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Kiel Lange A-cappella-Nacht
Kiel Lange A-cappella-Nacht
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00:49 28.06.2014
Von Kai-Peter Boysen
Die Boys von "nur wir" legten ein bärenstarkes Set hin. Quelle: Frank Peter
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Kiel

In zwanzigminütigen Blöcken präsentieren die drei Ensembles abwechselnd die Früchte ihrer langen Proben, das Kieler Quartett nur wir macht den Anfang mit augenzwinkernd geistlichem Liedgut, um dann stimmlich tief ausgelotet „Jein“ von Fettes Brot einen schmackhaften Aufstrich zu verpassen. Hennu und Malte (Tenor) sowie Geppi (Bariton) und Frerk (Bass) sind im siebten Jahr ihres Bestehens zu einer Einheit gewachsen, die eine gewisse chaotische Hibbeligkeit und seriöses Hand- respektive Mundwerk zu einem unterhaltsamen Gesamtkunstwerk vereinen. Da wird dem Gelben Wagen in diversen Variationen der Staub vom Kutschbock geblasen, kommt Plattdeutsch in einem Pop-Medley groß raus und selbst einem Discosong wie O-Zones „Dragosta din tei“ wird jeder Schrecken genommen, wenn nur wir sich seiner annehmen. Stets bestechend sind Geppis Beatboxqualitäten.

Mit dem Kieler Quartett Komplett betreten anschließend „200 Jahre Lebenserfahrung und 350 Kilo Körpergewicht“ die Rathausbühne. Ganz nebenbei auch viermal 26 Jahre Bühnenerfahrung. Stilvoll in Frack gekleidet liefern sie mit Max Raabes „Ich bin nur wegen dir hier“ gleich ein a-cappella-Glanzstück. Die vier Herren Tim, Peter (Tenor), Carsten (Bariton) und Buschi (Bass) ziehen neben einem einwandfreien stimmlichen Vortrag ihr komisches Potenzial weniger aus Körperlichkeit, als aus nuancierter Mimik und Gestik. Es sind die kleinen Dinge, die sie unwiderstehlich machen, zudem haben sie mit Matthias „Buschi“ Busch eine naturtalentierte Rampensau in ihrem Kreis. Ob stimmführend in charmanter Tuchfühlung mit den Damen im Publikum bei „Küssen kann man nicht alleine“, mit afro-englischem Akzent in Manu Chaos „Bongo Bong“ oder als Bass der Barbershop-Version von „Zwei Apfelsinen im Haar“, stets winkt ihm der Schalk vom Nacken.

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Es bedarf danach einer kleinen Weile, bis das Publikum sich auf die schwungvollen Damen von Sweet Sugar Swing aus Oldenburg eingegroovt hat. Unterstützt von Kontrabass und kleinem Schlagzeug geben Mary, Annie und Tina im Stewardessen-Outfit mit „Boogie Woogie Bugle Boy“ einen Klassiker der Andrew Sisters zum Besten, gefolgt von „Chattanooga Choo Choo“. Mit viel Energie und Drive singt und tanzt sich das stimmfeste Trio durch Rock`n Roll der Marke „Shake, Rattle And Roll“ und kann es auch verrucht in Donna Summers „Hot Stuff“. Ihr zweites Set bestreiten Sweet Sugar Swing im Petticoat und swingen sich erfolgreich, doch vereinzelt fast zu aufgedreht durch Songs wie „Crazy Little Thing Called Love“ oder „Mambo Italiano“.

Die Boys von "nur wir" legen darauf ein bärenstarkes Set hin, angefangen von Frerks wirklich durch Mark und Bein brummenden „Supergeil“, einem hinreißend gesungenen „Burn It Down“ von Linkin Park und einem tief bis zum Madrigal schürfenden „Nothing Else Matters“. Wiederum Frerk glänzt mit Bass- und Kopfstimme in „Warum?“ von Knorkator.

Schade, dass der Fußball eine merkliche Schneise in die Zuschauer schlägt, doch diejenigen, die bleiben, erleben ein weiterhin gut aufgelegtes Quartett Komplett und alle zusammen beschließen mit „Joshua Fought The Battle Of Jericho“ einen stimm- und stimmungsvollen Abned.