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Kiel Drahtseilakt im Blattgold-Palast
Kiel Drahtseilakt im Blattgold-Palast
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20:00 09.08.2019
Von Jürgen Küppers
Zwei, die sich vertrauen: Rudel-Chef „Baluga“ schleckt dem „komischen Löwen“ Martin Lacey jr. die Hand. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Als sich am Donnerstagabend nach fast dreistündiger Show (Pause inklusive) rund 3000 Besucher im nahezu ausverkauften Zirkuszelt zum Applaus erhoben, schwang im tosenden Klatschen auch ein wenig Trotz aufgrund der Proteste mit.

Krone“ will sich dem Widerstand aber nicht beugen, der seit Jahren dessen Tourneen begleitet. In der neuen Show „Mandana ging das Traditionsunternehmen in die Offensive: Es stellte die Arbeit mit Tieren sogar in den Mittelpunkt einer Liebesgeschichte, in der der „Löwenmann“ um die Gunst der „Pferdeprinzessin“ wirbt – und damit natürlich auch um Akzeptanz.

Raubtiernummer schrieb Zirkusgeschichte

Das vielleicht stärkste Bild dieses Werbens um Verständnis für seine jahrzehntelange Arbeit mit Großkatzen lieferte „Löwenmann“ Martin Lacey jr. am Ende seiner Nummer, die eher einer tierisch anstrengenden Sportstunde glich als einer Dressur: Lacey durfte sich der Länge nach auf „Balugas“ Körper ausstrecken wie auf einem Bett und dabei die Mähne des vor acht Jahren in Kiel geborenen weißen Löwen kraulen, bevor sie gemächlich Seite an Seite aus der Manege schritten.

Mit dieser gemischten Raubtiernummer (Löwen, Tiger) schrieb der Brite Zirkusgeschichte. Nie zuvor gewann ein Artist beim Internationalen Zirkusfestival in Monte Carlo zwei Mal einen Goldenen Clown. Lacey schon. Im Januar 2019 krönte Prinzessin Stéphanie von Monaco den Tierlehrer höchstselbst zum „König der Löwen“. Was der Ehemann von „Krone“-Chefin Jana Mandana Lacey-Krone allerdings nur ungern hört. „Das Rudel akzeptiert mich zwar als komischen Löwen, aber nicht als ihr Chef, höchstens als dessen besten Freund.“

Inszenierung im Stil der 1920er-Jahre

Wie man partnerschaftliche Zusammenarbeit von Tier und Mensch mit Top-Artistik verknüpft und als künstlerisch anspruchsvolle Geschichte erzählt, zeigte Regisseur Bence Vági in seiner „Mandana“-Zirkustheater-Inszenierung.

Im Stil der 1920er-Jahre ließ der Ungar in einer blattgoldverzierten Palastkulisse die Glanzzeit von „Krone“ nach Archiv-Originalvorlagen Revue passieren. Kostüme, Frisuren oder Requisiten entsprachen ebenso dem Stil der Zeit wie die eigens für die Show komponierte und produzierte Musik.

Pferdefreunde kamen dabei besonders auf ihre Kosten. Denn außer diversen Dressuren von Zirkuschefin (und „Pferdeprinzessin“) Jana Mandana Lacey-Krone durfte auch das Duo Stipka zeigen, was auf heftig wogenden Rücken trabender Friesenhengste undenkbar scheint: ein Pas de deux gespickt mit gewagten Hebefiguren und Würfen.

Gummikörper und Hochseil-Pyramide

Der Russe Alexander Batuev brachte das Publikum ebenfalls zum Staunen. Denn er hat offenbar keine Wirbelsäule, anders waren die Extrem-Verknotungen seiner Arme und Beine jedenfalls nicht zu erklären.

Noch unfassbarer war die Nummer der kolumbianischen Truppe Los Robles: Sieben Artisten balancierten in zehn Meter Höhe übers Hochseil – gleichzeitig auf drei „Etagen“ übereinander. Treffender konnte dieser tollkühne Drahtseilakt nicht illustrieren, um was es bei „Krone“ als einer der letzten wirklich Großen der europäischen Zirkus-Branche nicht nur an diesem Premierenabend ging – nicht abstürzen und überleben.

Circus Krone gastiert noch bis zum 19. August auf dem Kieler Wilhelmplatz. Weitere Infos zu Vorstellungen, Preisen und Programm finden Sie hier

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