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Kiel Geheimnis des Lutherschatzes gelüftet
Kiel Geheimnis des Lutherschatzes gelüftet
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06:00 30.08.2017
Von Thomas Paterjey
Ergebnisse der Provenienz-Forschung: Ein großer Teil der reformatorischen Schriften wurde 1933/34 angeschafft, hat Prof. Johannes Schilling herausgefunden. Über diese Erkenntnisse freut sich auch Dr. Klára Erdei, Leiterin des Arbeitsbereichs Altbestände- Quelle: Frank Peter
Kiel

Da es die Kieler Hochschule zu Luthers Zeiten noch gar nicht gab, musste sie über Umwege an die Schriften gekommen sein. Nur wie und warum? Dazu konnte man nur Mutmaßungen anstellen. Bis jetzt. Bei der Konzeption der Ausstellung und seinen Forschungen für den dazugehörigen Katalog ist der emeritierte Kirchenhistoriker auf Quellen gestoßen, die die Provenienz vieler Bände erklären. „Jetzt wissen wir, dass die Drucke maßgeblich durch zwei Ereignisse in die Bibliothek gekommen sind“, sagt Johannes Schilling. Zum einen sei dies eine Schenkung der St. Nikolaigemeinde im Gründungsjahr der Uni, 1665, gewesen. Zum anderen kann der Wissenschaftler nachweisen, dass die Bibliothek in den Jahren 1933/34 anlässlich des 450. Geburtstags von Martin Luther im großen Stil Bücher zum Thema Reformation angeschafft hat.

Vermächtnis-Aufstellung wird als Leihgabe ausgestellt

Neben der aktuellen deutschsprachigen und skandinavischen Forschungsliteratur wurden damals auch etliche Originaldrucke angekauft. Unter anderem wurden am 2. Mai 1934 in Würzburg zum Preis von 436 Reichsmark („mehr als das Monatsgehalt des UB-Direktors“) 32 Bände erworben, die einst zur Privatbibliothek des US-Sammlers Jackson gehörten. Diese waren 1910 in Leipzig versteigert worden. Die Zugangsbücher („Accessionsjournale“) verzeichnen in den beiden Jahren den Zugang von mehr als 100 historischen Bänden. Eine besondere Note erhält die plötzliche Kauffreude, wenn man sich genauer mit der Biografie des damaligen Bibliotheksdirektors befasst: Dr. Christoph Weber war Katholik und musste sich direkt nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten gegen den Vorwurf wehren, zu viele „Catholica“ anzuschaffen, erläutert Schilling. 1935 habe er sein Amt in Kiel dann auch verloren und wurde nach Königsberg versetzt.

Spannend sind auch die Details, die der Kirchenhistoriker über die Schenkung der Nikolaigemeinde herausgefunden hat. Unter den 205 Bänden waren etliche, die der Kirche von einem ihrer früheren Pastoren, dem 1542 verstorbenen Rudolf von Nimwegen, vermacht worden waren. Eine Aufstellung von diesem Vermächtnis gibt es noch im Kieler Stadtarchiv, wie Schilling herausgefunden hat. „Das ist eine Sensation!“, jubelt er. Auch diese fast fünf Jahrhunderte alte Urkunde soll ab Ende Oktober in der Bibliothek als Leihgabe ausgestellt werden.

Vergleichbarer Thesen-Erstdruck für 1,1 Millionen Euro versteigert

Damit ist die Schau, die am 24. Oktober um 19 Uhr im Foyer der Zentralbibliothek eröffnet wird und bis 22. Dezember läuft, um eine weitere Kostbarkeit reicher. Das ist zunächst ideell zu verstehen, aber der ideelle Wert der alten Papiere kann auch in einen monetären umgemünzt werden, wie Mitte Mai eine Auktion in Königstein/Taunus bewies: Hier war ein vergleichbares Exemplar der 95 Thesen unter dem Hammer gekommen, wie es auch die Kieler UB besitzt. 1,1 Millionen Euro legte ein Bieter aus Übersee für die Buchausgabe auf den Tisch, die nur knapp zwei Wochen nach der Veröffentlichung der Thesen bei Adam Petri in Basel gedruckt wurde. Mit Mehrwertsteuer und Aufgeld lag der Kaufpreis bei rund dem Zehnfachen des Schätzpreises von 150000 Euro. „Die Aura des Stücks ist unbeschreiblich“, kommentiert Schilling.

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