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Kiel Kielerin berichtet über das Leben in China nach Corona-Ausbruch
Kiel Kielerin berichtet über das Leben in China nach Corona-Ausbruch
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12:52 04.02.2020
Jacqueline Schauer brach wegen des Coronavirus ihr Praktikum in Shanghai ab. Quelle: Jacqueline Schauer
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Shanghai/Kiel

8. Januar: Rote Lampions erleuchten die in Smog getränkte Stadt, an deren Wegrand Mandarinenbäume stehen. Die Fenster der Deutschen Schule Shanghai, an der ich für drei Monate mein Praktikum mache, bleiben aufgrund der schlechten Luft geschlossen. Die Woche darauf plane ich, mir eine Maske zu kaufen. Ich ahne nicht, dass ich das Warten bereuen werde.

15. Januar: Erste Sorgen über das 825 Kilometer entfernte Virus kommen auf. Ich suche auf Taobao, dem chinesischen Amazon, nach Atemschutzmasken. Ausverkauft.

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21. Januar: Kinder tragen Mundschutz im Unterricht.

22. Januar: „Hab‘ noch einen gefunden!“ jubelt die Kunstlehrerin. „Habt ihr noch einen für mich?“ - „Wir haben nur den.“ Eine andere Lehrerin kramt einen Mundschutz aus ihrer Schublade. Gerettet.

Zur Person

Jacqueline Schauer (27) studiert Französisch und Deutsch auf Lehramt im 3. Mastersemester an der Kieler Christian-Albrechts-Universität und lernt seit 2013 Chinesisch. Im Januar wollte sie für ein dreimonatige Schulpraktikum in Shanghai in China absolvieren.

23. Januar: Reise nach Hangzhou. Feuerwerk, Drachentanz und Reisterrassen. So hatte ich mir das chinesische Neujahr vorgestellt. Wir begrüßen uns mit Mundschutz und Nackenkissen. Wir fühlen uns albern und einige ziehen ihn ab. Als der Busfahrer hustet, verschwindet unser Gesicht schnell wieder hinter dem Stoff. Dann heißt es: „Wir fahren zurück. Die Reise ist abgesagt.“ Ich rufe ein Taxi, um die Fahrt in der U-Bahn zu vermeiden. Der Fahrer trägt Mundschutz und Handschuhe, zwischen uns eine Plastikscheibe. Die Schule schließt bis zum 17. Februar.

Masken sind Mangelware

24. Januar: Durch einen befreundeten Arzt bekomme ich vier Masken. Ich zähle nun die Tage, an denen ich rausgehe. Restaurants, Clubs, Kinos und Museen schließen. Paketboten werden nur nach Fieberkontrollen ins Haus gelassen. Die Regierung warnt davor, das Haus zu verlassen und stellt kostenlose Filme online. Mit Mundschutz bewaffnet fahre ich in den Supermarkt. Auf dem Weg rutscht mir die Maske über die Augen. Bei dem Versuch, mein Desinfektionsgel aus dem Rucksack zu fischen, falle ich fast um. Wie viel Essen kann ich tragen? Wie viele Tage reicht es? Menschen husten und niesen, ich ziehe die Ellenbogen vor das Gesicht. Jeder wird zum potenziellen Feind. Die U-Bahn ist menschenleer. Die sonst schmierigen Ticketautomaten glänzen wie polierte Silberlöffel. Als ich mein Wechselgeld entnehme, steigt mir der Geruch von Chlor in die Nase. Ein beunruhigend beruhigendes Gefühl. Mehrmals täglich wird die Stadt desinfiziert. Die selten geöffneten Restaurants reinigen ihre Tische nach jedem Gast. Auswärts zu essen, traue ich mich trotzdem nicht.

Unsicherheit und Panik

25. Januar: Disneyland Shanghai schließt. Aus den Schaufenstern strahlen uns Micky-Mäuse an. Das chinesische Jahr der Maus ist angebrochen und mit ihm die Hamsterkäufe. „Kannst du uns Wasser kaufen?“, fragen Freunde. In Chatgruppen taucht immer wieder dieselbe Frage auf: „Gibt es noch Essen?“ Notfallnummern und psychologische Beratungsstellen werden geteilt. Doch die meistgestellte Frage bleibt: „Wo gibt es Masken?“

26. Januar: „Warum kann ich nicht auf den Spielplatz?“ Der vierjährige Yan trägt Handschuhe. Das Kindermädchen sendet uns ein Foto aus ihrem Dorf: Eine Mauer wird entlang der Bergwand hochgezogen. Damit niemand reinkommt – oder raus. Ursprünglich plante ich, sie zu begleiten.

27. Januar: Vor unserem Balkon laufen Menschen in weißen Schutzanzügen. Die Zahl der Toten steigt auf 100. Ich denke an den Rückflug.

Chronik einer Epidemie: Studentin berichtet über Praktikum in China.

28. Januar: Erste Fieberkontrollen im Supermarkt. Als der Mann mit dem weißen Gerät kommt, setzt mein Atem aus, obwohl ich kein Fieber habe. Ich streife durch prall gefüllte Regalreihen und Fleischtheken, die von keinem Mangel zeugen. Ich komme an Kröten und Schildkröten vorbei. Wurde der Handel mit Wildtieren nicht gerade verboten?

29. Januar: Ein letztes Mal stehe ich am Ufer der atemberaubenden Skyline. Eine Familie zieht den Mundschutz für ein Foto ab. Ich frage mich, ob es richtig war, das Praktikum abzubrechen.

Schummelei am Flughafen

30. Januar: Menschen, die ich kenne, nehmen Ibuprofen, um durch die Kontrollen zu gelangen. Lufthansa streicht alle Flüge. Die Zahl der Toten steigt auf 200.

31. Januar: Nach 15 Stunden mit doppeltem Mundschutz lande ich in an Bord einer chinesischen Airline in Frankfurt und hoffe, den Mundschutz so bald nicht mehr zu brauchen.

Der derzeitige Stand

Das Coronavirus breitet sich weiter aus. In China sind aktuell rund 17200 Menschen infiziert. Am stärksten betroffen ist nach wie vor die Provinz Hubei. Dort gaben die Behörden einen Anstieg der Infektionen um mehr als 2100 Fälle bekannt. Die Zahl der Todesopfer stieg auf 361.

Lesen Sie auch: Hilft ein Mundschutz? Was Sie über das Corona-Virus wissen müssen.

Nachdem Jacqueline Schauer ihr Praktium abbrechen musste, sucht sie nun eine neue Praktikumsschule und widmet sie sich weiter ihrer Arbeit als Poetry-Slammerin und Workshopleiterin.

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