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Kiel Die Kieler wollen Zugang zum Wasser
Kiel Die Kieler wollen Zugang zum Wasser
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08:00 25.05.2019
Von Michael Kluth
Sie entwickelten "Kieler Perspektiven" (v. li.): KN-Lokalchef Kristian Blasel, Stadtsoziologe Albrecht Göschel und Baudezernentin Doris Grondke. Quelle: Frank Peter
Kiel

Das öffentliche Interesse an Doris Grondkes Gesprächsreihe „Kieler Perspektiven“ ist ungebrochen. Der Saal des Veranstaltungszentrums „Pumpe“ ist auch an diesem Donnerstagabend vollbesetzt. Die Baudezernentin begrüßt zum zweiten Teil der Reihe auf dem Podium den Berliner Stadtsoziologen Albrecht Göschel und den Lokalchef der Kieler Nachrichten, Kristian Blasel.

Warnung vor dem verrückten Hochhaus

Göschel irritiert das kundige Publikum besonders an zwei Stellen. Das Kieler Schloss sei „in seiner Schlichtheit ein architektonischer Kommentar zur demokratischen Grundordnung“, behauptet Göschel am Geburtstag des Grundgesetzes. Später warnt er vor dem geplanten Hotel-Hochhaus in Gaarden: Ein 17-stöckiges Gebäude drohe die Kreativität des Platzes an der Werftbahnstraße 8 zu ersticken.

Große KN-Umfrage zu Kiel

Zwei Einschätzungen, die der Lokaljournalist Blasel nicht bestätigen kann. Er stellt die Ergebnisse der großen KN-Umfrage „Typisch Kiel“ vor. Mehr als 3000 Menschen haben sich daran beteiligt. Darin sind das Schloss eher schlecht und der „verrückte Turm von Gaarden“ sehr gut weggekommen. Tatsächlich ist „KoolKiel“ laut Umfrage sogar das einzige weitgehend unumstrittene Neubau-Projekt in Kiel.

Orte schaffen Identität in der Stadt

Konsensfähig ist Göschels Analyse zur „Identität der Stadt“. Danach gibt es die „Stadt aus einem Guss“ nicht. Identitätsstiftend seien vielmehr einzelne Orte innerhalb einer Stadt. Göschel nennt ein Beispiel: Der Wasserturm in Ravensberg sei längst ein Wohngebäude und kein Wasserturm mehr, trotzdem stelle er den emotionalen Kontakt zum Ort her. Wo wohnst Du? Am Wasserturm. Göschel: „Der Ort ist definiert, die neue Nutzung nimmt die alte auf.“

Wasser spielt in Kiel die Hauptrolle

Einig sind der Soziologe und der Lokaljournalist sich darin, welche identitätsstiftende Eigenart in Kiel die Hauptrolle spielt. „Das Wesen dieser Stadt ist die Ökologie des Wassers“, schmettert Göschel in den Saal. Etwas nüchterner fasst Blasel die Umfrage zusammen: „Die Menschen in Kiel sind stolz auf alles, was mit Wasser zu tun hat.“ Kritisch ergänzt er: „Die Leute wollen Zugang zum Wasser haben.“ Und: „Die Innenstadt ist bisher kein Sehnsuchtsort.“

Kieler Woche top, Innenstadt flop

Tatsächlich haben die Teilnehmer der Umfrage unter den positiven Alleinstellungsmerkmalen Kiels als Erstes die Kieler Woche, das Wasser sowie Kreuzfahrten und Schiffe genannt. Den negativen Top-Platz hält die Innenstadt. Blasel stellt einen tiefen Lokalpatriotismus der Kieler fest: Kiel werde mehrheitlich als echt, freundlich, entspannt, offen und familiär empfunden, gar nicht hingegen als empfindlich, wild, weich oder künstlich, allerdings auch nicht als modern oder hübsch.

Um die Plätze in der Innenstadt kümmern

An die Adresse der Baudezernentin sagt der Lokalchef kritisch: „Sie wollen sich um die Plätze in der Innenstadt kümmern – das ist auch dringend nötig!“ Und ein Zuschauer fragt Grondke, warum die Baustelle an der Kiellinie so lange dauert. Eine Diskussion, die die Stadträtin abbügelt. Sie lädt den Fragesteller dazu lieber in ihr Büro ein.

Die vollständige KN-Umfrage "Typisch Kiel" finden Sie hier

Als Nächstes kommt "KoolKiel"

Die Veranstaltungsreihe „Kieler Perspektiven“ steht 2019 unter dem Obertitel „Identität“. Mit dem dritten Teil („Utopie als Wegbereiter von Identität?“) soll am 4. September um 19 Uhr das Baukulturforum in der dann umgebauten, denkmalgeschützten alten Turnhalle an der Waisenhofstraße 3 hinter dem Rathaus eröffnet werden. Der vortragende Gast ist dann Jan Knikker vom Rotterdamer Architekturbüro MVRDV. Das Büro hat „KoolKiel“ entworfen, den „verrückten Turm von Gaarden“.

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