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Kiel Stadttauben sollen rauf aufs Dach
Kiel Stadttauben sollen rauf aufs Dach
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09:27 29.09.2019
Von Karina Dreyer
Lotte Harsdorf kümmert sich im Rahmen ihres Bundesfreiwilligendienstes im Tierheim um die Tauben. Quelle: Karina Dreyer
Kiel

Immer mehr Tauben tummeln sich im Stadtbereich, „weil sie im Umland weder genügend Brutplätze noch Nahrung finden“, sagt Elisabeth Haase, Leiterin des Tierheims Kiel. Auch die Zahl der verletzten Tauben steigt. Waren es 2017 rund 150, sind es in diesem Jahr schon mehr als 200 gewesen, die im Tierheim aufgepäppelt werden mussten. „Dabei versuchen sie einfach nur, in der Stadt zu überleben“, sagt sie. Und so picken sie nach jedem noch so kleinen Brotkrümel und anderem Abfall, der auf der Straße landet. „Tauben sind aber Körnerfresser, Brot ist für sie nicht gesund und führt zu Mangelerscheinungen“, so Haase.

Füttern von Wildvögeln ist verboten

Ilka Hüser hat seit zwei Jahren ein Auge auf die Tauben. „Es geht ihnen schlecht“, sagt sie. Das Füttern von Wildvögeln ist verboten. Einige Menschen würden es trotzdem machen und das sei bestimmt auch gut gemeint. „Aber manche füttern in solchen Unmengen, dass was liegen bleibt und Ratten anzieht.“ Wird dann plötzlich mit dem Füttern aufgehört, würden die Tauben geschwächt und „manche leider zu Futter-Opfern für Möwen“. Immer wieder beobachtet sie auch Kinder, die gerne einen Taubenschwarm aufscheuchen. „Eltern müssten ihren Kindern mal erklären, dass Tauben auch Tiere sind, immer auf der Suche nach Futter und leicht in Angst und Schrecken zu versetzen“, sagt sie.

Taubenschwärme nehmen zu

Zu finden sind Taubenschwärme vor allem am Bootshafen, in Gaarden, Mettenhof und Wellingdorf. An einigen Stellen kümmert sich Aylla Atlas seit Jahren aufopferungsvoll um verletzte Tauben, die getreten wurden oder die sich mit ihren Füßen in Schnüren, Fäden und Haaren verfangen haben. „Ich habe mir mithilfe von Videos selber beigebracht, wie man sie vorsichtig davon befreit und habe auch Käscher gekauft, aber ich fange sie am besten mit der Hand“, sagt sie. Besonders traurig macht Atlas das Bild, das viele Leute hier von Tauben haben. In der Türkei beispielsweise sei das anders: „Dort sind sie Tauben keine Plage, da werden Menschen sogar von der Politik und Medien aufgefordert, sie zu füttern, weil sie es so schwer haben, Futter zu finden“, sagt sie. 

Tauben übertragen Krankheiten wie andere Tiere auch

Nicht selten werden Tauben als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet und „es wird behauptet, dass sie Krankheiten übertragen, aber das tun sie nicht mehr oder weniger als andere Tiere auch“, sagt Elisabeth Haase. Der Tierschutzverein Kiel beschloss, den Stadttauben zu helfen und hofft mit der Stadt eine Lösung in Form von Taubenhäusern nach dem Augsburger Modell zu finden, das kostengünstig und einfach zu bedienen sei. „Es gibt schon viele positive Erfahrung damit in anderen Städten. Die Kieler Ratsversammlung muss noch ihr Okay geben, dann könnten wir im Frühjahr schon die ersten Taubenhäuser aufstellen“, sagt sie.

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Toll wären als Standorte der neue ZOB wegen seiner Nähe zum Wasser, auch das Rathaus würde sich anbieten. „Wir stellen dann das Pflegepersonal und arbeiten die Ehrenamtlichen ein“, sagt sie. Das heißt, sie müssten die Tauben dann füttern, die Häuser sauber machen und kranke Tiere notfalls ins Tierheim oder zum Tierarzt bringen. Elisabeth Haase ist sehr zuversichtlich, dass die Tiere die Häuser annehmen und bleiben, „denn Tauben sind ortstreue Tiere, deswegen entstand ja auch der Brieftauben-Sport“, sagt sie.

Tierschutzbund setzt auf Aufklärung

Bei seiner Kampagne „Respekt Taube“ setzt der Deutsche Tierschutzbund vor allem auf Aufklärung. So sollten Tauben nicht unkontrolliert gefüttert werden, weil die unregelmäßige Fütterung Probleme für die Tiere birgt. Man sollte sich etwas Zeit für Tauben nehmen, um sie kennenzulernen. „Tauben stehen für Liebe und Frieden. Sie sind treue Tiere und bleiben ein ganzes Leben lang mit ihrem Partner zusammen. Sie sind sehr intelligent und können sogar menschliche Gesichter wiedererkennen“, informiert der Tierschutzbund.

Auch er empfiehlt tierschutzgerechte Lösungen wie Taubenhäuser und -türme. Denn sie helfen dabei, den Bestand der Tauben tiergerecht zu regulieren. So können sie artgerecht gefüttert und ihre Gesundheit kontrolliert werden. Die Tiere können in Ruhe nisten und ihre Eier durch Attrappen ausgetauscht werden. Dadurch entsteht ein kleinerer, gesunder Stadttaubenbestand. Wie zum Beispiel in Augsburg, wo 1997 das erste Taubenhaus entstand, mittlerweile sind es zwölf.

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