüsenkrebs und Blutkrebs besteht. „Genau diese spezialisierte Medizin macht es möglich, in diesem Bereich exzellent zu sein“, sagt er und zieht einen Stapel mit flachen Holzbrettchen hervor. In jedem dieser „Tablets“ stecken die Gewebeproben in Glasobjektträgern von einem Fall. Den Patienten bekommen Prof. Klapper und sein Team nie zu sehen. „Wir sind im Grunde blind“, sagt er, „können dadurch aber objektiver arbeiten.“ Seine Arbeit beschreibt er mit Detektivarbeit oder einem Puzzle. Am Ende muss alles passen. Schnell schiebt er eine Probe unters Mikroskop. Auf dem angeschlossenen Bildschirm erscheint eine Art Blindentest voller bunter Pünktchen. „Das sind alles Zellen. Aber hier ist die Ordnung stark durcheinandergebracht“, erklärt er. Um auf die Spur der genauen Krankheit zu kommen, werden mehrere hauchdünne Gewebeproben unterschiedlich eingefärbt. Mal werden die Proteine kenntlich gemacht, mal die Zellkerne oder genetische Veränderungen. Ist dabei ein großes Durcheinander zu sehen, ist das nie gut.

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Jährlich werden 8000 Gewebeproben bearbeitet

Seit den 60er-Jahren werden am UKSH Gewebeproben gesammelt, benannt und sortiert. Die Idee hatte damals Prof. Karl Lennert, nach dem auch das heutige Krebszentrum am UKSH benannt ist. „Er hat schon früh erkannt, dass die Gewebeproben ein Schatz sind“, so Wolfram Klapper. „Inzwischen haben wir eine riesige Sammlung, mit der wir Forschung betreiben können.“ Lymphom ist nämlich nicht gleich Lymphom.  Seine Abteilung bearbeitet jährlich rund 8000 Gewebeproben von Patienten, wobei Lymphome bei Kindern einen besonderen Schwerpunkt darstellen. Die Proben kommen dabei nicht nur aus Deutschland. Gerne bitten die Kollegen aus anderen Ländern um Hilfe. Gewebe, das aus dem Iran oder Russland nach Kiel geschickt wird, ist keine Seltenheit.

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