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Kiel Kiels Stadtrat setzt auf Digitalisierung
Kiel Kiels Stadtrat setzt auf Digitalisierung
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16:55 19.09.2019
Von Michael Kluth
Stadtrat Christian Zierau im Flur des Einwohnermeldeamtes im Kieler Rathaus. Quelle: Frank Peter
Kiel

Die Einladung zur Regattabegleitfahrt der Kieler Wirtschaft am Freitag hat Christian Zierau abgesagt. Heute will der Stadtrat im eigenen Haus an Bord sein. Diese Woche war eine kritische Woche in den Bürgerämtern. Systemausfall, Terminabsagen, unverlängerte Ausweise und Pässe, unzufriedene Bürger, die bis zu drei Monate auf einen Termin gewartet hatten, der dann nicht stattfand. Interview mit dem Ordnungsdezernenten, der seit dem 1. Februar 2019 im Amt ist.

Stadtrat Zierau, warum kriegt die Stadtverwaltung die Engpässe in den Bürgerämtern nicht in den Griff?

Christian Zierau: Darauf gibt es nicht die eine Antwort. Bürgerämter sind das Einwohnermeldeamt im Rathaus und in den Außenstellen, Kfz-Zulassung, Führerscheinstelle und die Zuwanderungsabteilung. Die Problemlagen und Herausforderungen sind vielfältig.

Drei Monate auf einen Termin warten, um den Ausweis zu verlängern – halten Sie das für angemessen?

Nein, definitiv nicht. Das werden wir perspektivisch deutlich reduzieren.

Was tun Sie dafür?

Bei meinem Amtsantritt im Februar war gleich sehr offensichtlich, dass wir zu viele offene Stellen haben. Seitdem hatte ich viele Gespräche und weiß: Die Problemlage hat verschiedene Ursachen. Wir sind jetzt dabei, unbesetzte Stellen zu besetzen. Das Personalkonzept, das wir im Juni in die Ratsversammlung eingebracht haben und das dort einstimmig beschlossen worden ist, wird uns helfen – kurz- wie mittelfristig. Wir sind dabei, die Arbeitsabläufe zu überprüfen – zum Beispiel, ob wir wieder Öffnungszeiten ohne vorherige Terminvergabe einführen und wie wir die Erreichbarkeit durchgängig sicher stel len. Wir müssen auch die IT-Verfahren verbessern. Am besten wäre, wenn die Bürgerinnen und Bürger alles digital erledigen könnten. Der Durchbruch gelingt nur mit einer durchgreifenden Digitalisierung. Das wird aber noch zwei, drei Jahre in Anspruch nehmen. 

Fachkräftemangel ist sicher ein Argument bei Spezialisten wie Ingenieuren und Architekten – aber auch bei Sachbearbeitern im Bürger- und Ordnungsamt?

Es ist heute auch schon schwer, Verwaltungsfachleute zu kriegen. Deshalb setzen wir jetzt auch auf Seiteneinsteiger wie zum Beispiel Rechtsanwaltsgehilfinnen und Vorstandsassistenten. Die brauchen aber ein wenig mehr Einarbeitungszeit. Zudem intensivieren wir die Ausbildung; das wird mittelfristig helfen.

Was war diese Woche los?

Es gab ein Netzwerkproblem in der IT der Stadtverwaltung. Es konnte nicht schnell behoben werden, weil eine Zentralkomponente ausgetauscht werden muss. Das war eine besondere Situation. Ich war jeden Tag vor Ort und glaube: Wir haben sie gut gelöst, indem wir sehr dringende Anliegen – etwa wenn ein Reisepass für eine baldige Urlaubsreise gebraucht wurde – mit allen Mitteln möglich gemacht haben. Es war wie in einer Arztpraxis mit Notfällen und Terminpatienten. Wo es nicht so dringend war, mussten Menschen trotz Termin wieder nach Hause gehen und haben einen neuen Termin erhalten. Die meisten hatten Verständnis, wenn wir ihnen die Lage erklärt haben.

Ist der Systemausfall jetzt behoben?

Seit Donnerstag laufen die Systeme behelfsmäßig wieder stabil. Über das Wochenende werden IT-Komponenten ausgewechselt, dann sollte das System wieder stehen.

Bürger haben noch am Dienstag Erinnerungs-Mails für Termine am Folgetag erhalten, obwohl schon klar war, dass ihre Anliegen nicht bearbeitet werden. Hätte man denen nicht auch E-Mails mit neuen Terminen schicken können?

Wegen des Systemausfalls konnten wir in die automatisierten Standard-E-Mails nicht eingreifen. Und wir konnten nicht erkennen, ob es sich um dringende oder weniger dringende Fälle handelte. Deshalb haben wir uns entschieden, die Termine so weiterlaufen zu lassen und vor Ort eine Lösung anzubieten.

Können Sie jedem Kieler versprechen, dass er mit gültigem Reisepass in den Sommerurlaub fliegen kann?

Die Kolleginnen und Kollegen tun jedenfalls ihr Möglichstes dafür. Das ist der Job hier jeden Tag. Und ich appelliere an alle Kieler, frühzeitig in ihren Ausweis und ihren Pass zu sehen und einen Termin zu buchen.

Wie wird der jetzt aufgelaufene Bearbeitungsstau aufgelöst?

Mit mehr geöffneten Schaltern zu den Öffnungszeiten und mit Nacharbeiten. Letztlich durch Überstunden. Ich bin den Kolleginnen und Kollegen sehr dankbar dafür.

Wie ist die Lage in der Führerscheinstelle?

Die Personallage stabilisiert sich hier allmählich. Wir prüfen, auch in der Führerscheinstelle eine Online-Terminvergabe einzuführen. Außerdem könnten in dem Bereich die Angelegenheiten bereits relativ leicht online von zu Hause aus erledigt werden und die Digitalisierung uns schnell weiter helfen. Andere Kommunen haben das bereits. Dafür müssen wir nicht mal eine neue Software einkaufen, sondern nur ein Modul freischalten. Das möchte ich noch in diesem Jahr hinbekommen. Das wird uns richtig weiterbringen. Trotzdem wird es dann auch noch Öffnungszeiten für Menschen geben, die das Online-Verfahren scheuen.

Etwas Persönliches noch: Sie haben im KN-Interview im Februar berichtet, für Ihre eigene Ummeldung hätten Sie einen Termin erst im April. Im März konnte man auf Facebook lesen, Sie hätten sich jetzt umgemeldet. Ist da der Chef doch bevorzugt worden?

Nein, ausdrücklich nicht. Morgens um 7.30 Uhr werden aktuell freigewordene Termine des Tages freigeschaltet, da habe ich mich eingeloggt wie jeder andere auch. Und meinen Termin im April freigemacht für jemand anderen.

Einen Kommentar zur Lage in der Führerscheinstelle lesen Sie hier

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