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Kiel Mit Hammer und Stift auf Luthers Spuren
Kiel Mit Hammer und Stift auf Luthers Spuren
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18:37 05.11.2019
Von Annette Göder
Hier wird gehämmert: Oguz Han hält Luther-Thesen hoch, während Mircan und Lawand (v.li.) unter dem Blick einer Magd (Anke Sachmann) ihre eigenen Wünsche an die Tür nageln. Quelle: Annette Göder
Kiel

„Die neuen Studierenden sind da!“, ruft Pastorin Regina Nitz in der Rolle der Katharina Luther aus, als die Kinder der Toni-Jensen-Grundschule in den Gemeindesaal – oder besser gesagt die gute Stube der Luthers – treten. Die Schüler erhalten schwarze Umhänge. „Ein Umhang war früher die Tracht der Studenten“, informiert die Pastorin, die ein Leinenkleid mit Schürze trägt. Die Kostüme hat ein Gemeindemitglied vor sieben Jahren zum Start des Projektes genäht. Die Klasse wird in vier Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe durchläuft alle vier Stationen. In der „Dunkelkammer“ bewegen sich die Schüler tastend voran. Marita Gau fordert sie auf, zu spüren, wie sich die Situation anfühlt. „Luther wanderte ganz allein in der Dunkelheit, als ein Gewitter aufzog“, erzählt sie. Im dunklen Raum blitzt es, ein Donner ertönt und Glocken sind zu hören – dank Blitzgerät und Audio-Aufnahmen.

Besuch in der klösterlichen Schreibwerkstatt

Die Kinder erfahren, wie Luther betete und schwor, ein Mönch zu werden. Licht an: Nun bekommen die Schüler Gelegenheit, eigene brenzlige Situationen zu notieren und das Blatt mitzunehmen. In einem anderen Raum befinden sich Tintengläser, Federn und Zettel auf dem Tisch, der mit alten Bibeln und einem Leuchter zeitgemäß dekoriert ist. In dieser klösterlichen Schreibwerkstatt bemühen sich die jungen „Studenten“, die hebräischen Buchstaben kurzer Texte ins Deutsche zu übertragen. Luthers Freund, der Gelehrte Philipp Melanchthon, den Ute Kardel-Petersen spielt, sowie Alphabet-Zettel helfen bei dieser Aufgabe. „Der Herr ist mein Hirte“, übersetzt Afra und sinniert: „Was ist eigentlich ein Hirte?“ Alea weiß Bescheid: „Der hütet Schafe.“ Eylem stockt bei ihrer Übersetzung: „Gibt es ein Wort, das ,Segnen’ heißt? Melanchthon klärt sie auf: „Segnen bedeutet, dass Gott Glück und Schutz verspricht.“ Nun ist ein Klingeln zu hören, die Gruppe geht zur nächsten Station. 

Diskussion über den Ablassbrief

Auf dem Markt ist viel los. Die Schüler haben „Goldstücke“ erhalten und schauen sich am Stand von Katharina Luther um, die Honig, Wollhandschuhe und Holzspielzeug verkauft. Nebenan ruft Tetzel, den Pastor Niels-Peter Mahler verkörpert: „Für nur zwei Goldstücke bekommt Ihr einen Ablassbrief, damit Ihr in den Himmel kommt. Ihr habt doch sicher mal Eure Eltern geärgert?“ Auch Siegel und Siegelwachs stehen auf dem Tisch des Predigers. Luthers Frau mischt sich ein: „Ihr braucht Gott nur um Verzeihung bitten und müsst Euch nicht von der Schuld freikaufen.“ 

Ein aufwendiges Projekt

Aus einem anderen Raum dringen Klopfgeräusche. Hier erzählt die Magd Anke (Anke Sachmann), was es mit Luthers Thesen auf sich hat. An eine ausrangierte Holztür dürfen die Schüler nun eigene Forderungen nageln. „Es soll nicht mehr Plastik geben“ oder „Dass mein Vater keinen Spätdienst mehr hat“, ist dort unter anderem zu lesen. Zum Schluss versammelt sich die Klasse wieder in Luthers Stube. „Es hat viel Spaß gemacht und ich habe Neues erfahren“, sagt Beppo. Die Religionslehrerin Merle Paysen urteilt: „Ein tolles, aufwendiges Projekt, das mit vielen Emotionen verbunden ist.“ Der Kirchenmusiker Heino Pietschmann als Luther stimmt noch ein paar Bewegungslieder an, bevor die Kinder zu Obst und Brot greifen, das die Mägde – alle Mitglieder der Gemeinde – geschnitten haben.

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