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Kiel Hostessen mit Fingerspitzengefühl
Kiel Hostessen mit Fingerspitzengefühl
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00:39 27.06.2014
Von Jürgen Küppers
Natalie Kristmann (links) und Soetje Peters sorgen sich als Kieler-Woche-Hostessen um die Gäste der Stadt. Die Verwaltungsangestellten kommen bei bis zu 50 festlichen Anlässen im Jahr zum Einsatz. Quelle: fpr: Frank Peter
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Denn im richtigen (Berufs-)Leben sind die zwei jungen Damen mit eher wenig schillernden Aufgaben wie Bußgeldbearbeitung im Ordnungsamt oder Auftragsvergaben im Rechtsamt betraut. Da kommen den Verwaltungsfachangestellten die bis zu 50 festlichen Anlässe im Jahr gerade recht, um den wichtigen und manchmal auch berühmten Zeitgenossen neben ihrer Verwaltungsarbeit einmal ganz nahe zu sein – wie zum Beispiel dem Bundespräsidenten Joachim Gauck am vergangenen Sonnabend beim Empfang der Stadt im Ratssaal.

 Mag das Reichen von Getränken auf den ersten Blick erst einmal nicht sonderlich knifflig erscheinen, ist mitunter trotzdem ein höheres Maß an Fingerspitzengefühl gefragt. Zum Beispiel, wenn sie Gästewünsche nach nicht verfügbaren speziellen Weinsorten, alkoholfreiem Bier oder nach einem Prosecco („...den vertrage ich besser, weil er weniger Kohlensäure als Sekt hat“) ablehnen müssen.

 Höflich, aber bestimmt schreiten die beiden Hostessen ein, wenn besonders Durstige bereits vor Grußworten oder Reden Getränke zu sich nehmen wollen. „Das geht natürlich nicht, weil Gläsergeklapper stört und es den Rednern gegenüber unhöflich wäre“, erklärt Frank Hackbarth, der die Empfänge der Stadt organisiert und die Einsätze seiner insgesamt acht Hostessen koordiniert. Dass es sich dabei nur um Damen handelt, ist keine Absicht. „Ich würde sehr gerne auch Herren einsetzen, aber es melden sich einfach keine.“

Möglicherweise im Vorteil sind die Damen im Hostesseneinsatz, wenn ihnen ein Missgeschick passiert. Wie zum Beispiel vor ein paar Tagen bei einem Kieler-Woche-Empfang im Rathaus, als Natalie Kristmann Kiels Alt-Oberbürgermeister Karl-Heinz Luckhardt nicht erkannte. „Dabei stand er direkt vor seinem Ölbild-Porträt und sprach ständig von seiner Amtszeit.“ Der mittlerweile 82-Jährige nahm es der 25-Jährigen offenbar nicht übel, dass sie sich zu Luckhardts Identität erst bei einer Kollegin kundig machen musste. „Schließlich lag ich zu seiner Amtszeit ja noch fast in den Windeln.“